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Der perfekte Motorradhelm: Alles über die Sicherheit für den Kopf

Ohne einen perfekt sitzenden und sicheren Motorradhelm drohen bei einem Unfall schlimmste Kopfverletzungen.

Motorradhelme liegen in einer Auslage.
© Gijs Coolen / Unsplash

Motorradhelm-Wissen: Das Tragen eines “geeigneten Schutzhelms” beim Motorradfahren ist in Deutschland Pflicht, denn er ist das wichtigste Schutzelement bei einem Crash. So verringert er das Risiko, einen Verkehrsunfall nicht zu überleben, um immerhin 40 Prozent.  Die Wahrscheinlichkeit, ein Schädel-Hirn-Trauma zu erleiden, sinkt um rund 70 Prozent. Doch wie findet man den individuell passenden Helm? IMTEST verrät, worauf beim Kauf eines Motorradhelms zu achten ist.

Motorradhelm ausgezeichnet nach der neuen neue Prüfnorm ECE 22.06.
Die neue Motorradhelm-Prüfnorm ECE 22.06 macht Helme noch sicherer. © Nexo

Rechtslage und Prüfnormen

Aufgrund der unbestreitbaren Schutzwirkung des Motorradhelms gilt hierzulande seit 1976 die Helmpflicht. Wer keinen Motorradhelm trägt, muss mit einem Bußgeld in Höhe von (vergleichsweise milden) 15 Euro rechnen. Im Falle eines Unfalls können Schmerzensgeld-forderungen sowie Schadensersatzansprüche massiv herabgesetzt werden, wenn kein Helm getragen wurde.

Doch was ist eigentlich ein “geeigneter Schutzhelm” im Sinne des Gesetzes? Nun, ein Motorradhelm gilt in jedem Fall als geeignet, wenn er die brandneue Prüfnorm ECE 22.06 erfüllt, die ab Juni 2022 in Kraft tritt. Sie löst nach fast 20 Jahren die Vorgänger-Regelung ECE 22.05 ab. Ab Juni 2022 dürfen Motorradhelme nur noch nach der neuen Prüfnorm ECE 22.06 geprüft, ab Juni 2023 dann keine Helme mehr nach einer älteren Norm produziert und ab Anfang 2024 voraussichtlich auch nicht mehr verkauft werden. 



Dies alles betrifft jedoch nur die Hersteller und nicht den Verbraucher. Der sollte bei einer Neuanschaffung freilich nur einen Kopfschutz nach ECE 22.06 kaufen. Wer aber noch einen Helm nach alter Norm besitzt, darf diesen auch weiterhin benutzen. Da ein Helm altert, womit seine Schutzwirkung nachlässt, sollte man sich ohnehin nach fünf bis sieben Jahren einen neuen zulegen. Durch diesen “natürlichen” Erneuerungszyklus werden die alten Helme also mit der Zeit aus dem Straßenverkehr verschwinden. Im Übrigen gilt, dass ein Motorradhelm auch nach einem Unfall oder wenn er auf andere Weise einen Schlag erhalten hat, ersetzt werden soll. Denn wenn die Außenschale oder das energieabsorbierende Material im Inneren beschädigt wurde, kann der Helm keinen ausreichenden Schutz mehr bieten.

Motorradhelm-Sicherheit: Die neue Prüfnorm ECE 22.06

Die neue Sicherheitsnorm ECE 22.06 bringt verschärfte Testanforderungen mit sich. Die Helme werden nun bei Aufpralltests unterschiedlicher Art mit verschiedenen Geschwindigkeiten getestet. Anprallpunkte, die in der alten Prüfnorm fest definiert waren, sind von den Prüfern jetzt frei wählbar. So soll eine einseitige Optimierung vonseiten der Hersteller auf nur diese Anprallpunkte ausgeschlossen werden. Ein weiterer Test ist der Beschuss des Visiers mit Stahlkugeln mit einer Geschwindigkeit von 60 m/s, um dessen Widerstandsfähigkeit zu prüfen. Neu ist auch ein Rotationstest, der die Belastung der Wirbelsäule durch eine Kopfdrehung bei einem Unfall prüft. Außerdem sollen sich die Helme nach der neuen Norm nicht mehr so einfach von vorn nach hinten abziehen lassen. Und Kinnriemen sowie Verschlüsse werden genauer unter die Lupe genommen, dürfen beispielsweise nicht mehr am Kehlkopf anliegen.



