Immer mehr Leser verabschieden sich vom Buch im Regal und greifen zur digitalen Variante. Das hat viele Vorteile: eBook-Reader sind meist leichter als Bücher aus Papier, sie lassen sich für das perfekte Lese-Erlebnis genau einstellen und sie bieten weitere Vorteile wie viel Speicherplatz für Bücher. IMTEST hat sich fünf aktuelle Modelle angesehen und verrät Ihnen, welcher eBook-Reader 2022 im Test am besten abschneidet und welches Gerät auf welche Anforderung passt.

So groß sind die eBook-Reader im Test

eBook-Reader gibt es in verschiedenen Größen. Bei Amazons Kindle-Reihe mit dem neuen Paperwhite Signature Edition der 11. Generation ist die Display-Diagonale standardmäßig 6,8 Zoll, also etwa 16,5 Zentimeter, groß. Der neue Tolino Vision 6 setzt ebenfalls auf diese Größe. Bei Pocket Book ist die Auswahl größer:

  • Hier finden sich 6 Zoll (etwa 15,5 cm) beim kleinen Touch HD 3,
  • knapp 20 Zentimeter (7,8 Zoll) beim InkPad Color und
  • fast 25 Zentimeter (9 Zoll) beim großen InkPad Lite.

Wer sich die Lesebrille sparen möchte, greift hier zu größeren Displays, die Schrift extra groß abbilden können. Kleine eBook-Reader passen dafür fast in die Hosentasche und lassen sich sehr leicht überall mit hinnehmen.

Drei verschieden große eBook-reader hintereinander aufgestellt mit leuchtenden Displays in dunkler Umgebung
Übereinandergelegt sind die Größenunterschiede der verschiedenen Poeck Book-Modelle gut zu sehen. Das kleine Touch HD 3 ist nur etwa halb so groß wie das InkPad Lite. © IMTEST

Und leicht sind sie auch im Gewicht: Der Touch HD 3 wiegt nur 155 Gramm, der große InkPad Lite bringt es hingegen auf 370 Gramm – im Dauereinsatz schon ein Unterschied. Der Rest der eBook-Reader im Test liegt dazwischen, wobei der Paperwhite SE und der Tolino Vision 6 beide nur etwas über 200 Gramm auf die Waage bringen und damit auch noch eher Leichtgewichte sind.

Optik ohne riesige Unterschiede

Der Pocketbook InkPad Lite verfügt als einziger eBook-Reader im Test auch nur über eine Bildpunkt-Auflösung von 150 dpi, alle anderen zeigen die digitalen Buchseiten mit 300 dpi an. Sehr groß aufgezogene Schrift sieht auf diesem Gerät daher auch nicht mehr überzeugend aus. Allerdings ist das aufgrund des großen Displays in den meisten Fällen wohl auch nicht nötig. Denn durch das 9,8 Zoll-Display wirkt das InkPad Lite am ehesten wie eine Buchseite, was die Menge an Text angeht, die das Gerät noch gut lesbar abbilden kann.

Wer ganz genau hinsieht, wird die beiden neuesten Modelle, den Kindle Paperwhite SE und den Tolino Vision 6 wohl am beeindruckendsten finden. Beide bieten eine vom gedruckten Buch eigentlich nicht mehr unterscheidbare Optik. Gut lesbar und optisch nah an einer realen Buchseite sind aber alle Geräte im Test, auch die Pocket Books, die schon etwas länger im Handel sind, fallen hier nicht wirklich ab. Eine anständige, buchähnliche Optik ist heute einfach Standard und gehört daher bei jedem eBook-Reader auch zwingend dazu.

