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15 In-Ear-Kopfhörer im Test: Der beste kabellose Klang

IMTEST hat 15 aktuelle In-Ear-Kopfhörer getestet.

Viele In-Ears liegend auf einem blauen Hintergrund fotografiert.
© IMTEST

True-Wireless In-Ear-Kopfhörer sind aus der mobilen Musikwelt nicht mehr wegzudenken. Was 2014 mit zwei Kickstarter-Kampagnen begann, hat die In-Ear-Welt 2023 vollkommen umgekrempelt. Die vielerorts auch „Earbuds“ genannten Einzel-Hörer, die in einer Ladeschale geladen werden und ausschließlich über Bluetooth kommunizieren, haben die Ohren von Musikfans weltweit erobert.

schwarze EAH-AZ80 in ihrem Ladecase auf einem Holztisch
Die typische Ausstattung moderner In-Ears: Kabellose Kopfhörer in einem Ladecase. © IMTEST / Technics

Und das heißt: Die Technologie ist ausgereift, guter Klang und solide Ausstattung zum Teil sogar unter 100 Euro zu haben. Zudem besitzen die meisten True-Wireless In-Ear-Kopfhörer mittlerweile auch aktive Geräuschunterdrückung (ANC). IMTEST hat ein breites Testfeld aufgestellt und nimmt die Qualität aktueller Earbuds unter die Lupe.

In-Ear-Kopfhörer: Worauf kommt es beim Klang an?

Vorrangig sind True-Wireless In-Ear-Kopfhörer natürlich eines: Kopfhörer. Entsprechend relevant ist ein guter Klang und eine stabile Verbindung zum Wiedergabegerät. Die meisten Geräte unterstützen den AptX oder LDAC-Codec und tragen das „Hi-Res Audio“-Siegel. Diese Bluetooth-Codecs erlauben die Übertragung hochwertigerer Audio-Signale, der Sony-eigene LDAC-Codec etwa 990kb/s und 24bit/96khz.

Für Kopfhörer-Tests hört IMTEST unterschiedlichste Genres in einer für den Nutzer wahrscheinlichen Hörumgebung. Dafür wird die höchste Download-Qualität von Spotify auf einem iPhone als Maßstab genommen. Gehörte Songs erstrecken sich von Pop (Taylor Swift: Red, Style) über Electronica (Massive Attack: Angel) und Trance bis Rock, Metal (In Flames, Killswitch Engage, Lorna Shore) und Orchestrale Soundtracks (John Williams: Jurassic Park Theme). Dabei wird die neutralste Einstellung der Kopfhörer ohne ANC als Sound-Basis gewählt. Die meisten Kopfhörer bieten in ihren Apps Equalizer und Presets an, mit denen sich das Klangbild individualisieren lässt. Darauf wird hingewiesen – die Wertung orientiert sich aber überwiegend am neutralsten Klang.

Allerdings funktioniert diese Verbindung nur unter Android. Apple setzt bei iPhone, iPad und Co. nach wie vor ausschließlich auf den etwas verlustbehafteteren Codec AAC, der natürlich von allen Geräten im Test unterstützt wird. Apple ist aufgrund gezielter Optimierung aber bei der Signalverarbeitung von AAC besser als Android-Geräte. Kurz: AAC klingt auf dem iPhone besser als auf Android-Smartphones. Dafür sind hier leistungsfähigere Codecs möglich. Entsprechend sollten In-Ear-Kopfhörer nach ihrem Haupt-Wiedergabegerät gewählt werden – reine AAC-Hörer wären für Android-User 2023 keine Empfehlung mehr.

Sony WH-1000XM5 In-Ear-Kopfhörer getragen vom Testredakteur.
Moderne In-Ear-Kopfhörer, wie hier die Sony WF-1000XM5, sind kabellose, kleine Alleskönner. © IMTEST / Sony

So wichtig sind Akku-Laufzeit, App und Co.

Neben der Akku-Laufzeit, die für ein kabelloses System natürlich eines der wichtigsten Merkmale darstellt, ist auch die ANC-Qualität relevant. Die soll den Hintergrundlärm unterwegs reduzieren und für Ruhe in den Ohren sorgen. Da zudem alle Earbud-Systeme auch gleichzeitig Headsets sind, ist natürlich auch die Sprachqualität der verbauten Mikros wichtig. Wie klar ist die Sprache, wieviel Lärm wird aufgenommen und wie gut funktionieren die entsprechenden Software-Filter?

