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Steuersoftware 2022 im Test: So gelingt die Steuererklärung

1.000 Euro Rückerstattung winken im Schnitt bei Abgabe einer Steuererklärung. Der Test klärt, mit welchem Programm das klappt.

Alle Jahre wieder steht die Steuererklärung auf dem Zettel. Längst gibt es hierfür Steuersoftware, die den Aufwand in Grenzen halten soll. Dieses Jahr gibt es gute Nachrichten obendrauf: Zwar ist üblicherweise der 31. Juli Stichtag, aber wegen der Corona-Pandemie haben Steuerzahler nun bis zum 30. September Zeit, ihre Erklärung für 2021 beim Finanzamt abzugeben.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der viele Anwender betrifft: Bisher gab es drei Wege, die Steuer abzugeben: auf Papier (Formular oder Formular-Ausdruck), komplett digital über ELSTER mit Zertifikat oder eine Hybrid-Lösung, bei der die Daten per ELSTER übermittelt werden und die Unterschrift dann auf einem verkürzten Ausdruck erfolgt. Dieser dritte Weg, die „komprimierte Erklärung“ entfällt ab dem Steuerjahr 2021. Das Finanzamt akzeptiert also nur noch Papier oder eine komplett digitale Abgabe. Komfortabler ist definitiv die digitale Abgabe.

Plus: Die neue Mobilitätsprämie kann insbesondere Geringverdiener entlasten, die nicht von der erhöhten Pendlerpauschale ab dem 21. Kilometer profitieren. Allerdings ist es normalerweise sehr umständlich, die Prämie zu bekommen – es gibt eigens ein neues Steuerformular dafür. Die aktuellen Versionen beantragen die Prämie – falls es für den jeweiligen Steuerfall passt.

Welche Steuersoftware bei der Berechnung 2022 am besten hilft, hat IMTEST zusammen mit einem renommierten Steuerberater geprüft.

Steuersoftware erst testen, dann kaufen

Geld vom Staat kann es nur dann zurückgeben, wenn überhaupt Lohnsteuer gezahlt wurde und absetzbare Kosten von mehr als 1.000 Euro angefallen sind. Wer nicht weiß, ob es überhaupt zu einer Erstattung kommt, probiert am besten zuerst eine kostenlose Demo-Version einer der Steuersoftware im Test aus. Die lässt sich meist direkt von der Webseite des Anbieters herunterladen. Prognostiziert die Software eine Erstattung, muss sie nachträglich freischaltet werden, so dass die Abgabe der Unterlagen ans Finanzamt ermöglicht wird. Droht hingegen eine Nachzahlung, können freiwillig veranlagte Steuerzahler sogar auf die Abgabe verzichten.

Die Steuersoftware 2022 im Test kommt von den Anbietern Buhl, Akademische Arbeitsgemeinschaft und Lexware. Erster und Letzterer sind jeweils mit zwei Programmen vertreten.



Steuerprogramme bereiten kein Vergnügen, aber Erleichterung

Komplett automatisiert funktioniert die Steuererklärung in Deutschland bisher nicht. Steuersoftware erspart aber jede Menge Arbeit. So nehmen sämtliche Steuerprogramme ihre Nutzer an die Hand und führen diese Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess. Komfortabel: Bei jeder Steuersoftware im Test lassen sich die bei der Finanzverwaltung hinterlegten Daten übers Internet abrufen und ins Programm überspielen. Darunter:

  • Angaben aus der Lohnsteuerbescheinigung,
  • Rentenleistungen,
  • Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung
  • Vorsorgeaufwendungen

Außerdem lassen sich Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld, Krankengeld oder Elterngeld sowie Beiträge zur Vermögensbildung (VL-Verträge) abrufen und übernehmen.

Steuersoftware Quicksteuer mit grün weißem geöffnetem Fenster und Checkbox zum Ausfüllen
Mit der Steuersoftware Quicksteuer 2022 sind vor allem Angestellte und Rentner gut beraten. © Lexware, IMTEST

Individuell sind dann nur noch einige Angaben etwa zum Arbeitsweg, beruflich bedingten Ausgaben und Altersvorsorge zu machen, und fertig ist die Steuererklärung. Das ist bei unkomplizierten Fällen in weniger als einer Stunde erledigt.

