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10 Antiviren-Programme im Test: Die besten Alternativen zu Kaspersky

Das BSI rät vom Einsatz einer Kaspersky-Antivirensoftware ab. Diese Alternativen sind sicher.

Aufgeklapptes Notebook mit Schutzprogramm auf Bildschirm, Tablet und Smartphone daneben mit Schutzprogrammen; im Hintergrund Screenshot von Programm
© Getty Images, IMTEST

Die Gefahr durch Schädlinge, Betrug und andere Arten der Cyberkriminalität ist in diesen Zeiten größer denn je. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), rät explizit von einer Nutzung der Virensoftware des russischen Anbieters Kaspersky ab. Umso wichtiger sind jetzt alternative Antiviren-Programme. Welches Programm am besten schützt sowie wichtige Infos und Tipps zum Thema, lesen Sie hier. Falls Sie bereits eine Antiviren-Software von Kaspersky einsetzen und diese so schnell wie möglich loswerden möchten, dann klicken Sie einfach auf den Artikellink unterhalb des ersten Absatzes.

Darum sind Antiviren-Programme so wichtig

Im Jahresbericht „Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2021“ unterstreicht die Bonner Behörde, dass dabei die größte Gefahr von Malware und Ransomware ausgeht. Insgesamt haben die Beamten zwischen Juni 2020 und Ende Mai 2021 144 Millionen neue Schädlings-Varianten identifiziert – das entspricht einem Anstieg von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Februar 2021 entdeckte das BSI an nur einem einzigen Tag die Rekordzahl von 553.000 neuen Schadprogramm-Varianten. Die Experten stufen die Bedrohungslage durch Cyberangriffe folglich von „angespannt“ im Jahr 2020 auf jetzt „angespannt bis kritisch“ hoch.



Wie gut schützen Antiviren-Programme Windows-Computer vor aktuellen Gefahren? Um das genau zu prüfen, hat IMTEST in Kooperation mit Sicherheitspartner AV-TEST zehn Security-Suiten intensiv auf ihre Schutzwirkung, Systembelastung und Benutzbarkeit geprüft.

Balkendiagramm anstieg Schädlinge von 2015 bis 2021
Laut AV-TEST bedrohen aktuell über 800 Millionen Viren die Sicherheit von PCs. Dazu kommen rund 180 Mio. sogenannte PUAs, also Potenziell Unerwünschte Anwendungen, die durch Werbung nerven oder Daten sammeln. © IMTEST

E-Mail-Schutz: Auch der Nutzer ist gefragt

Eines der aktuell größten Probleme ist Phishing. Mit Phishing-Mails wollen Online-Diebe wortwörtlich Ihre Online-Anmeldedaten „angeln“. Dazu versenden die Betrüger fingierte E-Mails, die so aussehen, als kämen sie etwa direkt von Ihrer Bank. Als Aufhänger dienen meist angebliche Probleme beim Online-Banking, unbezahlte Rechnungen oder Änderungen der Geschäftsbedingungen. Damit versuchen die Betrüger den Empfänger auf gefälschte Internetseiten zu locken, auf denen der dann dazu verleitet wird, Kontonummern, Passwörter, PINs und Transaktionsnummern (TANs) einzutippen, die die Betrüger dann abgreifen. Zudem lauern auf den Seiten oft versteckte Schädlinge. Hier sind also nicht nur Antiviren-Programme sondern auch die Nutzer selbst gefragt, bei Mails lieber zweimal hinzusehen.

Älterer Mann mit Brille sitzt lächelnd am Notebook
Antiviren-Software ist für jeden PC unerlässlich. Ohne sind persönliche Informationen, Daten und sogar das Bankkonto in Gefahr. © Getty Images

Phishing-Mails erkennen

Dabei gehen die Spammer immer professioneller vor. Inzwischen schreiben sie die Opfer etwa persönlich an („Sehr geehrter Herr Müller“) und nutzen vertrauenswürdige Absenderadressen (etwa „service@paypal.de“). Die Zeiten, in denen Phishing-Nachrichten durch viele Rechtschreibfehler und absurde Aufmachung ganz einfach zu erkennen waren, sind ebenfalls vorbei. Wie also Phishing auf die Schliche kommen? Das wichtigste Kennzeichen: Phishing-Nachrichten folgen stets Schema F. Aufhänger ist in der Regel ein Sicherheitsproblem oder eine andere Schwierigkeit, die angeblich gelöst werden müsse. Um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, folgen meist Drohungen, wie Konten oder Karten zu sperren, falls der Empfänger nicht umgehend handelt.