Software ist auch das Stichwort für die sonstige Ausstattung der Geräte. Kein Earbud-Set kam im Test ohne eigene Begleitapp aus, die für die Steuerung von ANC-Modi, Equalizer-Presets oder die Touchflächen-Belegung der In-Ears relevant ist. Bedienung und Umfang der Apps sind für die Qualität der Geräte durchaus entscheidend, immerhin kann man den Sound hier an die eigenen Vorlieben anpassen und die Touch-Bedienung personalisieren.

Letztes wichtiges Testkriterium: Bedienung und Tragekomfort. Der beste Sound nützt nämlich nichts, wenn die EarBuds nicht im Ohr halten wollen oder nach kürzester Zeit unangenehm drücken. Auch die Bedienung kann schwierig werden, wenn die Touchflächen zu klein sind oder verzögert reagieren.

Die Bildschirme der Sony-App für In-Ear-Kopfhörer nebeneinander angeordnet.
Eine umfangreiche Begleit-App ist für moderne Kopfhörer Pflicht. © IMTEST / Sony

Der Testsieger: Sony WF-1000XM5

Sony setzt mit den WF-1000XM5 einen ANC- und Klang-Benchmark im In-Ear-Bereich. Zwar sind die Earbuds mit 320 Euro nicht günstig, liefern dafür aber auch an den richtigen Stellen ab. Dabei überzeugt vor allem der Sound, der wunderbar ausgewogen, klar und kraftvoll aus den Kopfhörern tönt. So gut klingt im Testfeld niemand. Auch die aktive Geräuschunterdrückung ist, Sony-typisch, richtig gut. Nachteile der In-Ear-Kopfhörer sind die leicht unkomfortable Passform und eine unübersichtliche App. Dafür trumpft Sony mit vielen Bedienungs-Extras und Sonderfunktionen von 360-Grad-Sound bis Audio-Upscaling auf, welche die WF-1000XM5 In-Ears deutlich vom Testfeld absetzen.

Die grauen Sony In-Ear-Kopfhörer vor ihrem Ladecase auf einem Holztisch.
Schick: Das Ladecase ist stilsicher. Der Schaumstoff der Stöpsel Geschmackssache.
  • Pro: Sehr guter Klang, richtig gutes ANC, viele Sonderfunktionen.
  • Kontra: unkomfortable Passform, unübersichtliche App.

IMTEST-Ergebnis: gut 1,6



Der Preis-Leistungs-Tipp: Anker Soundcore Liberty 4 NC

Die Anker Soundcore Liberty 4 NC sind der verdiente Preis-Leistungs-Sieger im In-Ear-Vergleichstest. Für nur 90 Euro liefern die Earbuds guten Sound und richtig gutes ANC. Zwar tönen die Hörer nicht besonders neutral, formen ihren Ton aber sehr angenehm. Kraftvolle, aber knackige Bässe und warme Höhen lassen die In-Ear-Kopfhörer teurer klingen als sie sind. Das sehr effektive ANC bietet in der sehr guten App viele Einstellungs-Varianten. Auch der Sound kann per Hörtest-Messung personalisiert werden. Nachteile der Anker-Hörer sind Mikro-Qualität, Tragekomfort sowie Gewicht und Form der Ladeschale.

Weiße Anker SoundCore In-Ear-Kopfhörer auf einem Holztisch
Ungewöhnlich: Das Design der Anker SoundCore Liberty 4 NC ist Geschmackssache. Vor allem die silbernen Mikros sind eher speziell. © IMTEST / Anker
  • Pro: guter Klang, günstiger Preis, gutes ANC.
  • Contra: Schwache Mikros, etwas unbequeme Passform, Gewicht & Form der Ladeschale.

IMTEST-Ergebnis: gut 1,9



Starker Klang im Test: Technics EAH-AZ80

Richtig guter Klang im Vergleichstest kommt von Technics. Die EAH-AZ80 liefern tollen Sound, der mit großer Klarheit und Transparenz auftrumpft. Die Hörer klingen gleichzeitig ausgewogen und mitreißend, liefern viele Details und, wo nötig, ordentlich Druck. Von Rock bis Klassik sorgen diese In-Ears immer wieder für Gänsehaut-Momente. Abseits des Klangs zeigt sich Technics allerdings etwas sparsam: ANC und Akku-Laufzeit sind ordentlich, aber nicht herausragend. Die verbauten Mikros sorgen für mäßige Sprachqualität und Features wie eine Hörtest-Einmessung gibt es nicht.

