Dieses Auto fährt bei BMW zwischen Gegenwart und Zukunft. Denn der BMW iX wurde speziell für die Elektromobilität konzipiert und soll technisch das Beste vom Besten bieten. Und tatsächlich: Bei Infotainment, Elektroantrieb und Assistenz steckt viel in ihm, auf das andere Baureihen noch warten müssen. IMTEST war mit dem elektrischen Luxus-SUV BMW iX xDrive50 im Alltag unterwegs.

Produktdetails

  • 5-türig/SUV
  • Allrad, zwei E-Motoren / 200 km/h
  • max. Leistung in kW (PS): 385 (523)
  • ab 100.000 Euro

BMW iX Preis: Viel Kraft für viel Auto

Glatt 100.000 Euro ruft BMW in der Basis für das Modell auf. An den Achsen sitzt je ein  Elektromotor.  Der Vordere leistet  190 kW  (258  PS), der hintere 230 kW (313  S). Daraus ergibt sich eine Systemleistung von 385 kW (523 PS) und 765 Newtonmeter Drehmoment. Trotz seines unübersehbaren Übergewichts (2,6 Tonnen), macht der iX xDrive50 nach einem kräftigen Tritt aufs rechte Pedal einen kräftigen Satz nach vorne. In nur 4,6 Sekunden erreicht er Tempo 100, maximal lässt BMW ihn 200 km/h schnell fahren. Kraft im Überfluss.



Gute Reichweite dank großem Akku

Schuld am Übergewicht ist vor allem der Akku. Im Unterboden lagern 111,5 kWh Kapazität, von denen 105,2 kWh nutzbar sind. Die Reichweite gibt BMW mit 550 bis 631 Kilometern an. Doch im Alltag bleibt weniger. Mit rund 22 kWh sollte man im Schnitt auf 100 Kilometern rechnen. Wobei innerorts Werte um 20 kWh erreichbar sind. Auf der Autobahn werden es zwischen 26 und 27 kWh bei recht konstanter Richtgeschwindigkeit. Das schaffen viele kleinere, leichtere Autos nicht. Trotzdem: Im Mix landet man bei etwa 480 Kilometern Reichweite. Gemessen am Riesen-Akku ein mäßiger Alltagswert.

Blick auf den Fahrersitz des BMW iX
Vorne schaffen Platz, blauer Stoff und Holzapplikationen ein fast wohnliches Ambiente. © IMTEST

Geladen wird recht flott. Bis zu 195 kW Ladeleistung gibt BMW an. Bis 60 Prozent liegen noch 160 kW an, aber dann geht es stetig bergab. Immerhin noch 100 kW bleiben bei 80 Prozent. Gut: Wer seinen Ladestopp ins Navi eingibt, kommt mit vor konditioniertem Akku dort an. Im Praxistest dauerte es bei kühlen Außentemperaturen dennoch eher um 45 Minuten für die Ladung von 10 bis 80 Prozent und nicht wie versprochen.

BMW iX XDrive – ein Auto, zwei Meinungen

lächelnder Mann am Steuer vom BMW iX schaut über die Schulter in die Kamera
© IMTEST

„Der BMW iX ist eine vergebene Chance. Er soll in die Zukunft weisen, rollt aber als Statussymbol der Gegenwart vor. Groß, schwer und nur daran gemessen effizient. Ein 3er der Zukunft wäre das bessere Technologie-Flaggschiff.“

Heiko Dilk, IMTEST-Experte

Lächelnde Frau sitzt am Steuer vom BMW iX und schaut über Schulter in Kamera
© IMTEST

„Der BMW iX fährt so wuchtig, wie er aussieht. Innen fühlt er sich bequem an wie eine Sofalandschaft, aber er übertreibt ein wenig mit optischen Reizen und Digitalisierung. In Europa wird er es vermutlich schwer haben.“

Sarah Schröder, IMTEST-Expertin



BMW iX: Assistenzsysteme gut, aber ausbaufähig

Die Assistenzsysteme im iX funktionieren gut. Der Abstandstempomat fährt nachvollziehbar und übernimmt auf Wunsch Tempolimits. Auch ohne ihn wird die Geschwindigkeit an Streckenverlauf und Verkehrsaufkommen angepasst, um die Energierückgewinnung zu optimieren. Es gibt einen Spurhalter, Stauassistenten, einen Parkpiloten und viele weitere Helfer. Was fehlt, ist automatisiertes Fahren nach Level 3.

BMW hatte es zwar für den iX angekündigt, die dafür nötige Sensor-Technik soll komplett an Bord sein. Doch bislang fehlt die Zertifizierung. So bleiben die Mercedes S-Klasse und bald der EQS vorerst die einzigen Autos in Deutschland mit Level-3-Funktionalität. Fahrtechnisch federt der iX auf seinem serienmäßigen Luftfahrwerk überraschend weich und schwingend für einen BMW. Was angenehm ist, aber untypisch. Er rollt sanft ab und schluckt auch grobes Pflaster weitgehend unbeeindruckt.

BMW iX Konsole mit Bedienelementen
Bedienelemente aus Kristallglas gehen in Richtung „überkandidelt“ – 1.150 Euro Aufpreis. © IMTEST

BMW iX sorgt für gute Unterhaltung

Die  Bedienung des Infotainments läuft flott und intuitiv. Dank iDrive-Controller muss man auf dem großen frei stehenden Curved-Display nicht herumtatschen, man kann es aber. Es vereint einen 12,3 Zoll großen digitalen Instrumententräger und ein 14,9 Zoll großes Infotainmentdisplay in einer Einheit. Die Grafiken sind hübsch, viel lässt sich individuell anpassen. BMW integriert diverse Apps und erlaubt den Zugriff und die Fernsteuerung diverser Funktionen über die my BMW App.

Blick in den Kofferraum des BMW iX
Stauraum: 700 bis 1.750 Liter Kofferrauminhalt sind nicht wenig, aber der vergleichbare X5 lädt mehr. © IMTEST

Ein  bisschen Gestensteuerung gibt es ebenfalls, doch die braucht es eigentlich nicht. Gut hingegen: die Sprachsteuerung, mit der man fast so reden kann, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Sie versteht viel und lässt einen wissen, wenn ein bestimmtes Feature nicht bedienbar ist.

Fazit

Wer über die Proportionen des BMW iX hinwegsieht, entdeckt einige Qualitäten: ein modernes Infotainment mit riesigem Funktionsumfang, eine feine Sprachsteuerung, ein umfangreiches Paket an Assistenzsystemen und einen recht sparsamen elektrischen Antrieb – gemessen daran, welche Massen er in Bewegung setzen muss. Und genau da liegt ein großer Wermutstropfen: Der iX mag ein gutes Auto sein. Doch in die Zukunft weist ein fast fünf Meter langes, 2,6 Tonnen schweres SUV nicht. Und es fällt nicht schwer, sich ein besseres mit derselben Technik vorzustellen.

  • PRO
    • Umfangreiches Infotainment und viele Assistenzsysteme
  • KONTRA
    • Sehr groß und schwer

IMTEST Ergebnis:

gut 2,0