Das Spielen unterwegs hat heute mit dem Game Boy der 90er noch wenig gemeinsam. Das zeigt schon die Auswahl der Endgeräte: Während Gaming-Laptops auch Grafik-Kracher stemmen, sind Handhelds wie die Nintendos Switch weniger leistungsstark, halten dafür aber länger durch und sind kompakter. Wie passen da Smartphones ins Spielgeschehen? Technisch sind sie durchaus spieltauglich: Die kleinen Prozessoren bieten ordentlich Leistung für ansehnliche Spiele, gute Bildschirme zeigen ein sehr scharfes Bild, kräftige Farben und starke Kontraste. Dazu passt auch, dass der Markt der Mobile Games rasant wächst und jährlich ein immenses Wachstum verzeichnet. Kein Wunder also, dass mancher Hersteller ein Smartphone speziell für Spiele auf den Markt bringt – so wie Asus. Woran es womöglich doch scheitert, was das 1.299 teure Asus ROG Phone 5s Pro im Test auffährt, und wie es sich gegen andere Top-Smartphones behauptet.

Mehr Speicher, schnellerer Prozessor

Das ROG Phone 5s Pro ist ein schweres Geschütz – zumindest äußerlich. Mit einem Gewicht von 238 Gramm, Ausmaßen von 173 x 77 x 9,9 Millimeter, einer Bild-Diagonale von 6,78 Zoll zählt es zu den dickeren und schwereren Smartphones auf dem Markt. Im Vergleich zu diesen beherbergt es dafür einen aufgemotzten Prozessor (Snapdragon 888+), viel Speicher (512 Gigabyte) und enorm viel Arbeitsspeicher (satte 18 Gigabyte). Die Rückseite zeigt neben futuristischen Design-Elementen ein farbiges Mini-Display.

Die Daten rund um Prozessor und Arbeitsspeicher klingen vielversprechend. Aber auf die Leistung kommt es an. Und da hat es das ROG Phone 5s Pro nicht leicht. Denn einen Monat nach Marktstart sieht sich der verbaute Snapdragon 888+ mit dem Nachfolger-Prozessor konfrontiert. Der Snapdragon 8 Gen. 1 gilt als derzeit schnellster Smartphone-Prozessor unter Androiden.

ASUS ROG Phone 5s Pro Rückseite mit Mini Display
Das Farbdisplay auf der Rückseite kann konfiguriert werden und gibt animierte Infos wieder. © ASUS / IMTEST

Asus ROG Phone 5s Pro im Test: Leistung im Vergleich

Für den direkten Vergleich tritt das Asus ROG Phone 5s Pro im Test gegen zwei der aktuell schnellsten Smartphones an (Stand April 2022): Das iPhone 13 mit A-15-Bionic-Chip und das OnePlus 10 Pro mit besagtem Snapdragon 8 Gen. 1. Im Test durchlaufen die drei Geräte verschiedene Benchmarks. Das sind Ergebnisse in der Übersicht.

Die Benchmarks der einzelnen Smartphones im Vergleich zeigen, wer in Führung geht. © IMTEST

Damit liegt das ROG Phone 5s Pro etwas abgeschlagen hinter seinen Kontrahenten. Trotz des nicht mehr aktuellen Prozessors schlägt es sich aber noch gut. Zudem beweist es einen langen Atem: Bei dauerhafter Wiedergabe eines Full-HD-Videos hielt es ausdauernde 10:51 Stunden durch. Damit lässt es auch ein Galaxy S22 (8:09) und ein Oppo Find X5 Pro (7:11) hinter sich. Gegen das OnePlus 10 Pro (10:31) und das iPhone 13 (12:31) schlägt es sich noch gut. Die folgende Grafik stellt Gesamtleistung (Summe aus Geekbench und Wildlife Extreme) und Laufzeit der Geräte nebeneinander.

Die Gesamtleistung (Summe aus Geekbench und Wildlife Extreme Punktzahl) nebst Akkulaufzeit veranschaulicht, dass das ROG Phone 5s Pro etwas abgeschlagen hinter aktuellen Top-Geräten ist.
ASUS ROG Phone 5s Pro Unterseite USB Anschluss
Neben dem üblichen USB-Typ-C-Anschluss gibt es einen zweiten an der Unterseite, damit das Kabel nicht beim Spielen im Querformat stört. © ASUS / IMTEST

Cool bleiben dank Lüfter?