Schwarze Technics EAH-AZ80 vor ihrem Ladecase auf einem Holztisch
Die EAH-AZ80 sind hochwertige, toll klingende In-Ear-Kopfhörer © IMTEST / Technics
  • Pro: Mitreißender Klang, hochwertige Ladeschale, bequeme Passform.
  • Kontra: Kaum Extras, nur solides ANC, mäßige Sprachqualität (Mikros).

IMTEST-Ergebnis: gut 1,7



Apple AirPods Pro 2 USB-C: Spezialanfertigung für Apple-Geräte

Mit den AirPod Pro 2 in der frischen USB-C-Variante liefert Apple eine Earbud-Spezialanfertigung für iPhone und iPad. Das jügste Update der Hörer bringt nicht nur einen USB-C-Anschluss für das Ladecase, sondern auch einen verbesserten Chip mit. Der hat allerdings wenig Einfluss für Normal-Hörer. Hochauflösender Sound wird zunächst nur im Zusammenspiel mit Apples Vision Pro Mixed-Reality-Brille möglich sein, die 2024 erscheinen soll. Dennoch: Die Hörer liefern guten Sound, sehr gutes ANC und umfangreiche Komfort-Features. Viele davon allerdings nur unter iOS. Wichtige Funktionen wie Equalizer, Hörer-Ortung und Co. sind äußerst komfortabel und organisch in das Apple-Betriebssystem integriert.

So führte kürzlich erst iOS 17 neue Funktionen für die Hörer ein, darunter eine adaptive Audio-Steuerung und eine Gesprächserkennung. Eine passende Android-App gibt es allerdings nicht, sodass die AirPods für Nicht-iPhone-Nutzer nicht uneingeschränkt zu empfehlen sind. Auch verzichtet Apple auf LDAC oder AptX – immerhin unterstützt iOS die hochauflösenden Bluetooth-Codecs nicht. Entsprechend sind die AirPods Pro 2 nur für Apple-Jünger so richtig gute In-Ear-Kopfhörer.

Apple AirPods Pro 2 auf gespiegelter Fläche
© Omid Armin / Unsplash
  • Pro: Guter Klang, starkes Noise-Cancelling, sehr gute Nutzer-Erfahrung unter iOS.
  • Contra: Etwas umständliche Steuerung an den Hörern, unter Android stark eingeschränkt.

IMTEST-Ergebnis: gut 1,7



Nothing Ear (2): stilsichere Komfort-Garanten.

Nothing liefert bei seinen Ear (2) In-Ear-Kopfhörern mehr als nur schickes Design – obwohl auch gerade das mit klaren Linien und viel Transparenz überzeugt. Doch die Nothing Ear (2) können auch Sound. Die Hörer präsentieren sich mit druckvollem Bass und klaren Höhen über viele Genres hinweg als sehr ausgewogen. Dazu kommt gutes Noise-Cancelling und hervorragender Tragekomfort. Extras wie der Hörtest-Vermessung für individualisierten Sound runden den guten Eindruck ab. Einzig die etwas kurze Akkulaufzeit (5,5h mit ANC) sowie die etwas ungewohnte Bedienung der Hörer sind kleinere Wermutstropfen.

Die Nothing Ear (2) liegen mit Ladecase auf einem Tisch.
Schickes Case, stilsichere Hörer: Die Nothing Ear (2) überzeugen auch visuell. © IMTEST
  • Pro: schickes Design, guter & ausgewogener Klang, gute App, Tragekomfort.
  • Kontra: etwas kurze Akkulaufzeit, gewöhnungsbedürftige Bedienung.

IMTEST-Ergebnis: gut 1,9



Solide Mittelklasse-Earbuds: Technics EAH-AZ40M2

Die Technics EAH-AZ40M2 liefern für rund 150 Euro solide In-Ear-Mittelklasse. Die kleinen Hörer sind kompakt, leicht und klingen ordentlich. Zwar fehlt es etwas an Druck, Dynamik und Bass, insgesamt klingen die Earbuds aber angenehm klar und transparent. Das ANC der Technics In-Ear-Kopfhörer ist in Ordnung, lässt aber mitunter etwas zu viel Außengeräusch durch. Die True-Wireless-Earbuds warten zudem nicht mit vielen Austattungsextras auf, können aber mit einer übersichtlichen App und einem schlanken Ladecase überzeugen. Die Akku-Laufzeit ist allerdings etwas kurz – nutzt man die In-Ears mit ANC, müssen sie nach rund viereinhalb Stunden zurück ins Ladecase.