Screenshot von Seite, die aussieht wie die Homepage von Sparkasse
Miese Masche: Phishing-Betrüger verschicken fingierte Mails, die auf Webseiten lotsen sollen. © IMTEST

Regel Nummer eins: Banken, Bezahldienste und andere Unternehmen fragen per E-Mail oder Telefon NIE nach Passwörtern, Anmeldedaten oder anderen persönlichen Daten. Wer diese Regel beherzigt, ist eigentlich schon auf der sicheren Seite. Aber Menschen sind Menschen. Es kann durchaus passieren, dass man einmal nicht richtig bei der Sache ist oder nicht genau hinguckt. Und schon ist es passiert. Beachten Sie daher folgende Sicherheitsregeln:

Wer glaubt, an einer Warnmeldung könnte etwas Wahres dran sein, sollte nicht auf den Link in der E-Mail klicken, sondern sich in einem neuen Browser-Fenster manuell beim betroffenen Dienst anmelden und selbst nachschauen, ob etwas nicht stimmt.

Unter keinen Umständen bedenkenlos Dateianhänge von E-Mails unbekannter Herkunft öffnen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um anscheinend ungefährliche Dateien wie Bilder, Dokumente oder sonstige Dateien handelt.

Niemals auf Phishing-Spam reagieren: In diesem Fall wissen die Cybergangster, dass die E-Mail-Adresse auch tatsächlich genutzt wird. Dadurch hagelt es noch mehr Spam- und Phishing-Mails.



Wie Antiviren-Programme vor Phishing schützen

Außerdem helfen Ihnen Antiviren-Programme bei der Erkennung von Phishing-Nachrichten. Bis auf den Microsoft Defender bieten alle getesteten Programme einen entsprechenden Zusatzschutz. Sie blockieren entweder direkt die Phishing-Nachrichten im Postfach oder warnen vor dem Öffnen gefährlicher Internetseiten sowie infizierter Dateianhänge. Der Einsatz eines Passwort-Managers, den außer Microsoft, Avast und AVG ebenfalls alle Antiviren-Suiten an Bord haben, ist ebenfalls hilfreich. Denn bietet der Passwort-Manager für eine bestimmte Internetseite gespeicherte Anmeldedaten nicht an, handelt es sich ziemlich sicher um eine gefälschte Version.

Screenshot weißes Fenster mit Warnung vor Phishing
Phishing-Schutz: Gute Antiviren-Programme erkennen den Betrug und warnen vor der Gefahr. © Avira, IMTEST

Internet-Schutz: Sicher surfen

Früher fanden Computerviren in der Regel über verseuchte Disketten den Weg auf PCs, heutzutage ist das Internet der häufigste Infektionsweg. Damals wie heute ging es um die Kontrolle über den Computer – doch die Absichten der Viren-Programmierer haben sich grundlegend geändert. In den Anfangszeiten ging es meist um Schabernack und etwas Ruhm. Eine lustige Botschaft auf dem Bildschirm, hier und da eine Fehlfunktion – echten Schaden haben die ersten Viren nicht angerichtet. Wer sich 1991 beispielsweise den „Casino“-Virus einfing, musste mit dem Schadprogramm „Jackpot“ um den Inhalt seiner Festplatte spielen.

Viren: Schluss mit lustig

Doch mit zunehmender Internet-Nutzung waren die spaßigen Zeiten vorbei. Statt gewieften Programmierern übernahmen zudem zunehmend Cyberkriminelle das Ruder. Moderne Schädlinge zeichnen, wenn sie nicht von Antiviren-Programme aufgehalten werden, Tastatureingaben des Opfers auf (Keylogger), funktionieren PCs zu Spamschleudern um (Botware) oder lassen Angreifer den Computer übers Internet fernsteuern (Backdoors). Für besonders viel Wirbel sorgen in letzter Zeit vor allem Erpressungs-Trojaner, auch unter der Bezeichnung Ransomware bekannt.

