Eine Kreuzfahrt ist die vielleicht bequemste Art und Weise, ein großes Stück von der Welt zu erleben, ohne dabei selbst viel machen zu müssen: Nach dem Einchecken an Bord werden Gäste von vorne bis hinten bedient, finden alles, was sie zum Leben und Genießen brauchen, in fußläufiger Entfernung, und schippern dabei – fast unmerklich – in die exotischsten Ecken des Globus. Dort gehen sie tageweise von Bord, lassen sich von gut organisierten Ausflugs-Aktionen begeistern und fallen abends satt und zufrieden in ihre Kojen.

Aber wie kommt man überhaupt zu einer Kreuzfahrt? Wie alles, so lassen sich auch Kreuzfahrten online buchen – bequem von zu Hause aus. Ob die Online-Buchung aber auch so einfach ist wie das Leben an Bord, hat IMTEST bei den fünf großen Portalen TUI Cruises, AIDA, Hapag-Lloyd, MSC und Phoenix Reisen überprüft.

Mit Hindernissen Kreuzfahrten online buchen

Im Grunde müsste die Online-Buchung einer Kreuzfahrt kinderleicht sein, denn schließlich ist ein Schiff ja so etwas wie eine schwimmende Pauschal-Ferienanlage. Also hat IMTEST die Buchungsportale der fünf großen Reedereien aufgesucht: Zielgebiet wählen, Zeitraum wählen und fertig? Ganz so einfach ist es nicht, eine Kreuzfahrt online zu buchen. Denn der Buchungsprozess birgt ein paar Stolpersteine, mit denen vor allem Einsteiger nicht gleich rechnen – angefangen bei der An- und Abreise zum Kreuzfahrtterminal über die Frage, was überhaupt inklusive ist, bis hin zur Kabinenauswahl.

Screenshot AIDA Seite mit großem Schiffsfoto
Viele Anbieter (hier: AIDA) bieten zwar auch reale Schiffsbesichtigungen an, allerdings sind die Kapazitäten momentan sehr knapp. © AIDA

An- und Abreise selbst organisieren?

Je nach Route ist neben der Kreuzfahrt selbst auch die An- und Abreise zu organisieren. Einfach haben es hier nur zum Beispiel Hamburger, die vom Hamburger Kreuzfahrtterminal starten wollen. Eine Kreuzfahrt in der Karibik erfordert aber auch immer die Hin- und Rückflüge, eventuell sogar Transit-Übernachtungen. Bei keinem der Portale im Test ist immer und sofort ersichtlich, ob und welche Transfers schon inbegriffen sind.

Screenshot Angebotsseite von MSC mit vier verschiedenen Angeboten
Die Auswahl an Tarifen und Kabinenarten ist für Einsteiger oft undurchsichtig (hier: MSC Cruises). © MSC, IMTEST

Viele „günstige“ Kreuzfahrt-Angebote auf allen Portalen erscheinen vor allem deshalb so preiswert, weil Flüge oder Bahnfahrten darin noch gar nicht enthalten sind – oder aber einen Flughafen als Standard setzen, den man noch mit Bahn oder Flieger erreichen muss. Erst im Verlauf des Buchungsprozesses wird oft klar, wie die Transfers ablaufen – und was sie kosten. Wer das nicht weiß, kann schnell verschreckt werden.



Was ist bei der Kreuzfahrt inklusive?

Alle Anbieter rühmen sich mit ihren Inklusivleistungen. Augenscheinlich soll alles bereits im Preis inbegriffen sein. Wer es aber genau wissen will, muss mit vielen Klicks in die Details einsteigen. Denn ob etwa mobiles Internet, Wellnessbereiche, bestimmte Getränke oder auch Bordaktivitäten wie Kinderbetreuung wirklich inklusive sind, hängt meist vom gebuchten Tarif und der gebuchten Kabine ab – und kann zum Teil stark variieren. Die Buchungsportale im Test nennen zwar stets alle Leistungen, allerdings listen sie sie auch nicht offen und offensiv auf – man muss schon etwas suchen und wissen, wie das geht.

Screenshot sechs Kacheln für Sportangebot auf MSC Schiff
An Bord von Kreuzfahrtschiffen (hier: MSC) ist das Angebot an Aktivitäten üppig – ob und was davon aber in der aktuellen Buchung enthalten ist oder ob es sich sogar online nachbuchen lässt, ist oft nicht klar ersichtlich. © MSC, IMTEST

Virtuell die passende Kabine finden?

Anders als ein Doppel- oder Einzelzimmer ist die Auswahl einer Kabine schon fast eine Wissenschaft für sich: innen oder außen, Veranda oder nicht, Heck, Bug oder Mitte, Ober-, Unter- oder Mitteldeck – hier muss man sich teilweise durch ein wahres Schiffslabyrinth klicken und schnell den Überblick verlieren, wenn man mit Schiffsarchitektur nicht gut vertraut ist.