Längere Höchstbelastung lässt die kleinen, mobilen Prozessoren schnell überhitzen. Schließlich fehlt ihnen – anders als PCs, Notebooks oder Konsolen – ein aktiver Lüfter. Kurzfristig bedeutet das Leistungseinbußen, langfristig Schäden an der CPU. Asus legt deshalb einen Lüfter bei, der sich rückseitig mit einem Handgriff montieren lässt.

IMTEST lässt auch hier das Spiele-Smartphone gegen etablierte Modelle antreten und ermittelt die Hitze-Entwicklung der Rückseite mit der professionellen Wärmebildkamera Bosch GTC 600C, die auf 0,1 Grad Celsius genau misst. Statt des iPhone 13 tritt das Sony Xperia Pro-I an, das noch auf den Vorgänger-Prozessor setzt.

Bei allen drei Geräten stieg die Temperatur auf der Rückseite stark an. Von vorherigen 25° Celsius erreichte das OnePlus 10 Pro 40,4°C, das Xperia Pro-1 41,7°C, das ROG Phone 5s Pro brachte es auf 47° C. Der Lüfter blieb mit 40 Dezibel leicht hörbar, aber immer noch leise.

ASUS ROG Phone 5s Pro nebst zwei Smartphones Wärmebild
Hier geht es heiß her: Die Farben illustrieren die Temperatur-Entwicklung. Besonders heiß wird das ROG Phone 5s Pro (teilweise dunkles Rot). Das Xperia I-Pro und das OnePlus 10 Pro sind etwas kühler (helles Orange), die Umgebung ist mit 21,8° vergleichsweise kühl (dunkles Blau). © ASUS / IMTEST

Doch ist die gemessene Temperatur des Gehäuses nicht unbedingt schlecht: Denn das bedeutet, dass die Wärme aus dem Inneren erfolgreich abgeleitet wird. Das kommt dem Prozessor zugute, der damit stabiler läuft. Das bestätigt der Stress-Test: Die mit Abstand höchste Stabilität im Benchmark weist das ROG Phone vor mit 93,8 %, im Vergleich zu 59,6 % (Xperia I-Pro) und 63 % (OnePlus 10 Pro).

Ergebnis von Wild Life Stress Test bei drei Smartphones
Der Wild Life Stress Test belastet das Gerät mit aufwendigen 3D-Berechnungen und misst dabei auch die Stabilität der Durchläufe. Das ROG Phone 5s Pro (rechts) hängt dabei das OnePlus 10 Pro (links) und das Sony Xperia I (Mitte) ab. © ASUS / IMTEST


Zusätzliche Tasten für Treffsicherheit

Am Lüfter sind zudem zwei physische Tasten angebracht. Zusammen mit den integrierten Ultraschall-Tasten auf der Gehäuse-Oberseite erhöht das den Spielspaß, aber auch die Treffsicherheit. Spieler treffen die Tasten besser als die Bedienelemente auf dem Bildschirm und reduzieren damit Fehleingaben deutlich, erhöhen sogar ihre Reaktionszeit.

ASUS ROG Phone 5s Pro Oberseite
Die AirTrigger befinden sich auf der Oberseite des Gehäuserahmens und sind berührungsempfindlich. Als Feedback spürt der Nutzer immerhin ein Vibrieren. © ASUS / IMTEST
ASUS ROG Phone 5s Pro Lüfter Rückseite
Der Lüfter erweitert das Smartphone um zwei zusätzliche, physische Tasten sowie einen ausklappbaren Ständer. © ASUS / IMTEST

Asus ROG Phone 5s Pro im Test: Feintuning

Neben optischen Anpassungen am Android-Betriebssystem integriert Asus die App Armory Crate als Herzstück des Spielvergnügens. Sie bietet umfangreiche Einstellungen für das Smartphone und dessen Extras. So lassen sich verschiedene Leistungs-Profile einstellen, der Zweitbildschirm und auch die Tasten konfigurieren.

Besonderes Highlight sind empfohlene Spiele-Titel. Hier erhält der Nutzer Infos darüber, ob diese die Gaming-Extras wie Controller oder die hohe Bildwiederholrate unterstützen. Das sind wertvolle Infos, die Spieler im Play Store oft vergeblich suchen.