Allein im ersten Halbjahr 2021 verzeichneten Sicherheitsforscher weltweit 304,7 Millionen Ransomware-Angriffe – das entspricht 151 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Schema ist bei allen gleich. Der Schädling agiert erst einmal im Hintergrund und verschlüsselt heimlich die Nutzerdaten. Dann startet er den Sperrmechanismus, und die Erpresser melden sich per Bildschirmnachricht. Die Drohung: Nur, wenn Geld fließt, lasse sich der Computer wieder nutzen beziehungsweise die verschlüsselten Daten wieder abrufen.

Screenshot dunkles Fenster mit Warnung
Ransomware-Schutz: Die Abwehr von Erpresser-Viren zählt zu den Basisaufgaben von AV-Programmen. © Avast, IMTEST

So infizieren sich Computer mit Viren

Aber wie schaffen es Viren, Trojaner und andere Schädlinge überhaupt, auf einen Windows-Computer zu gelangen? Dazu nutzen sie verschiedene Einfallstore:

Meist finden Schädlinge durch Fahrlässigkeit ihren Weg auf den Computer. Etwa dadurch, dass Nutzer Programme von unbekannten Internetseiten installieren. Dabei besteht immer das Risiko, dass diese Programme versteckte Schadsoftware beinhalten – die dann sozusagen Huckepack mitinstalliert wird.

Manchmal reicht ein (versehentlicher) Besuch einer dubiosen Internetseite, und Cyber-Gangster schleusen Schädlinge auf den PC ein. Diese „Drive-by-Downloads“ nutzen Sicherheitslücken in Browsern. Dabei tarnt sich zum Beispiel ein Virus als Bild. Beim Versuch, das Bild darzustellen, führt der Browser das Schadprogramm aus.

Aktuelle Betriebssysteme und Programme sind so komplex, dass es bei der Programmierung nahezu unmöglich ist, keine Fehler zu machen. Angreifer nutzen solche Sicherheitslücken im Programmcode, um Schädlinge übers Internet auf Computer zu schleusen und dort zu starten.

Fünf Antiviren-Programme mit perfektem Schutz

Wie gut erledigen Antiviren-Programme diese Aufgabe? Um das herauszufinden, hat IMTEST in Kooperation mit Sicherheitspartner AV-Test über sechs Monate lang alle Waffen auf die Schutzprogramme abgeschossen, die auch zum Arsenal von Cyber-Kriminellen gehören:

  • beispielsweise Zero-Day Malware (aktuelle Bedrohungen),
  • Drive-by-Attacken (Viren, die auf Internetseiten lauern),
  • Downloads von Webseiten,
  • Angriffe über verseuchte E-Mails und vieles mehr.

Das Ergebnis: Hundertprozentigen Schutz boten immerhin fünf der zehn untersuchten Produkte: Kaspersky Total Security, Bitdefender Total Security, Norton Life-Lock 360 Premium, Avast One sowie AVG Ultimate.

Der Windows Defender, G Data Total Security und F-Secure Total erzielten bei der „Schutzleistung“ zwar ebenfalls die Note „sehr gut“, ließen aber im Laufe der Monate den einen oder anderen Schädling passieren. Schlusslichter in Sachen Virenerkennung waren Avira Prime und Eset Smart Security Premium, die vor allem im Langzeittest keine gute Figur abgaben.

So testet IMTEST Antiviren-Programme

IMTEST stützt sich bei der Beurteilung der Antiviren-Programme auf seinen Sicherheitspartner AV-TEST. Mit selbst entwickelten Analysesystemen und ausgeklügelten Testverfahren garantiert AV-TEST unabhängige und zuverlässige Prüfungen.

Die Malware-Experten von AV-TEST untersuchen die Schutzleistung gegen aktuelle Malware (Real-World-Test) sowie gegen weit verbreitete Schadprogramme (AV-TEST Referenz-Set). Für den Test zählen vorrangig die aktuellen Ergebnisse von September und Oktober 2020 als auch das Langzeitergebnis, das sich aus den Schutzwirkungstests von August, Juni, April und Februar 2020 zusammensetzt.

