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Glasfaseranschluss: 10 Antworten zur Zukunft des Internets

Glaserfaser ist die Zukunft des Internets. Doch noch sind viele Fragen offen. Hier gibt es Antworten.

© DG / Imtest

TV-, Video-, Musik- und Live-Streaming, Soziale Medien, Gaming, und intelligente Elektronik im vernetzten Zuhause – in Deutschlands Haushalten wächst die Nutzung des Internets auf allen Ebenen und befeuert so den Hunger nach Bandbreite und Geschwindigkeit. Vor ein paar Jahren reichten noch 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) aus, um einem Computer und ein paar Handys gleichzeitig Zugang zu Webseiten und E-Mail-Konten zu verschaffen. Aber inzwischen teilen sich häufig mehrere Notebooks, etliche Smartphones und Tablets, Set-Top-Boxen, Smarte Fernseher sowie Schaltzentralen für Heizung, Licht und Haustechnik einen Internetzugang.



Selbst Bandbreiten von 100 Mbit/s geraten an ihre Grenzen, wenn gleichzeitig mehrere 4K-Videos laufen, Multiplayer-Spiele Daten abrufen, Videokonferenzen abgehalten werden und gleichzeitiges Musikstreaming die Bandbreite schmälert und dutzende weitere Internetservices die Leitung nutzen. Dass Heilsversprechen lautet schon seit einigen Jahren: Glasfaser. Die neue Übertragungstechnik soll (mindestens!) zehnfach höhere Bandbreiten in nahezu ausfall- und störungsfreier Qualität bieten. Doch abgesehen vom schleppenden Ausbau stellen sich weitere Fragen – vor allem dann, wenn es plötzlich schon fast vor der Tür liegt: Wer macht das, was kostet das, was ist mit Altverträgen und überhaupt: Braucht man das wirklich jetzt schon? Hier sind Antworten auf die drängendsten Fragen:

1. Abkürzungen: Was bedeuten FTTH, FTTB & Co.?

Geht um echte Glasfaseranschlüsse (nicht jedes “Glasfaser-Angebot” eines Anbieters ist auch wirklich eines), tauchen früher oder später die folgenden Abkürzungen auf. Das steckt dahinter:

FTTC: Das ist die Abkürzung für “Fiber to the curb“, und meint damit die Glasfaserversorgung bis zum berühmten grauen Kasten am Straßenrand. Von dort geht es dann mit anderen Technologien, wie VDSL über die Telefonleitung oder Kabelinternet über ein Koaxialkabel, weiter bis zum Haus. In der Regel bestehen die alten Kabel aus Kupfer und bremsen ab diesem Punkt die schnelle Glasfaser-Geschwindigkeit aus, so dass diese nicht vollständig in Häusern und Wohnungen ankommt

FTTB steht für “Fiber to the Building“. Das Glasfaserkabel führt in diesem Fall auch aus dem grauen Verteilerkasten hinaus bis zum jeweiligen Gebäude. Häufig endet es im Keller. Innerhalb des Gebäudes lassen sich dann vorhandene Kupferkabel nutzen, etwa um bis zur Wohnung des Teilnehmeranschlusses zu kommen. FTTB kommt hauptsächlich in Städten zum Einsatz, zum Beispiel für Hochhäuser, Mehrfamilienhäuser oder Wohnanlagen

FTTH bedeutet Fiber to the home. Die Glasfaser geht hier bis zur Anschlussdose im Haus oder der jeweiligen Wohnung. Streng genommen lässt sich nur bei dieser Anschlussart von einem „echten Glasfaser-Anschluss“ sprechen.

Netzwerkstecker mit Glasfasersträngen im Hintergrund
Glasfaserleitungen übertragen die Daten in Form von Lichtsignalen. Das ist besonders schnell und wenig fehleranfällig. © Getty / Rafe Swan

2. Wie schnell ist ein Glasfaseranschluss?

Für Privatkunden stehen beim echten Glasfaseranschluss Bandbreiten bis zu 1000 Mbit/s (1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s)) zur Verfügung, Geschäftskunden können sogar bis zu 100 Gbit/s bekommen. Theoretisch sind technisch gesehen aber noch wesentlich höhere Geschwindigkeiten möglich. In der Praxis wird die Maximalgeschwindigkeit vor allem durch die Ausbaustufe des Glasfasers gedrosselt. Keine nennenswerten Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt es nur, wenn das Glasfaser wirklich bis in die Anschlussdose der Wohnung reicht. Von dort ab machen etwa herkömmliche Ethernetkabel keinen Unterschied mehr, denn sie ermöglichen über so kurze Entfernungen so hohe Übertragungsraten, dass es für den Glasfaseranschluss locker ausreicht. Problematischer könnte es werden, wenn statt eines dezidierten Glasfaserrouters die (zunächst günstigere) Alternativkombination aus DSL-Router und Glasafsermodem genutzt wird.

