Veröffentlicht inRatgeber

10 Tipps für einen nachhaltigen Alltag – Teil 4: Lebensmittel

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, doch wie kann das Prinzip im Alltag umgesetzt werden? Die neue Serie von IMTEST gibt wöchentlich 10 Tipps.

Verschiedene Optionen wie man beim Thema Lebensmittel nachhaltiger werden kann.
© Ello, Daria Shevtsova, Pattamawallech, Victoria Shes / Pexels, Unsplash

Die Folgen der Klimakatastrophe können spätestens seit diesem Sommer auch in Deutschland nicht mehr ignoriert werden. Und tatsächlich: Auf einmal bekommt das Thema Nachhaltigkeit einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Jedes Produkt, jedes Unternehmen, alles wird mit grüner Farbe und einem Blatt versehen. Den Planeten zu retten und die globale Erwärmung einzudämmen, scheint hingegen eine Mammutaufgabe zu sein. Um dabei nicht zu verzweifeln oder gar aufzugeben, ist wichtig zu wissen, dass jeder kleine Schritt schon vieles bewirken kann. In der neuen vierteiligen Serie stellt IMTEST jeweils zehn Tipps zu unterschiedlichen Themen vor.



Kaum ein Thema ist so vielschichtig wie Ernährung. Sie trennt den Globus und dadurch auch die Menschheit in zwei Hälften: Auf der einen Seite diejenigen, die im völligen Überfluss leben und auf der anderen Seite diejenigen, die der realen Gefahr des Hungertods ausgesetzt sind. Und selbst wenn man nicht diese Extreme betrachtet, spaltet Essen hinsichtlich Vorlieben, Gewohnheiten und persönlicher Bedeutung. Während sich eine Person bei der Zubereitung des Abendessens entspannen kann, ist es für jemand anderen nicht mehr als Nahrungsaufnahme.

Angesichts dieser Bandbreite darf jedoch nicht vergessen werden, dass es mit unserem Planeten nur eine einzige Lebensgrundlage für alle Menschen gibt. Was bedeutet es also, sich nachhaltig zu ernähren? Ist nachhaltig auch gleichzeitig gesund? Was ist besser, rein pflanzlich, Mischkost oder doch Bio? Der letzte Teil der vierteiligen Serie zu Tipps für einen nachhaltigen Alltag soll verdeutlichen, dass es nicht ausschließlich um die Entscheidung geht, Fleisch zu essen oder darauf zu verzichten.

Nachwachsend, aber nicht unerschöpflich

Ein wichtiger Schritt zum nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln ist das Bewusstsein über die Herkunft dieser. Damit ist nicht unbedingt der exakte Ort gemeint, sondern grundsätzlich, dass Essen aus Pflanzen oder Tieren gemacht wird – also aus natürlichen Ressourcen, wenn man ethisch gesehen Tiere dazuzählt. Diese Ressourcen sind nicht unerschöpflich, wie beispielsweise Luft oder Sonne, aber sie wachsen nach. Doch das Problem ist, dass Lebensmittel angebaut, gehalten, weiterverarbeitet, transportiert, gelagert und verpackt werden müssen, was nicht ohne Energie und andere sekundäre Ressourcen wie beispielsweise Wasser geschehen kann. Weil die ganzen dazugehörigen Prozesse so aufwendig und daher Lebensmittel so kostbar sind, ist es umso wichtiger, als aller erstes die Verschwendung von Essen so weit wie möglich zu vermeiden. Und damit geht es direkt los mit Tipp 1.

Ein GIF mit Lebensmitteln in einem Kühlschrank.
Korrekt gelagerte Lebensmittel halten bis zu 50 Prozent länger. © Google

1. Gute Planung spart Lebensmittel

Eine Möglichkeit zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung ist, sich zum Beispiel am Wochenende zu überlegen, wie viele und welche frischen Lebensmittel man unter der Woche benötigen wird. Somit sinkt die Gefahr, schnell verderbliches Essen wegzuwerfen. Bleibt beim Kochen doch etwas übrig, ergibt auch das am nächsten Tag noch eine Mahlzeit, vielleicht in neuer Kombination. Tipp: Reste in einer durchsichtigen Box aufbewahren, denn Sichtbarkeit ist der Schlüssel dazu, sie auch zu essen oder weiterzuverarbeiten.