Wie sehr beeinflusst der Einsatz eines IT-Sicherheitsproduktes die Geschwindigkeit des zu schützenden Systems? Die Experten der AV-TEST-Labors untersuchen Auswirkungen auf die Performance mit ausgefeilten Tests unter realistischen Bedingungen.

Um den Einfluss von Schutzlösungen auf die Geschwindigkeit zu untersuchen, werden für die tägliche Arbeit an Computern typische Aktionen ausgeführt, gemessen und analysiert. Dazu zählt etwa der Aufruf von Webseiten, der Download von Programmen und anderen den täglichen Einsatz abbildenden Prüfszenarien.

Ob und in welchem Umfang der Einsatz getesteter Produkte die Benutzbarkeit durch Fehlalarme beeinträchtigt, steht ebenfalls auf dem Prüfstand. Dabei steuert das Testsystem eine Auswahl von mehreren Hundert viel besuchten Webseiten an. Es erfasst automatisch, ob und wann ein Schutzprogramm fälschlicherweise Warnmeldungen ausgibt oder gar den Zugriff aufgrund eines Fehlalarms blockiert.

Zudem erfasst der Fehlalarm-Test die Quantität fälschlicher Erkennungen von ungefährlichen Dateien durch die Schutzprogramme. In Hunderttausenden Testfällen müssen die Produkte eine möglichst geringe Fehlalarmquote erzielen.

Wie einfach lassen sich die Programme installieren und deinstallieren? Wie übersichtlich sind die Programme aufgebaut und wie einfach lassen sich Aufgaben wie Scans und das Hinzufügen von Ausnahmen bewältigen? Und werden Abos automatisch verlängert? Das spiegelt die Note „Bedienung“ wider.

Die Hersteller garnieren Ihre Lösungen zunehmend mit Extras, die die Sicherheit zusätzlich erhöhen sollen. IMTEST kontrolliert, welche Zusatzfunktionen an Bord sind.

Über die Schulter-Blick von zwei Menschen auf PC-Monitor mit Programmfenster
Eine der größten Malware-Datenbanken der Welt ermöglichen praxisnahe Tests.
Zwei Männer stehen vor Server
AV-TEST führt seit über 15 Jahren Prüfungen von Sicherheitsprodukten durch.

Windows 11 bietet keinen besseren Virenschutz

Die Antiviren-Programme testete AV-TEST auf Windows-10-PCs durch. Doch was ist mit dem neuen Windows 11? Das erklärt Andreas Marx im Interview.

Andreas MarxCEO von AV-Test

Lassen sich die Ergebnisse der Tests auf Windows 11 übertragen?

Ja, denn Windows 10 und Windows 11 sind sehr eng verwandt. Die Schutzwirkung (Erkennungsrate) und die Benutzbarkeit (Fehlalarme) der Produkte bewegen sich unter Windows 10 und 11 auf dem gleichen Niveau. Allein in Sachen Leistung kann es leichte Unterschiede geben. Hier ist noch nicht klar, ob es an den Sicherheitsprodukten oder an Windows 11 liegt. Ich denke, hier werden wir noch die eine oder andere Verbesserung sehen.

Ist Windows 11 generell sicherer als Windows 10?

Windows 11 ist im Vergleich zu Windows 10 tatsächlich sicherer geworden. Das liegt unter anderem auch an den strikteren Hardware-Voraussetzungen, die nach neueren und damit sichereren PC-Bauteilen verlangen. Das neue Sicherheitskonzept greift aber nur bedingt beim Virenschutz: Unsichere Mailanhänge lassen sich noch genauso einfach per Doppelklick öffnen wie bei älteren Windows-Versionen.

Welche Sicherheits-Trends erwarten Sie für 2022?

An der Virenfront wird es sicherlich nicht langweilig werden. Aktuell entdecken wir fünf neue Schadprogramme pro Sekunde, das sind knapp 450.000 neue Varianten pro Tag. Der Trend geht dabei eindeutig immer weiter zu Ransomware. Regelmäßige Sicherheitskopien aller Daten sind daher wichtiger als zuvor – egal, ob auf einer externen Festplatte oder in der Cloud. Wichtig ist, die Festplatte nach dem Back-up zu trennen und sich vom Cloud-Dienst abzumelden. Denn sonst kann die Malware auch hier zuschlagen.