Der beste eBook-Reader für Comics

Optisch besonders auffällig ist der Pocket Book InkPad Color, der auch Inhalte in Farbe anzeigen kann. Fans von Comics und Graphic Novels können mit diesem eBook-Reader auch ihre Lieblingslektüre digital genießen. Weil neben der Farbe auch die Bilder auf dem 7,8 Zoll-Display in einer vernünftigen Größe dargestellt werden können. Hier drängt sich ohnehin der Eindruck auf, Pocket Book habe dieses Modell extra dafür auf den Markt gebracht. Denn wesentlich mehr Vorteile bietet das InkPad Color nicht gegenüber anderen Geräten. Aber gerade für Comicfans, die beispielsweise das Riesenangebot von Marvel Comics nutzen möchten, etliche tausend Ausgaben von Spider-Man oder den Avengers digital im Abo zu lesen, ist dieses InkPad ein echtes Geschenk und unbedingt die erste Wahl im Test der eBook-Reader.

eBook-Reader mit schwarzem Rahmen zeigt Seit mit Portrait Gemälde
Der InkPad Color von Pocket Books kann auch Farbe wiedergeben und eignet sich daher für Comics und Kunstbände. © IMTEST

Helligkeit und Farbtemperatur individuell einstellen

Bei der Beleuchtung der Geräte gibt es mittlerweile einen klaren Konsens, was ein eBook-Reader zu leisten hat. Denn alle Geräte lassen sich bei der Helligkeit und der Farbtemperatur genau auf individuellen Geschmack einstellen. Wer gern einen warmen Hintergrund möchte, kann die Geräte fast auf Bernsteingelb stellen. Ein strahlendes, fast bläuliches Weiß ist aber genauso möglich – und alle Nuancen dazwischen. Auch eine Automatik ist eingebaut, die sich aber ausschalten lässt, wenn die Ergebnisse nicht zufriedenstellen.

Ähnlich sieht es bei der Helligkeit aus. Hier findet sich ebenfalls in allen Geräten eine Automatik für die optimale Beleuchtung beim Lesen, die sich aber ebenfalls mit einem Touch deaktivieren lässt. Die Unterschiede zwischen den eBook-Readern im Test sind auch in diesem Punkt nur schwer auszumachen. Denn ob sich das Licht nun stufenlos oder in 15 Schritten ändern lässt, die Ergebnisse sind letztlich nahe beieinander. Alle Geräte im Testfeld ließen sich gut auf die Wünsche des Nutzers einstellen.



eBook-Reader-Test 2022: Neuer ist schneller

Wo das Schriftbild noch weitgehend identisch ist, gibt es Unterschiede bei den Prozessoren und damit bei der Rechenleistung. Besonders üppig ist hier die neueste Generation des Kindle Paperwhite ausgestattet, der deshalb extrem schnell umblättert. Für das Auge ist es kaum noch wahrzunehmen, so flink wechselt der Paperwhite den Text auf dem Display. Auch der Tolino Vision 6 ist hier gut aufgestellt und nur minimal schwächer als der Konkurrent von Amazon. Die etwas älteren eBook-Reader von Pocket Book können da nicht ganz mithalten: Zwar müssen die Geräte auch nicht jede Seite optisch sichtbar nachladen, aber alle paar Seiten ist der Ladevorgang noch deutlich zu sehen. Wer also das sichtbare Blättern als störend empfindet, der muss zu einem der beiden neuen eBook-Readern greifen.

Multimedia – nicht bei allen Herstellern die Idee

Ein eBook-Reader, der mehr kann als Bücher abbilden – davon träumt sicher mancher Nutzer. Und wird fündig: Der Paperwhite SE kann Hörbücher ebenso abspielen wie der InkPad Color und der Touch HD 3. Der InkPad Lite, der hauptsächlich auf einen großen Bildschirm setzt, aber ansonsten eher spartanisch daherkommt, ist hingegen wie der Tolino Vision 6 ausschließlich auf Lesen ausgerichtet. Wer mehr will, sollte zu einem der anderen Geräte greifen.