3. Was kostet ein Glasfaseranschluss?

Wie bei fast allen Was-kostet-das-Fragen lautet die Antwort auch hier: Das kommt darauf an. Der Anschluss eines Hauses kostet zwischen 500 und 1000 Euro. Bei Mietwohnungen kann der Eigentümer die Kosten in der Regel fünf Jahre lang mit 5 Euro pro Monat auf die Mieter umlegen, in komplizierten Fällen auch neun Jahre lang. Die Nutzungsgebühr, also der “Glasfaser-Internettarif” ist darin natürlich nicht enthalten – was dort für Kosten auf Kunden zukommen, beantwortet Frage 7. Momentan übernehmen Glasfaseranbieter wie die Telekom, Deutsche Glasfaser oder NetCologne bei Abschluss eines Glasfaservertrags die Anschlusskosten. Haus und Wohnungsbesitzer, die völlig auf eigene Faust einen Glasfaseranschluss haben wollen, müssen mit Kosten von 15.000 Euro und mehr rechnen.



4. Wie lange dauert der lokale Bau des Glasfasernetzes?

In der Regel benötigt der Baupartner ab Ansprache der Kommune bis zum Bau des letzten Anschlusses etwa anderthalb bis zwei Jahre.

5. Was passiert mit den Gehwegen nach Abschluss der Bauarbeiten?

Alle Oberflächen – öffentliche Gehwege und Straßen – werden nach den Verlegearbeiten vom beauftragten Baupartner zunächst provisorisch geschlossen. Das hat bauprozesstechnische Gründe, denn die Hausanschlüsse werden zu einem späteren Zeitpunkt abgezweigt und in die Haushalte verlegt. Bei Projektabschluss werden alle Oberflächen durch den Baupartner ordnungsgemäß wiederhergestellt. Die obligatorische, gemeinsame Schlussbegehung mit Kommune und allen Baupartnern stellt den ordnungsgemäßen Zustand sicher. Sofern bei der Begehung noch vereinzelte Mängel festgestellt werden, werden diese dokumentiert und im Anschluss durch den Baupartner behoben.



6. Glasfaseranschluss bis ins Haus: Wird dabei der Vorgarten beschädigt?

Für jedes anzuschließende Haus wird vor dem Haus eine Glasfaser vom Hauptstrang abgezweigt – für Mehrfamilienhäuser so viele, wie es Wohneinheiten im Haus gibt. Die Zuleitung zum Haus erfolgt in der Regel durch eine Tiefbohrung unter dem Vorgarten oder der Einfahrt hindurch, sodass diese von Baumaßnahmen nahezu unberührt bleiben. Denn dann ist nur ein minimaler Aushub vor der Hauswand notwendig, um die Leitung in Empfang zu nehmen und in das Gebäude einzuführen. Für die Einführung des Glasfaserkabels ins Gebäude ist nur ein Loch von wenigen Millimetern Durchmesser erforderlich. Dieses wird anschließend wieder verschlossen und ordnungsgemäß abgedichtet.

Techniker verlegt Glasfaserleitungen
Beim Ausbau des Glasfasernetzes bis zum Haus bekommt jedes Haus einen eigenen Anschlussstrang – von dort wird das Glasfaser im Haus verteilt. © Deutsche Glasfaser

7. Wie funktioniert der Tarifwechsel und was kostet er?

Prinzipiell sind die meisten Glasfasernetze für alle Internetanbieter offen. Das bedeutet, dass theoretisch Glasfaserverträge auch mit Vodafone, O2 oder der Deutschen Glasfaser möglich sind, auch wenn die Telekom die Glasfaserleitung vorm Haus gelegt hat. In der Praxis beschränken sich die meisten Anbieter im Moment jedoch vor allem auf ihre eigenen Netze – von einigen wenigen Einzelkooperationen abgesehen. Wer mit einem Wechsel zu Glasfaser den Anbieter wechseln muss, braucht sich aber nicht davor fürchten, dass danach zum Beispiel dazugehörige E-Mail-Adressen des vorherigen Anbieters verloren gehen. Sie können problemlos in einem kostenlosen Konto weiterverwendet werden. Lediglich kostenpflichtige Zusatzleistungen wie etwa Cloud-Speicher fallen beim alten Anbieter dann weg.