2. Gefrierfach nutzen

Kurz vor dem Urlaub zeigt sich häufig dieselbe Problematik: Der Kühlschrank ist noch nicht leer. Viele Lebensmittel lassen sich zum Glück einfrieren, darunter auch die meisten Gemüsesorten. Ist etwas jedoch wirklich nicht für das Tiefkühlfach geeignet, freuen sich Nachbarschaft, Freunde oder Familie über die geretteten Lebensmittel. Beim Kauf eines ganzen Brotlaibs ist es ratsam, den Großteil geschnitten einzufrieren und nur so viel draußen zu lassen, wie in den nächsten Tagen verbraucht wird. So bleibt das Brot anstelle von ein paar Tagen bis zu sechs Monate lang frisch.

Ein geschnittenes Brot.
Sofern man nicht alle Scheiben am selben Tag verbraucht, kann der Rest eingefroren werden. © Jude Infantini / Unsplash

3. Lebensmittel (im Kühlschrank) Richtig lagern

Nicht umsonst sind Kühlschränke so gestaltet, dass es für jede Lebensmittel-Kategorie eine eigene Zone gibt. Diese sorgen für die besten Bedingungen und eine möglichst lange Haltbarkeit. Für manche Lebensmittel scheint der optimale Lagerplatz dennoch unklar zu sein. So bleiben Äpfel im Obstfach bis zu sechs Wochen lang frisch, bei Raumtemperatur hingegen nur ein paar Tage. Tomaten hingegen fühlen sich im Warmen wohler. Salat und Gurke dürfen gerne in ein feuchtes Handtuch oder Papiertücher gewickelt aufbewahrt werden. Und Mehl ist im Kühlschrank sogar doppelt so lange haltbar wie im Vorratsschrank.

Ein Kühlschrank mit Gemüse, Obst und gefüllten Containern.
Reste bleiben luftdicht verpackt noch einige Tage lang frisch. © Ello / Unsplash

4. Lebensmittel wieder auffrischen

Für manche Lebensmittel gibt es Rettungsmaßnahmen, auch wenn man zunächst annimmt, dass sie nicht mehr genießbar sind. Hartes Brot und anderes Gebäck wird wieder frisch, wenn es von allen Seiten befeuchtet und danach direkt auf den Toaster oder in den vorgeheizten Ofen gelegt wird. Wurzelgemüse wird wieder knackig, indem man es ein paar Stunden in kaltes Wasser legt.

5. Verpackungen vermeiden

Verpackungsmüll hat einerseits einen hohen Energiebedarf in der Herstellung und beim Recycling. Andererseits ist das häufig synthetische Material für die Verschmutzung vieler Naturräume verantwortlich. Doch auch für die Lebensmittel selbst ist eine Verpackung aus Plastik nicht immer die beste und hygienischste Lösung. Durch Schwankungen der Lagertemperaturen bildet sich häufig Kondenswasser innerhalb der Verpackung, wodurch schneller Schimmel entsteht und die Haltbarkeit deutlich verkürzt wird. Unverpackte Lebensmittel zu wählen, ist in nahezu allen Fällen die bessere Alternative.

Ein Mann reicht einer Frau einen Apfel.
Unverpackt ist der Lebensmitteleinkauf grundsätzlich nachhaltiger. © Erik Scheel / Pexels

6. Erste Wahl: Regionale und saisonale Lebensmittel

Das Prinzip hierbei ist einfach: Je weniger Aufwand für Transport oder Lagerung, desto besser für die Umwelt. Viele Supermärkte bieten Lebensmittel von regionalen Anbietern an, wenn man nicht die Möglichkeit hat, diese direkt von dort zu beziehen. Ebenso wichtig ist das Thema der saisonalen Ernährung. Dabei kann man sich entweder an Saisonkalendern für Gemüse und Obst orientieren oder oft auch am Preis. Denn in der jeweiligen Saison sind Erdbeeren, Feldsalat und Weintrauben meist auch preisgünstiger zu beschaffen.