Besondere Beachtung liegt auf der Wahl des eBook-Readers für Leser, die sich gern Bücher ausleihen. Das ist mit den Kindle-Modellen von Amazon weiterhin nicht möglich, diese Geräte funktionieren nur mit dem Amazon-Kindle-Shop. Trotz der ansonsten starken Ausstattung kann der Paperwhite hier also nicht punkten. Alle anderen eBook-Reader im Test arbeiten mit der Onleihe zusammen, dafür aber nicht mit Amazon. Hier steht also eine „Entweder oder“-Entscheidung an. Ein Gerät, dass das gesamte Angebot nutzen kann, gibt es nicht. Wer regelmäßig die öffentlichen Büchereien nutzt, kann also ein Gerät aus dem Testfeld für sich aussortieren.

Bedienung per Tasten oder Touchscreen

Und wie einfach sind die Geräte zu bedienen? Hier fällt positiv auf, dass alle Pocket Book eBook-Reader mit Bedienungstasten ausgestattet sind. An und Aus, zurück zum Menü und Blättern, das kann der Nutzer hier per gut angeordneten und leichtgängigen Tasten steuern. Der Ein- und Ausschaltknopf vom Touch HD 3 ist zudem weich und hell, was die Bedienung im Dunkeln erleichtert. Der Tolino Vision 6 hat zwei Tasten zu bieten, der Kindle Paperwhite nur einen Schalter. Natürlich lassen sich alle eBook-Reader im Test auch per Touchscreen bedienen, aber bequemer sind die Tasten durchaus.

Detail Ecke von Pocket Book mit schwarzem Rahmen und einem hellen weichen Knopf unterhalb des Rahmens
Das kleine Touch HD 3 verfügt über einen weichen, hellen Knopf, mit dem sich das Gerät ein- und ausschalten lässt. Der ist selbst im Dunkeln gut zu finden. © IMTEST

So liegen die eBook-Reader im Test in der Hand

Bei der Griffigkeit haben die unterschiedlichen Anbieter auch unterschiedliche Lösungen, teilweise sogar von Modell zu Modell verschieden. So setzt Pocket Book bei seinen beiden kleineren Geräten auf eine weiche Kunststoff-Oberfläche, die gut in der Hand liegt. Beim InkPad Lite haben die Schweizer den eBook-Reader mit geprägten Linien auf der Rückseite rutschsicher gemacht. Der Tolino Vision 6 setzt auf eine erhöhte Kante an der Seite, die das Halten des Gerätes erleichtert und auf ein geprägtes Muster auf der Rückseite, um mehr Griffigkeit zu ermöglichen.

Detail schwarze geriffelte Unterseite vom Pocket Book
Das große InkPad Lite von Pocket Books weist auf der Rückseite sichtbar tiefe Rillen auf, die für einen guten Halt der Finger sorgen. © IMTEST

Der Paperwhite SE hingegen sieht glatt aus und fühlt sich auch so an, gibt den Fingern aber durch die Materialbeschaffenheit dennoch Halt. Wie in vielen anderen Bereichen ist die Machart der Hersteller zwar nicht gleich, die Ergebnisse aber weitgehend identisch. Alle eBook-Reader im Test liegen gut in der Hand. Lediglich der Tolino Vision 6 fällt mit seinem sehr mittigen Schwerpunkt unangenehm auf, denn den merkt der Nutzer nach einer Weile schon – das eigentlich leichte Gerät zieht gefühlt ein wenig nach unten.

FAZIT

Gleich zwei eBook-Reader von Pocket Book liegen im Test vorn: der Touch HD 3 und der InkPad Color. Das liegt neben der guten Ausstattung auch an den Hörbuch-Möglichkeiten und den für die Zwecke besonders gut angepassten Displays. Wer mehr Wert auf Lesekomfort legt, ist beim Kindle Paperwhite SE mit dem schnellsten Umblättern und üppigem Speicher sowie dem Tolino Vision 6 mit tollem Schriftbild gut aufgehoben. Für Onleiher kommen vier der fünf Testgeräte infrage.