Panoramabild zeigt Kreuzfahrtschiffslounge
Neben 360-Grad-Kabinenansichten bieten vieler Portale auch komplette virtuelle Schiffsrundgänge. © AIDA, IMTEST

Eine Orientierungshilfe könnten virtuelle Schiffsrundgänge und Kabinenbesichtigungen bieten – die übrigens alle Portale im Test anbieten – allerdings helfen die in dieser Hinsicht nur bedingt weiter. Sie bieten vor allem einen intensiven Eindruck von der Optik des Schiffes, helfen aber nicht wirklich dabei, sich zurechtzufinden. Denn wer sich, berauscht von der Schönheit des Schiffes, durch die Navigationspunkte klickt, hat sich sehr schnell verlaufen. Abhilfe können da reale Schiffsbesichtigungen schaffen. Zum Zeitpunkt des Tests waren allerdings nur die theoretischen Angebote auf den Seiten zu finden. Echte Termine ließen sich nicht buchen. Nach Aussage der Betreiber soll sich das aber in naher Zukunft wieder ändern.

Screenshot weiße Seite mit Schlafzimmerfoto mit 360-Grad-Button in der Mitte
Virtuelle Tour: Auf allen Buchungsportalen lassen sich Schiff und Kabinen online besichtigen. © IMTEST

Kreuzfahrten online buchen ist nichts für Einsteiger

Im Grunde sollte die Online-Buchung einer Kreuzfahrt kinderleicht sein. Ist sie aber nicht – vor allem für Einsteiger. Das liegt auch daran, dass die Kombinationsmöglichkeiten der Routen, Schiffe, Kabinen, Decks und der Tarife immens sind. Erschwerend kommt hinzu, dass sich alle Optionen jederzeit gegenseitig beeinflussen können. Anders gesagt: Man kann sich zwar ganz einfach für einen Pauschal-Tarif entscheiden, aber im anschließenden Buchungsverlauf jede Option einzeln wieder verändern – ohne dabei zwangsläufig zu verstehen, dass sich dadurch der gesamte Buchungstarif ändert. Hinzu kommen Zusatzangebote für besondere Anlässe wie Hochzeiten wie etwa bei Phoenix Reisen. Auch informieren die meisten Portale über Aktivitäten wie Sport oder Wellness. Einige davon lassen sich auch separat buchen, andere nicht. Allerdings ist nicht immer sofort ersichtlich, ob die jeweilige Aktivität schon im gewählten Tarif enthalten ist – oder gar den Tarif ändert, wenn man sie dazu bucht.

Deckplan von Kreuzfahrtschiff mit Legende und Beschreibung
Die Ansichten der Decks und Kabinen sind zwar oft sehr detailliert, für Neulinge aber oft auch kompliziert und unübersichtlich. © MSC, IMTEST

Im Vergleich bietet Hapag Lloyd das umfangreichste Angebot. Das ist zwar sehr üppig, dafür kann man dann erst recht den Überblick verlieren, wenn man sich nicht auskennt. Eine richtig gute Führung durch die Infos und den Buchungsprozess sowie einen klaren Überblick bietet keines der Portale im Test. Auch wenn bei allen Anbietern sofortige Buchungshilfe per Telefon und E-Mail möglich ist, bei TUI Cruises auch zusätzlich per Live-Chat.

Screenshot Phoenix Reisen mit Foto von auf Boden liegender Braut
Extra-Service: Besondere Arrangements wie Hochzeiten sind oft online buchbar (hier: Phoenix Reisen). © Phoenix Reisen, IMTEST

Wer wetterfest ist, wird sich an den vielen Buchungs- und Verwaltungsmöglichkeiten erfreuen. Wer das zum allerersten Mal macht, sollte mindestens auch einmal ins Reisebüro zur Beratung gehen.

FAZIT

Online-Buchungsportale für Kreuzfahrten bieten sehr viele Optionen. Der Erste Einstieg ist dabei immer sehr einfach: Reisezeitraum und Zielgebiet wählen – fertig. Dann allerdings wird es sehr schnell komplex, denn anders als etwa bei Hotelbuchungen sind die Auswahlmöglichkeiten auf einem Schiff ungleich größer. Das liegt vor allem an der Vielzahl unterschiedlicher Tarife, die nach Inklusivleistungen und Kabinenart unterteilt sind – und allein die Vielzahl an Kabinentypen auf den unterschiedlichen Decks ist immens. Darum sind diese Buchungsportale in ihrer Handhabung gerade für Einsteiger sehr komplex und teils unübersichtlich. Den besten Mix aus Service und Bedienbarkeit bietet TUI für die „Mein Schiff“-Flotte, aber auch hier vor allem für diejenigen, die mit Kreuzfahrten vertraut sind. Wer sich zum ersten Mal auf ein Schiff wagt, ist vermutlich in einem klassischen Reisebüro erst einmal besser aufgehoben.