Steuersoftware von AAG geöffnetes blau weißes Fenster mit menü
© AAG, IMTEST

Jede Steuersoftware im Test rechnet richtig

Die Steuersoftware jedes Anbieters musste im Test mit drei Steuerfällen zurechtkommen:  Angestellter Single, Patchwork Paar, verheirateter Freiberufler. Erfreulich: Bei allen drei von Steuerberater Christian Lunge mithilfe des Profiprogramms DATEV geprüften Steuerfällen zeigten die Programme keine Schwächen und berechneten die Steuer einwandfrei. Dabei berücksichtigte jede Steuersoftware im Test die angepassten Steuerregeln rund um Corona mustergültig. Die augenscheinlichen Ähnlichkeiten bei den Berechnungen sind kein Wunder, denn alle getesteten Produkte basieren entweder auf Programmen und den dahinterliegenden Berechnungsmodulen von Buhl (WISO Steuer-Sparbuch 2022 und Tax 2022) oder Lexware (Quicksteuer 2022, Taxman 2022, SteuerSparErklärung 2022). Die Spreu vom Weizen trennt sich daher bei den Themen Funktionen und Komfort.

Screenshot Steuersoftware mit Corona-Bonus
Auch die Steuersoftware Tax 2022 berücksichtigt die Besonderheiten, die durch Corona entstanden sind. © Buhl, IMTEST

Der erfahrene Steuerberater Christian Lunge aus Hamburg stand IMTEST bei der Prüfung der Steuerfälle kompetent zur Seite. Erreichbar ist er über die E-Mail-Adresse steuerberater.lunge@gmx.de.

Porträt von lächelndem Mann mit Brille in weißem Hemd in Schwarz Weiß
Christian LungeSteuerberater aus Hamburg
Screenshot Steuersoftware mit grün weißem Fenster und Checkbox zum Ausfüllen
Bei der Steuersoftware Taxman lassen sich die Werbungskosten detailliert bestimmen. © Lexware, IMTEST

Steuersoftware von WISO deshalb erneut Testsieger

In Sachen Funktionen und Komfort bleibt der Testsieger aus dem Vorjahr, das WISO Steuer-Sparbuch, das Maß der Dinge. Das Steuerprogramm rechnete nicht nur korrekt, sondern überzeugte überdies mit der besten Ausstattung (Note 1,1) und der komfortabelsten Bedienung (Note 1,7).

So können Nutzer das Programm nicht nur mit ELSTER verknüpfen, auch die Verbindung mit Online-Bankkonten ist möglich. Vorteil: Auf Wunsch übernimmt die Software automatisch alle steuerlich relevanten Umsätze und bietet sie an der passenden Stelle in die Steuererklärung zum Einfügen an. Da sich das Ganze mit wenigen Mausklicks realisieren lässt, scheint der Weg zur komplett automatischen Steuererklärung nicht mehr weit. In Sachen Flexibilität zeigt das WISO Steuer-Sparbuch 2022 der Konkurrenz ebenfalls die Rücklichter. So lassen sich beispielsweise Belege per Smartphone-App abfotografieren und importieren. Dank Cloud-Anbindung besteht zudem die Möglichkeit, die Steuererklärung wahlweise unterwegs auf dem Smartphone, bequem auf dem Sofa per Tablet oder auf einem anderen Computer im Browser weiterzubearbeiten. In diesem Fall speichert Buhl die Steuerakte in einer verschlüsselten Cloud und verknüpft sie mit einem Benutzerkonto.

Nicht zuletzt eignet sich die Steuersoftware ohne Einschränkungen für alle Steuerzahler, inklusive Angestellten, Rentnern, Selbstständigen und Vermietern. Unterm Strich kommt dadurch die Gesamtnote „Sehr gut 1,4“ heraus.

Steuersoftware WISO geöffnetes blau weißes Fenster mit sämtlichen Angaben
Die Steuersoftware WISO 2022 von Buhl konnte wie letztes mit Bedienung und Funktionen überzeugen. © Buhl, IMTEST

Einziger Haken: Mit 39,99 Euro ist das WISO-Sparbuch das teuerste Produkt im Test. Mit 14,99 Euro weitaus günstiger erledigt Tax 2022 die Steuererklärung. Im Unterschied zum Testsieger ist die Steuersoftware allerdings nur bedingt für Selbstständige geeignet, bietet keine direkte Übernahme von Umsätzen aus Online-Bankkonten und hat weniger Hilfe-Videos an Bord.

Fazit

Jede Software im Test schneidet mit mindestens „gut“ ab. Testsieger WISO Steuer-Sparbuch 2022 übertrumpft die Konkurrenz aber in Sachen Ausstattung und Bedienung. Die Preis-Leistungsempfehlung verdient sich Tax 2022 – allerdings nicht für Selbständige.