Welche Norm ein Helm erfüllt, ist im Innenfutter oder am Riemen an einem E in einem Kreis samt einer Prüfnummer erkennbar. E1 bedeutet, dass der Helm in Deutschland genehmigt ist. Die Bezeichnung 05 kennzeichnet die alte Prüfnorm ECE 22.05, die 06 steht für die neue Norm ECE 22.06.

Für den Motorradfahrer selbst ist es allerdings nach wie vor nicht vorgeschrieben, einen Helm nach einer bestimmten Norm zu tragen. So werden grundsätzlich auch andere Helme, etwa nach der amerikanischen DOT-Norm, als geeignet angesehen, wenn von einer gewissen Schutzwirkung auszugehen ist. Zweckentfremdete Arbeits-, Stahl-, Fahrrad-, Reit-, Skihelme und dergleichen sowie die sogenannten Braincaps (Halbschalen, die nur den oberen Teil des Kopfes bedecken) gelten wegen ihrer mangelnden Schutzwirkung beim Motorradfahren jedoch ausdrücklich als nicht geeignet und damit nicht als Motorradhelm.

Ein blauer und ein schwarzer Jethelm
Ein luftiger Jet-Helm sieht zwar sehr schick aus – bietet aber deutlich geringeren Schutz als ein Integralhelm. © Bell, Hedon

Die unterschiedlichen Helmtypen

Unter den geeigneten Schutzhelmen ist der Motorradfahrer immerhin frei in der Wahl des Typs: Soll es ein Integralhelm sein, eventuell in der praktischeren Version als Klapphelm? Oder lieber ein bequemer Jet-Helm, mit dem man sich besser den Wind um die Nase wehen lassen kann, da er das Gesicht frei lässt? Das ist Geschmackssache, viele legen hier viel Wert auf eine passende Optik zum Bike. Fest steht indes, dass ein Integral- oder Klapphelm, der den Kopf ganz umschließt, wesentlich mehr Schutz bietet als ein Jet-Helm, der das Gesicht ausspart. Wird hin und wieder auf der Autobahn gefahren, kommen ohnehin praktisch nur geschlossene Helme infrage, die den störenden Fahrtwind draußen lassen, aber dennoch so gut belüftet sind, dass man einen kühlen Kopf bewahrt.



So lässt sich die richtige Größe für einen Motorradhelm ermitteln

Und die richtige Größe? Die ermittelt man mit einem Maßband. Einmal um den Kopf herum oberhalb der Ohren und auf der Mitte der Stirn gemessen, erhält man den Kopfumfang in Zentimetern. Gibt ein Hersteller die Größen in XS bis XL an, so verfügt er in der Regel auch über eine Zuordnungstabelle in Zentimetern.



Wo kauft man einen Motorradhelm?

Helme fallen von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich groß aus, müssen aber perfekt sitzen, um ihre volle Schutzwirkung bieten zu können. Um eine Anprobe beim stationären Fachhändler kommt man also nicht herum. Oder anders ausgedrückt: Dass ein im Web georderter Helm richtig passt, wäre purer Zufall. Bei der Anprobe sollte der Helm angenehm fest sitzen (Test: Beim Kopfschütteln darf der Helm nicht “schlackern”), auf der anderen Seite darf er nicht drücken und so auf Dauer Kopfschmerzen verursachen. Gute Helme gibt es unter anderem bei den Herstellern Bell, Arai, Biltwell, Schuberth, AGV, Shoei, HJC, Nolan und Airoh.

Und einen gebrauchten Helm kaufen? Eine ganz schlechte Idee, unabhängig von der jeweiligen Prüfnorm. Denn, wie oben erwähnt, verschlechtert sich mit zunehmendem Alter die Schutzwirkung. Überdies kann ein gebrauchter Helm unsichtbar beschädigt sein – etwa schlicht dadurch, dass er einmal heruntergefallen ist.



Fazit

Wer einen Motorradhelm gekauft, sollte unbedingt auf die neue Prüfnorm ECE 22.06 achten, denn diese Regelung ist strenger als bisher und macht die Helme ab sofort sicherer. Wer einen solchen Kopfschutz dann noch vorher anprobiert und dadurch in der idealen Größe kauft, hat alles richtig gemacht.