Welche Antiviren-Lösung setzen Sie privat ein? Ich habe zu Hause mehrere PCs mit Windows 11 laufen und möchte die Stärken und Schwächen der von uns getesteten Produkte gerne selbst kennen lernen. Daher nutze ich verschiedene Lösungen – natürlich nur jeweils eine pro Computer.

Screenshot weißes Fenster von Schutzprogramm mit Funktionen
Tuning AV-Suiten wie Avast One versprechen auch die Leistung von PCs zu verbessern. © Avast, IMTEST

Mobil-Schutz wichtiger denn je

Das Thema Sicherheit steht beim Handykauf bei den meisten nicht oben auf dem Zettel. Ein Fehler. Schließlich stellt das Smartphone für viele das Zentrum ihres digitalen Lebens dar. Passwörter, Anmeldedaten, Kontakte, Fotos – es speichert jede Menge schützenswerter Daten. Genau die sind ohne gutes Antiviren-Programm in Gefahr. Aufgrund der Marktdominanz ist vor allem das Google-Betriebssystem Android für Cyberkriminelle ein lohnendes Ziel, entsprechend hoch ist die Anzahl an Viren, Hacks und Trojanern. Experten schätzen, dass sich die Anzahl an Schädlingen inzwischen auf über 30 Millionen summiert.

Dazu verstecken sich Malware zunehmend in Apps, davon kursieren mittlerweile um die 20 Millionen. Zwar gab es in der Vergangenheit auch auf dem iPhone immer wieder Sicherheitsvorfälle, doch die lassen sich an zwei Händen aufzählen. Dazu kommt, dass Apple und Google ihre Betriebssysteme sehr unterschiedlich ausgelegt haben. Apple hat iOS größtenteils abgeschottet, kaum konfigurierbar gestaltet und nur wenige Schnittstellen geöffnet.

Screenshot Smartphone schwarzes Fenster mit PlayProtect
Play Protect: Auf die Ergebnisse des eingebauten Android-Schutzprogramms ist kein Verlass.

Google-eigenes Antiviren-Programm löchrig

Im Gegensatz dazu hat Google Android auf maximale Transparenz und Flexibilität getrimmt. Das macht die Smartphones angreifbarer. Auch in Sachen Update-Politik sind die Unterschiede eklatant: iPhones versorgt Apple in der Regel fünf Jahre mit neuen Updates. Bei Android gibt es – abhängig vom Hersteller – mitunter schon nach etwa zwei Jahren keine Aktualisierungen und damit auch keine Sicherheitsupdates mehr. Für viele Besitzer ist das aber kein Grund, ihr Gerät durch ein neues zu ersetzen. Folglich groß ist Fragmentierung bei den Android-Versionen.

„CYBERANGRIFFE KÖNNEN JEDEN TREFFEN. UMSO WICHTIGER IST ES, SICH ANGEMESSEN ZU SCHÜTZEN!“

Porträt schwarz weiß von Mann mit im Anzug
Joachim WagnerBundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Das aktuelle Android 11 läuft nur auf sehr wenigen Geräten, die meisten nutzen noch die veralteten Versionen Android 9 und 8. Google kennt die Problematik und verspricht mit dem hauseigenen „Play Protect“ kostenlosen Virenschutz. Inzwischen läuft das Antiviren-Programm auf jedem neueren Android-System ab Werk. Auf den Google-eigenen Schutz können sich Nutzer allerdings nicht verlassen.



Das sind die besten Antiviren-Programme für Smartphones

Die beunruhigende Sicherheitslücke bei Google hat IMTEST in Kooperation mit Sicherheitspartner AV-TEST aufgedeckt. Dazu malträtierten die Experten diverse Sicherheitslösungen mit Tausenden infizierten Apps. Das ernüchternde Ergebnis: Play Protect entdeckte lediglich 58 Prozent der aktuellen Schädlinge. Bedeutet im Umkehrschluss: 1.328 von 3.185 durften passieren und Schaden anrichten. Mit 61 Prozent war die Erkennungsrate bei weit verbreiten Schädlingen ebenfalls schlecht, PlayProtect erkannt von 2.509 nur 983. Bewertung: Ungenügend! Außerdem fehlen Sicherheitsfunktionen wie ein Browser-Schutz, Erkennung von unsicheren Netzwerken sowie VPN zum sicheren Surfen.