Ähnlich wie beim Stromanbieterwechsel übernimmt der Glasfaseranbieter bei Tarifabschluss automatisch die Kündigung beim vorherigen DSL-Anbieter. Die Preise fürs Internet per Glasfaser variieren je nach gebuchter Bandbreite. Der Anbieter Deutsche Glasfaser bietet beispielsweise die Staffellungen 300, 400, 600 und 1000 Mbit/s. Zum Einstieg zahlen Kunden in den ersten zwölf Monaten 29,99 Euro, nach Ablauf des ersten Jahres erhöhen sich die Kosten auf jeweils 44,99 Euro (300), 49,99 Euro (400), 79,99 Euro (600) und 89,99 Euro (1000). Tipp: Abseits von speziellen Einstiegsangeboten ist es ratsam, eher mit einem kleineren Tarif zu beginnen, ein Upgrade ist meist auch während der regulären Laufzeit möglich, ein Downgrade häufig nicht.



8. Ist ein Glasfaseranschluss jetzt überhaupt schon nötig?

Betrachtet man nur die Durchschnittswerte von aktuell benötigter Bandbreite, brauchen momentan nur wenige einen richtig schnellen Glasfaseranschluss. Denn kleine Haushalte mit sporadischem Internetkonsum kommen in der Regel mit Bandbreiten bis 100 Mbit/s sehr gut zurecht. Das leistet auch ein herkömmlicher DSL-Anschluss. Aber schon bei größeren Familien, in denen Videokonferenzen im Homeoffice, mehrere Mobilgeräte in paralleler Nutzung, Musik- und Videostreaming die Regel sind, können schnell bis zu 400 Mbit/s nötig werden, damit alles bei jedem immer flüssig läuft. Und es ist davon auszugehen, dass der Bedarf in Zukunft steigt.

Es gibt zudem noch einen anderen, entscheidenden Grund, der für einen Glasfaseranschluss spricht: Momentan ist der Anschluss ans Glasfasernetz im Zuge der sogenannten “Nachfragebündelung” noch kostenlos, wenn man den (physikalischen) Anschluss und den entsprechenden Tarifwechsel in einem Rutsch erledigt. Entscheidet man sich aber erst später, können hohe Anschlusskosten bis 1000 Euro entstehen. Außerdem interessant für Eigentümer: Ein Glasfaseranschluss wertet das Grundstück und die Immobilie auf.

9. Anschlussdose, Modem, Router: Welche neuen Geräte sind nötig?

Prinzipiell kann man auch mit einem vorhandenen VDSL- oder Kabelrouter per Glasfaser im Internet surfen. Dann ist allerdings ein zusätzliches Glasfasermodem (ONT; Optical Network Termination) nötig, das entweder selbst beschafft werden muss oder vom jeweiligen Anbiter zur Verfügung gestellt wird. Das bedeutet aber auch: Je nach Modell des vorhandenen alten Routers kann genau diese Schnittstelle zur Bremse werden und so im schlimmsten Fall den gesamten Glasfaser-Bandbreitenvorteil zunichtemachen. Wer garantiert in den vollen Genuss des schnellen Glasfasernetz kommen möchte, sollte also besser in einen speziellen Glasfaserrouter investieren.

10. Wer haftet, wenn beim Glasfaseranschluss etwas schiefgeht?

Kommt es beim Ausbau des Glasfaseranschlusses zu Schäden, etwa weil Leitungen angebohrt wurden, haftet in der Regel das durchführende Tiefbauunternehmen. Damit sich im Schadensfall der Ärger in kleinstmöglichen Grenzen hält, empfiehlt es sich, sowohl den Zustand vor Beginn der Baumaßnahmen als auch die später entstandenen Schäden genau zu dokumentieren, am besten durch Fotos und einem Schadensprotokoll.

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