Screenshot der App Armory Crate
Im Armory Crate lassen sich detaillierte System-Infos einsehen (links) und Spiele verwalten (rechts), inklusive Empfehlungen und Filter für Besonderheiten wie GamePad- und 120-Hertz-Unterstützung.
ASUS ROG Phone 5s Pro App Game Genie
Das Game Genie ist ein Schnellmenü mit den wichtigsten Einstellungen, das auch während Spiels mit einem Wisch über den Displayrand erscheint. © ASUS / IMTEST

Hohe Farbtreue und Kontrast bei 144 Hertz

Hochpreisige Smartphones können es längst: Bewegtes Bild mit hoher Bildwiederholrate von 120 Hertz. Das ROG Phone 5s Pro übertrifft diesen Wert mit 144 Hertz. Die Bedienung des Geräts wirkt damit insgesamt flotter und geschmeidiger, vor allem aber beim Spielen bereitet die hohe Bildwiederholrate Spaß.

Mit 394 Pixel pro Zoll löst die Anzeige außerdem sehr scharf auf. Die technischen Messungen offenbaren zudem eine hohe Helligkeit von 830 Candela pro Quadratmeter sowie ein sehr hohes Kontrastverhältnis.

Doch zeigt der OLED-Bildschirm auch eine Schwäche. Mit der sehr hohen Farbpräzision eines iPhone 13 oder Oppo Find X5 Pro kann das Spiele-Smartphone nicht mithalten. Die Darstellung ist gut, allerdings erscheinen Farben je nach Einstellung etwas zu knallig oder etwas zu blass. Apple, Samsung und Oppo beweisen hierbei die bessere Kalibrierung. Eine Leistung, die bei dem Preis zu erwarten ist.

ASUS ROG Phone 5s Pro im Spielgeschehen
Gute Farbdarstellung, starker Kontrast, hohe Schärfe und dank ordentlich Leistung unter der Haube auch maximale Detailstufe samt Antialiasing – hier im Shooter Call Of Duty Mobile. © ASUS / IMTEST

Asus ROG Phone 5s Pro: Kameras im Test

Gaming hin oder her – ein Smartphone muss auch gute Fotos schießen können. Die Fotoqualität des Zucker-Smartphones reicht für Urlaubsbilder bei Tag. Dann entstehen sehr detaillierte, plastische Fotos, die natürlich wirken. Wenig Umgebungslicht hingegen führt zu starkem Bildrauschen, die Details nehmen deutlich ab. Bei vierfacher Vergrößerung leidet ebenfalls die Bildschärfe – es fehlt der optische Zoom eines Top-Modells. In Sachen Kamera-Ausstattung wird der Unterschied zu herkömmlichen Premium-Smartphones wohl am deutlichsten. Die etwa gleichteuren oder sogar günstigeren Smartphones hängen das ROG Phone 5s Pro mit besserem Zoom, hochauflösendem Nachtmodus und weiteren Extras wie eine Makrokamera spielend ab.

Preis auf höchstem Level

Ganze 1.299 Euro kostet das aktuell schnellste Gaming-Smartphone und zählt damit zu den teuersten überhaupt (abgesehen von faltbaren Smartphones). In Anbetracht des Preises erscheinen die Schwächen unverzeihlich. Bildschirm und Kamera können nicht mit den Premium-Profis mithalten und auch der hochgedrehte Prozessor ist zwar schnell, aber nicht das erhoffte Rechenmonster, das zum Beispiel in einem iPhone 13 steckt.

Solchen Geräten voraus hat das ROG Phone 5s Pro starke Gaming-Extras. Doch rechtfertigen die den immensen Preis nicht. Denn seine Vorzüge kann das Spiele-Smartphone nur bei den sehr wenigen grafisch aufwendigen und anspruchsvollen Titeln ausspielen. Wer aber solche sucht, wird eher auf der Xbox Series X oder Playstation 5 fündig, die beide zusammen sogar noch weniger kosten als der UVP des ROG Phone 5s Pro von 1.299 Euro.

Fazit

Das Asus ROG Phone 5s Pro ist schnell und ausdauernd. Kamera und Bildschirm sind nicht auf dem sehr hohen Niveau, das der Preis vermuten lässt und das vergleichbare Smartphones bieten. Auch fehlen kabelloses Laden sowie der Schutz vor Staub und Wasser. Dafür gibt es Spiele-Extras wie zusätzliche Tasten und eine umfangreiche Software für das Feintuning. Für ordentliche Rennspiele, Shooter und ähnliche Genres bringt das mobile Powerhouse dem ambitionierten Spieler aber einen echten Mehrwert. Ob das aber den exorbitanten Preis rechtfertigt, muss der Spieler am Abzug entscheiden.

  • PRO
    • Sehr hohe Rechenleistung, viele Spiele-Extras, lange Laufzeit, viel Speicher.
  • KONTRA
    • Keine IP-Zertifizierung, kein drahtloses Laden, Kamera mit Schwächen

IMTEST Ergebnis:

gut 2,0