Mit perfektem Schutz schnitten dagegen sämtliche Sicherheitsapps der großen Hersteller wie Bitdefender, Kaspersky, Avast, Norton, G Data, AVG und F-Secure ab, die auch in den getesteten Antiviren-Suiten enthalten sind.



Zusätzlicher Virenschutz auf Windows-PC?

Die Gretchenfrage für Windows-Nutzer: Benötigt man überhaupt noch ein zusätzliches Antiviren-Programm oder reicht der in Windows vorinstallierte Defender? Schließlich macht das Bordmittel in Sachen Virenschutz schon seit Langem eine sehr gute Figur. So auch in den zwischen Februar und Oktober 2021 mit einer nahezu hundertprozentigen Erkennungsrate (Note 1,1). Ein weiterer Vorteil des Defender ist, dass er fester Bestandteil von Windows ist und im Gegensatz zu vielen anderen kostenfreien Antiviren-Programmen nicht mit Werbung und anderen Meldungen nervt. Wer also seinen PC in erster Linie vor Infektionen mit Trojanern, Würmern und anderen Schädlingen schützen möchte, macht mit dem Defender nichts falsch.

Screenshot Windows-Fenster mit Warnung
Gut, aber nicht perfekt: Der Windows Defender blockte im Test (fast) alle Schädlinge ab. © Microsoft, IMTEST

Was dem Defender fehlt

Zu einem rundum guten Antiviren-Programm gehört allerdings mehr als nur ein Basisschutz gegen Eindringlinge. Und hier hapert es beim Defender an mehreren Stellen, vor allem im Vergleich mit anderen Antiviren-Programmen. Hier einige Beispiele:

Der „Smartscreen-Filter“ des Defenders warnt vor betrügerischen Internetseiten, die Ihnen geheime Anmeldedaten entlocken sollen, sogenannten Phishing-Seiten. Ebenso schlägt er Alarm, wenn sich auf einer Internetseite Schädlinge verstecken, die Ihren Computer angreifen wollen. Aber: Es überwacht nur den hauseigenen Edge-Browser. Wer Chrome oder Firefox einsetzt, surft weitgehend ungeschützt.

Eines der wichtigsten Bollwerke gegen Hacker und Datenschnüffler ist der Einsatz eines „Virtual Private Networks“, kurz VPN. So ein Programm baut auf Knopfdruck einen extra gesicherten Datentunnel zum Server des VPN-Anbieters auf, der alle Ihre Ausflüge ins Internet anonymisiert und verhindert, dass Sie Spuren hinterlassen.

Alle Antiviren-Suiten bieten spezielle Funktionen für Online-Banking und sicheres Bezahlen. Dabei handelt es sich etwa um ein speziell auf Sicherheit getrimmte, abgeschirmte Browser. So lassen sich beispielsweise keine Erweiterungen hinzufügen, die potenziell Sicherheitslücken aufweisen können. Beliebte Betrugsmaschen wie Phishing, Auskundschaften von Anmeldedaten per Trojaner und andere Schädlinge haben so schlechte Karten.

Neben Schädlingen selbst können auch andere Dinge Computer angreifbar machen. Gute Antiviren-Programme analysieren das System daher nicht auf Viren, sondern ebenfalls auf fehlende Windows- und Programm-Updates sowie schwache Passwörter, etwa für Windows-Konten und WLAN-Netzwerke.

Ein Trojaner reicht, und schon wird die Webcam am Computer zum Spion für Cybergangster. Gute Internet-Security-Suiten verhindern aktiv den unerlaubten Zugriff von Programmen auf die Webcam. Andersherum ausgedrückt: Sie müssen erst per Klick zulassen, dass ein Programm auf die Webcam zugreifen darf.

Der Defender kümmert sich nur um Windows und sichert keine anderen Geräte wie das Smartphone oder das Heimnetzwerk.

