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Der günstigste Stromanbieter: 5 Vergleichsportale im Test

Strompreise vergleichen, Anbieter wechseln und sparen – Vergleichsportale im Test.

Eine Frau sitzt mit einem Notebook auf den Knien auf dem Boden
© Thought Catalog/Unsplash, PR

Mehr als zwei Drittel aller Online-Käufer vergleichen vor dem Kauf von Produkten die Preise verschiedener Anbieter (Statista, 2021). Meistens machen sie das mithilfe von Vergleichsportalen wie guenstiger.de oder Idealo. Überraschenderweise ist der Anteil derer, die Vergleichsportale auch zum Wechsel von Versorgungsdienstleistern wie etwa Gas- oder Stromanbietern nutzen, deutlich geringer. Dabei lassen sich mit einem Vergleich der Strompreise auf den passenden Portalen im günstigsten Fall mit ein paar Mausklicks Hunderte Euro pro Jahr einsparen. Viele scheuen aber diesen Schritt, weil sie glauben, dass ein Stromanbieterwechsel übers Internet kompliziert, langwierig und unsicher ist. Dass dem nicht so ist, hat IMTEST bei der Überprüfung fünf großer Portale zum Strompreisvergleich herausgefunden.

Waghalsiger Wechsel? Nein

Mit dem Stromanbieter ist es ähnlich wie mit der Hausbank: Beide begleiten einen meist schon seit vielen Jahren mehr oder weniger unbemerkt, die Services und Abläufe sind bewährt, die Versorgung ist gesichert, und ein Wechsel kommt einem daher nur selten in den Sinn. Falls doch, sind es meist falsche Gründe, die einen letztlich doch abhalten:

Bildschirmfoto der Homepage vom Portal Strompreise.de
Vergleichsportale für Stromanbieter (hier: strompreise.de) benötigen nur wenige Angaben zur Erstellung eines Preisvergleichs. © strompreise.de

Riesiger Aufwand: Was für einen Wechsel der Hausbank vielleicht noch zutrifft, ist beim Stromanbieterwechsel schlichtweg falsch. Am aufwendigsten ist da vor allem die Suche nach dem günstigsten Preis, wobei auch die sich dank inzwischen gut bedienbarer Portale in Grenzen hält. Der Wechsel selbst ist über die Portale in wenigen Schritten erledigt.

Versorgungsunsicherheit: Die Sorge, dass es bei einem Anbieterwechsel zu einem kurzfristigen Ausfall der Stromversorgung kommt, weil etwa der alte schon den Strom „abklemmt“, obwohl der neue aber noch gar nicht liefert, ist unbegründet. Der Energiebezug ist in Deutschland gesetzlich geregelt und muss im Zweifelsfall nahtlos vom Grundversorger übernommen werden

Lohnt sich nicht: Ein typisches Bequemlichkeits-Argument, das verständlich und normal ist, im Zweifelsfall aber teuer werden kann. Ob sich ein Anbieterwechsel finanziell wirklich lohnt, kann allein ein echter Vergleich herausfinden. Natürlich ist es möglich, dass ein Vergleich der verschiedenen Tarife ergibt, dass keine Ersparnis möglich ist oder es sogar teurer würde. In diesem Fall wird man zumindest mit dem guten Gefühl belohnt, bereits alles optimiert zu haben. Wer allerdings seit Ewigkeiten den gleichen Versorger nutzt, hat gute Chancen, mit einem Anbieterwechsel viel Geld zu sparen.

Undurchschaubarer Strompreis

Auch das beste Strompreisvergleichsportal kann einem eines nicht abnehmen: die komplexe Zusammensetzung des Strompreises. Hinzu kommen bei allen Portalen gegebenenfalls noch diverse Wechselboni und andere Einmalgutschriften, die standardmäßig eingerechnet werden und somit den angezeigten Durchschnittspreis künstlich ein wenig drücken – künstlich deshalb, weil die Boni oft erst am Ende des Vertragslaufzeit gutgeschrieben werden. Zusätzlich besteht seitens der Stromanbieter fast immer nur eine Preisgarantie fürs erste Jahr. Soll heißen: Die Angabe der jährlichen oder monatlichen Kosten im Vergleichsportal gilt immer nur fürs erste Jahr.

Entwicklungskurve des Strompreise in Deutschland seit 2010
Innerhalb von zehn Jahren sind die Strompreise um über 40 % gestiegen. Allein im letzten Jahr betrug die Steigerung rund 15 Prozent. © Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

Danach können sich die Bezugspreise ändern, und Einmal-Boni gibt es auch nicht mehr. IMTEST überprüfte, wie detailliert und verständlich die Preiszusammensetzung gestaltet ist, ob sich einmalige Boni herausrechnen lassen und wie transparent und verständlich die Angaben zur Preisgarantie sind. Was den reinen Strompreis angeht, stehen alle Kandidaten vor dem gleichen Problem, denn der setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen.

Ein Strompreis, viele Teile

Arbeitspreis: Dahinter verbirgt sich der Bruttopreis für eine verbrauchte Kilowattstunde Strom. Momentan liegen die Preise dafür je nach Anbieter zwischen 30 und 40 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Im Schnitt sind das 37,14 Cent/kWh, aber das kann sich schnell ändern, meistens wird es teurer. Die Grafik rechts belegt eindrucksvoll: Im letzten Jahr stiegen die Preise um mehr als 15 Prozent.

