Egal ob E-Mails, gesammelte Daten im Online-Speicher oder Erinnerungen in sozialen Netzwerken: Darauf haben nur Sie Zugriff, schließlich ist der Zugang für Dritte durch ein Passwort geschützt. Das ist sinnvoll solange Sie leben. Aber was geschieht mit Ihren Daten im Todesfall? In Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Sie haben bereits zu Lebzeiten festgelegt, was mit Ihren Daten in diesem Fall geschehen soll.
  2. Die Hinterbliebenen müssen sich selbst darum kümmern, Zugang zu erhalten. Das ist möglich, aber äußerst aufwendig.

Ideal: Schriftliches Testament

Wenn Sie Ihren Hinterbliebenen möglichst wenig Arbeit machen wollen, sorgen Sie vor. Eine Möglichkeit ist das schriftliche Testament. Darin können Sie eine Person bestimmen, die Zugriff auf Ihre Computer, Ihre E-Mails, Cloud- und andere Onlinedienste bekommt. Zudem haben Sie die Möglichkeit festzulegen, was mit Ihren Daten geschehen soll und wie der Zugriff darauf erfolgt.



Am besten fügen Sie dem Testament eine Liste bei, die die Anmeldedaten für alle wichtigen Online-Dienste aber auch für die Anmeldung bei Windows und dem Smartphone enthält. Dadurch können die Hinterbliebenen Dateien von Online-Diensten herunterladen, Konten auf sozialen Netzwerken löschen, aufs E-Mail-Konto zugreifen sowie Fotos und wichtige Dokumente von Ihrem Computer oder Smartphone retten. Dabei ist wichtig, dass Sie eindeutig festlegen, wer auf was Zugriff bekommt, aber auch, was sofort gelöscht oder abgeschaltet werden soll.

So setzen Sie ein digitales Testament auf

Zudem bieten viele Online-Dienste die Möglichkeit, digitale Erben einzusetzen.  Falls Sie versterben, ist zumindest eine Vertrauensperson in der Lage, auf das Konto und die damit verknüpften Daten wie Fotos oder E-Mails zuzugreifen. Hier die wichtigsten Beispiele:

Digital vererben: Google-Erben bestimmen

1. Öffnen Sie diese Internetseite und melden sich mit Ihrem Google-Konto an. Klicken Sie auf Starten.

Google Erben einsetzen
Einen Google-Erben bestimmen Sie im Kontoinaktivitäts-Manager. © IMTEST

2. Geben Sie erst einmal an, wann und wie Google Sie kontaktieren soll, falls Sie Ihr Google-Konto innerhalb eines Zeitraums von mindestens 3 Monaten nicht nutzen. Klicken Sie dann auf Weiter.

3. Im nächsten Schritt bestimmten Sie dann die „Erben“, die Zugriff auf Ihr Konto erhalten. Anschließend geben Sie an, welche Daten Sie freigeben. Letztlich klicken Sie auf Einstellungen überprüfen und Einstellungen bestätigen.

Google Inaktivitäts-Manager
Legen Sie per E-Mail-Adresse fest, wer Ihr Google-Konto übernehmen darf. © IMTEST

Einen digitalen Apple-Erben einsetzen

Haben Sie ein iPhone mit einer aktuellen System-Version (ab iOS 15) haben Sie die Möglichkeit, einen Erben für Ihre Apple-Konto einzurichten. Dieser hat dann beispielsweise Zugriff auf in der iCloud gespeicherte Dokumente, Fotos, Videos und Notizen. Die „Erben“ benötigen neben einem Zugriffsschlüssel auch eine Sterbeurkunde als Nachweis für Ihr Ableben, bevor sie über das „digitale Erbe“ verfügen dürfen.

1. Öffnen Sie auf dem iPhone die Einstellungen-App und tippen ganz oben auf Ihre Apple-ID. Navigieren Sie nun zu Passwort & Sicherheit und weiter unten auf Nachlasskontakt

2. Tippen Sie auf 2x auf Nachlasskontakt hinzufügen und folgen den Anweisungen. Im Laufe dessen haben Sie die Möglichkeit, einen „Zugriffsschlüssel“ auszudrucken, um die Aktivierungssperre auf Apple-Geräten zu entfernen. Den können Sie etwa Ihrem Testament beilegen.

Apple Erben einrichten
Einen Apple-Erben bestimmen Sie direkt über die Einstellungen des iPhones. © IMTEST

Facebook: Digitale Erben alias „Nachlasskontakt“.

Facebook räumt Ihnen die Möglichkeit ein, entweder eine Person einzusetzen, die einen beschränkten Zugriff auf Ihr Konto erhält, oder einen sogenannten Nachlasskontakt zu bestimmen, der Ihr Konto löschen darf.

1. Melden Sie sich auf der Internetseite von Facebook an. Klicken Sie dann auf das Dreieck-Symbol oben rechts und wählen Einstellungen und Privatsphäre, Einstellungen und Allgemein. Klicken Sie dann auf rechts von „Einstellungen für den Gedenkzustand“ auf Bearbeiten.

2.  Tippen Sie ins Feld „Freund/in hinzufügen“ den Namen des Erben ein. Dieser muss ebenfalls ein Facebook-Konto haben. Haben Sie den Kontakt ausgewählt, bestätigen Sie mit Hinzufügen. Nun können per Klick auf Senden der Person auch gleich eine entsprechende Nachricht zukommen lassen.

Facebook Erben einsetzen
Ihr Facebook-Nachlasskontakt muss ebenfalls über ein Facebook-Konto verfügen. © IMTEST

3. Markieren Sie zudem „Berechtigung für das Datenarchiv“ hat Ihr digitaler Erbe die Möglichkeit, alle Ihre bei Facebook gespeicherten Beiträge, Fotos und Videos herunterzuladen.

Tipp: Klicken Sie auf Beantrage die Löschung deines Kontos nach deinem Tod, wird Ihr Profil und Ihre Daten nach dem Ableben gelöscht. Bestätigen Sie Ihren Wunsch mit einem Klick auf Nach dem Tod löschen. Sobald Ihre Angehörigen Facebook über Ihren Tod in Kenntnis gesetzt haben, führt Facebook die gewählte Option aus.

Digital vererben bei Microsoft

Microsoft bietet leider keine Möglichkeit einen digitalen Erben für Ihr Microsoft-Konto (inklusive OneDrive und Office 365) zu bestimmen. Ihre Angehörigen müssten sich also an den Microsoft-Kundensupport wenden, um Zugriff auf das Konto zu erhalten. Obendrein müssten sie die folgenden Dokumente bereitstellen:

  • Eine Kopie der Sterbeurkunde
  • Eine Kopie des Personalausweises oder des Reisepasses der verstorbenen Person
  • Eine Kopie des Erbscheins oder ein anderes Dokument eines Gerichts, das die alleinige Erbschaft nachweist oder alle Erben mit Anschrift benennt und ihre Zustimmung enthält, dass Sie berechtigt sind, in ihrem Namen zu handeln.
  • Eine Kopie des Personalausweises oder des Reisepasses des Antragstellers oder eine unterzeichnete Vollmacht.

Fazit digital vererben

Möchten Sie Ihre Daten in guten Händen wissen und Ihren Angehörigen viel Arbeit und Papierkram ersparen, nehmen Sie sich einige Minuten Zeit und regeln Ihren digitalen Nachlass.