Screenshot schwarzes und weißes Fenster Norton Schutzleistungen
Mehr als Virenschutz: Gute Antiviren-Suiten schützen nicht nur den Computer selbst vor Gefahren. © Norton, IMTEST

Antiviren-Programme mit undurchsichtiger Preispolitik

Die Preise für Antiviren-Programme schwanken sehr stark. Sicher ist eines: Die „unverbindliche Preisempfehlung“ des Herstellers muss niemand bezahlen – nicht einmal im Shop des Herstellers. Denn auch dort gibt es nur noch „Streichpreise“ die bis zu 70 Prozent unterm Normalpreis liegen. Was zunächst wie eine gute Nachricht klingt, kann sich aber auch zum Nachteil entwickeln. Grund: Der Preis, den Nutzer bezahlen, berechtigt meist nur zur einjährigen Nutzung des Programms. Damit aber nach einem Jahr der Schutz nicht verloren geht, aktivieren die Hersteller oft bei Installation eine automatische Abo-Verlängerung.

Screenshot schwarzes Fenster mit Norton Meldung für Aboverlängerung
Ärgerlich: Außer Eset aktivieren alle Hersteller eine automatische Abo-Verlängerung. © Norton, IMTEST

Das lässt sich – auch nachträglich – natürlich wieder abschalten, aber man muss es zumindest wissen. Denn die automatische Verlängerung kann dazu führen, dass fürs zweite Jahr dann plötzlich der sehr viel höhere Normalpreis fällig wird, Beispiel Norton 360 Deluxe: Zum Testzeitpunkt kostete die ein Jahr gültige Lizenz für fünf Geräte nur 19,99 Euro statt der normalen 95,99 Euro. Der Normalpreis wird aber spätestens dann fällig, wenn das Abo nach einem Jahr verlängert wird. Ob er dann 95, 15 oder gar 150 Euro beträgt, kann jetzt niemand sicher sagen.

FAZIT

Cyberkriminelle tüfteln ständig neue Maschen aus, um an Ihre Daten und an Ihr Geld zu kommen. Selbst wenn Sie sich potenzieller Bedrohungen bewusst sind und äußerste Vorsicht walten lassen, lassen sich einige Bedrohungen ohne die zusätzliche Hilfe eines Antiviren-Programms nicht bekämpfen. Sie könnten zum Beispiel eine Internetseite besuchen, in dessen Werbung sich ein Schädling versteckt. Oder Ihr Computer wird Opfer einer Zero-Day-Attacke, bei der ein bislang unentdeckter Fehler in Windows oder im Browser Internet-Kriminellen Zugang zu Ihren Daten verschafft. Keine Frage, selbst die besten Antiviren-Programme sind nicht perfekt. Aber sie reduzieren die Chancen erheblich, dass Kriminelle auf Ihrem Computer Schaden anrichten.

„OHNE VIRENSCHUTZ IST KEIN COMPUTER SICHER.“

Nils MatthiesenIMTEST-Experte

Als Basisschutz erledigt der Windows Defender seine Sache sehr gut und muss sich in Sachen Schädlingserkennung und Geschwindigkeit kaum noch vor kostenpflichtigen Lösungen verstecken. Der Defender hat allerdings gegen den Funktionsumfang guter Antivirensuiten keine Chance, die neben Antiviren-Schutz weitere sicherheitsrelevante Funktionen wie VPN-Dienste, Passwort-Manager oder sogar Schutz vor Identitätsdiebstahl an Bord haben.

Wenn Sie nach Rundumschutz verlangen, hat Bitdefender Total Security im Test die Nase vorn. Das Programm zeigte im gesamten Testzeitraum perfekten Virenschutz und punktete darüber hinaus mit gutem Funktionsumfang, wenig Fehlermeldungen und geringen Geschwindigkeitseinbußen. Außerdem zählt das Programm mit 32 Euro für fünf Jahreslizenzen zu den günstigsten im gesamten Testfeld. Fast genauso empfehlenswert sind Kaspersky Total Security sowie Norton LifeLock 360 Deluxe, die über den gesamten Testzeitraum ebenfalls eine weiße Weste bei der Virenerkennung behielten.