Umlagen: Ein Grund für die Preissteigerungen sind abhängig von gestiegenen Produktions-, Rohstoff- und Beschaffungskosten auch die sogenannten Umlagen, darunter fallen Abgaben wie etwa die EEG-Umlage, aber auch Steuern und andere Entgelte.

 Verbrauchspreis: So wird vereinzelt der Netto-Arbeitspreis bezeichnet, der aber nicht bei allen Vergleichsportalen ausgewiesen zu finden ist. Gemeint ist damit der Preis für eine Kilowattstunde Strom, der lediglich die Beschaffungs- und Vertriebskosten enthält.

Grundpreis: Das ist ein fester monatlicher Betrag, der etwa die Kosten für die Bereitstellung des Zählers oder die Messung und Erfassung des Stromverbrauchs umfasst. Der Betrag ist unabhängig vom Stromverbrauch und kann je nach Stromanbieter zwischen 7 und 20 Euro stark variieren. Je nach individuellem Stromverbrauch kann es sich also lohnen, hier einen genaueren Blick zu riskieren. Denn wer eher wenig Strom verbraucht, kann auf lange Sicht davon profitieren, einen etwas höheren Kilowattstunden-Preis in Kauf zu nehmen, wenn dafür der Grundpreis sehr niedrig ist.


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Die Testergebnisse

Strompreis: Wer ist der günstigste?

Die meisten Verbraucher, die sich fragen, welches Vergleichsportal das beste für einen Stromanbieterwechsel sei, glauben, dass die Antwort darauf nur lauten kann: Das Portal, das den günstigsten Anbieter anzeigt. Das ist nicht prinzipiell falsch. Diese Annahme greift allerdings dann zu kurz, wenn alle Vergleichsportale dieselben Anbieter im Portfolio haben – nämlich alle. Um das herauszufinden, müssten die Portale zumindest eine Liste aller Anbieter bereitstellen – und einige machen das auch. IMTEST hat im Verlauf des Tests überprüft, bei welchen Kandidaten das der Fall ist. Denn natürlich gilt: Sind alle Stromanbieter an Bord, ist es der günstigste garantiert auch.

Bildschirmfoto von der Auflistung eines nbieter-Preisvergleichs.
Nach Eingabe der wichtigsten Verbrauchs- und Lokalisierungsdaten listet das Vergleichsportal (hier: strompreise.de) die günstigsten Anbieter auf. © strompreise.de

Was allerdings auch alle Portale machen: Ähnlich wie bei Reiseanbietern sind die ersten zwei oder drei Suchtreffer oft nicht die günstigsten, sondern vom Portal besonders hervorgehobene. Aus welchen Gründen, ist nicht immer ganz klar, sicher scheint aber zu sein, dass diese oberen Platzierungen käuflich sein können. Immerhin: Sie sind auch immer als solche erkennbar. Testsieger Check24 zum Beispiel bietet sogar eine eigene Erklärungsseite zu den Platzierungen an. Fragwürdig wäre nämlich nicht, dass die Portale Geld verdienen wollen, sondern nur, wenn sie nicht kenntlich machen, auf welche Weise. Das war aber bei keinem Testkandidaten der Fall.



Vergleichen – aber richtig

Wer sich zum ersten Mal mit einem Strompreisvergleich im Internet befasst, wird erst mal nicht sofort darauf kommen, dass ein Vergleich und ein Wechsel wirklich einfach, bequem und schnell klappt. Und um es gleich vorwegzunehmen: In fünf Minuten ist das tatsächlich nicht erledigt, denn dafür ist der Strommarkt zu groß, die Schwankungen sind zu stark und Auswahlmöglichkeiten zu vielfältig. Das ist, wie oben beschrieben, aber nicht die Schuld der Vergleichsportale, sondern Ursache der Komplexität des Marktes. Für Kunden ist bei einem Online-Vergleich darum vor allem wichtig zu wissen, bei welchem Portal diese Komplexität am besten vereinfacht wird, ohne das wesentliche Informationen fehlen oder im Wust der vielen Angaben untergehen.

IMTEST hat bei der Überprüfung -darum darauf geachtet, welche Informationen (von den sehr vielen) dem Nutzer sofort ins Auge fallen: Sind es eher die beeindruckenden, aber letztlich eher unwichtigen Bonuszahlungen oder eher Angaben zur Dauer der Preisgarantie? Zudem überprüfte IMTEST, wie einfach sich entscheidende Filter setzen lassen wie „Abschlagsturnus“ oder „Vorauszahlungsoptionen“.

Fazit

Eine gute Grundlage für einen Anbietervergleich bieten alle Kandidaten. Der Allrounder Check24 macht vor allem deswegen das Rennen, weil er ein Allrounder ist: Die Suchoptionen sind routiniert und übersichtlich gestaltet, die Infos klar und übersichtlich, die Bedienung ist sehr einfach, mit persönlichem Konto klappt ein Wechsel kinderleicht – und genauso sind noch Dutzende andere Vergleiche möglich.