7. CO2-Bilanz von Lebensmitteln beachten

Jedes Nahrungsmittel wird auf eine andere Art angebaut, bearbeitet, gelagert und transportiert. Daraus ergibt sich auch ein individueller CO2-Fußabdruck, der gut miteinander verglichen werden kann. Nun muss man nicht gleich alle Lebensmittel mit einer hohen Ökobilanz komplett vom Speiseplan streichen, doch könnte man diese tendenziell seltener auswählen. Je nach Auswertung steht zum Beispiel Rindfleisch an oberster Stelle mit dem größten CO2-Ausstoß, Kartoffeln oder Äpfel dagegen weit unten. Grob zusammengefasst sind Produkte tierischen Ursprungs schädlicher fürs Klima, da beispielsweise der Anbau von Futtermitteln viel Wasser und Fläche benötigt.

8. Auf Siegel oder Haltungsstufen achten

Siegel gibt es viele, doch welche sind vertrauenswürdig? Grundsätzlich gilt, je höher die Anforderungen an die Haltung, desto tierfreundlicher und nachhaltiger ist auch das Produkt. Wer sicher gehen will, sollte sich an etablierte Siegel wie Bioland, Demeter oder Naturland halten. Doch auch schon die Haltungsstufen, mit denen immer häufiger Verpackungen gekennzeichnet sind, geben Hilfestellungen für bewusstere Kaufentscheidungen.

Mehrere Hühner laufen im Freigehege.
Je nach Haltungsstufe und zusätzlichem Standard leben Nutztiere unter anderen Bedinungen. © Павел Гавриков / Pexels

9. Leitungswasser trinken

Das Leitungswasser hat hierzulande fast überall eine sehr gute Qualität, so das Umweltbundesamt. Und ist auf jeden Fall eine nachhaltige Alternative zu Wasser in Plastikflaschen. Denn auch wenn diese durch Recycling in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden, können nicht alle für jedes Verfahren genutzt werden. Außerdem benötigt der Transport wieder Energie. Die Stadtwerke Bremen geben an, dass die CO2-Ersparnis anderthalb mal so hoch wäre wie der innerdeutsche Flugverkehr pro Jahr, wenn alle Menschen in Deutschland Leitungswasser statt Mineralwasser trinken würden.

10. Möglichst viel selbst kochen

Je mehr Gerichte selbst zubereitet werden, desto mehr Kontrolle hat man über die Inhaltsstoffe. Außerdem fällt dann in der Regel auch weniger Verpackungsmüll an. Insgesamt geht es hierbei vor allem um die Wertschätzung und Beschäftigung mit den Lebensmitteln, denn ohne den Bezug dazu ist ein nachhaltiger Umgang schwer möglich. Wem bewusst ist, wie viel Arbeit, Energie und Ressourcen hinter Nahrung steckt, wird diese auch nicht so schnell verschwenden.

Eine Frau schneidet frische Gewürze.
Selbst zu kochen ist einer der wichtigsten Schritte hin zu einer nachhaltigen Ernährung. © Alyson McPhee / Unsplash

Viele dieser Tipps finden sich auch auf der interaktiven Website Your Plan, Your Planet von Google. Neben Hintergrundinformationen kann man hier auch persönliche Nachhaltigkeits-Ziele festlegen und Tipps über Social Media teilen. Mit diesem Teil endet die Serie, jedoch nicht die Liste an Ideen für einen nachhaltigen Alltag. Denn allein schon die Grundhaltung, bewusst mit Ressourcen unseres natürlichen Lebensraums sowie Mensch und Tier umzugehen, eröffnet jeden Tag neue Möglichkeiten. Am Ende gilt: Es braucht nicht zehn Menschen, die es perfekt machen, sondern eine Million, die es unperfekt machen.

Jetzt kostenlos zum IMTEST-Newsletter anmelden!

Unsere besten News, Ratgeber und Kaufberatungen der Woche für Sie per Mail und kostenlos.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.