Die schwarzen Technics-Inears vor ihrem Case auf einem Holztisch
Die kleinen Technics EAH-AZ40M2 sind sehr komfortabel © IMTEST / Technics
  • Pro: komfortabel & leicht, solider Sound, gute App
  • Kontra: wenig Einstellungen für ANC, keine Extras, etwas kurze Akkulaufzeit

IMTEST-Ergebnis: gut 2,1



Huawei FreeBuds 5: Ungewöhnliche In-Ear-Kopfhörer

Die Huawei FreeBuds 5 sind gute In-Ear-Kopfhörer mit ordentlicher Klangqualität und einem bequemen Sitz – sofern sie denn richtig passen. Das steckerlose Klemm-Konzept und die vorgegebene Wölbung können dazu führen, dass sie nicht für jeden Nutzer geeignet sind. Es ist daher wichtig, vor dem Kauf sicherzustellen, dass die FreeBuds 5 auch wirklichin die eigenen Ohren passen. Zudem ist die Akku-Laufzeit eher kurz und das Active Noise Cancelling (ANC) aufgrund der Bauweise eher mäßig. Zudem ist das Design der tropfenförmigen Earbuds eher speziell, sodass man auch den Look mögen sollte, wenn man zu den Huawei In-Ears greift.

Die weißen FreeBuds 5 auf einem Holztisch
Die Tropfenform der Huawei FreeBuds 5 ist Geschmackssache. Verstecken lassen sich die Kopfhörer nicht. © IMTEST / Huawei
  • Pro: Bequemer Sitz, ordentlicher Sound, spezielles Design.
  • Kontra: kurze Akkulaufzeit, nicht für alle Ohrformen geeignet, mäßiges ANC.


IMTEST-Ergebnis: gut 2,2

Huawei FreeBuds Pro 3: In-Ear-Kopfhörer mit Apple-Look

Mit den FreeBuds Pro 3 positioniert sich Huawei abermals in Schlagdistanz zu Apples AirPods Pro 2. Formfaktor und Bedienung samt Druckfläche an den kurzen Mikrofon-Stielen sind erkennbar an die Apple In-Ears angelehnt. Anders als die Apfel-Hörer können die FreeBuds Pro 3 allerdings den hochauflösenden Codec L2HC verarbeiten, was unter Android für gesteigerte Klangqualität sorgt. Zudem ist dank einer umfangreichen App hier natürlich die komplette Funktionalität geboten, die Equalizer, ANC-Steuerung und Passgenauigkeits-Test einschließt. Grundsätzlich liefern die Hörer dabei richtig guten Sound, der allerdings hörbar geformt wird. Das funktioniert sehr gut bei modernen Pop- und Hip-Hop-Produktionen, für Klassik wäre ein ausgewogenerer Klang hingegen besser. Bei Mikro-Qualität und ANC-Effizienz hinkt Huawei Apple hingegen etwas hinterher und auch die Akkulaufzeit von gemessenen 4,5 Stunden (mit ANC) könnte etwas länger sein.

  • Pro: Guter Klang, gemütlicher Sitz, umfangreiche App
  • Contra: Mäßige Akkulaufzeit, Basis-Sound nicht für alle Genres geeignet

IMTEST-Ergebnis: gut 2,0

Bose QuietComfort Ultra Earbuds: Bequeme Noise-Cancelling-Meister

Die Bose Quiet Comfort Ultra Earbuds sind vor allem eines: richtig bequem. Die spezielle Form der Hörer, die mit zusätzlichen Silikon-Flügeln im Ohr gehalten werden, schmiegten sich im Test angenehm in die Hörmuschel. Auch klanglich sind die In-Ears durchaus ordentlich, allerdings muss man sich mit einem etwas überbetonten Bass und einem nicht abschaltbaren Sound-Processing arrangieren. Richtig gut ist hingegen das ANC – vermutlich liefert Bose hier sogar das effizienteste Noise Cancelling im Testfeld. Allerdings rauscht die Geräuschunterdrückung leicht, das ist im Musik-Betrieb aber ein sehr kleiner Nachteil. Ordentlich ist auch die App, die alle wichtigen Funktionen für die QuietComfort Ultra Earbuds bereithält.

Die Quiet Comfort Ultra Earbuds neben ihrem schwarzen Ladecase liegend auf einem blauen Hintergrund fotografiert.
Schlankes Case, gute Passform: Die Quiet Comfort Ultra Earbuds sitzen richtig gut im Ohr. © IMTEST / BOSE
  • Pro: Sehr gutes ANC, Ordentlicher Klang, bequemer Sitz
  • Contra: Mäßige Akkulaufzeit, nicht abschaltbares Sound-Processing, etwas überbetonter Bass

IMTEST-Ergebnis: gut 2,0

Fazit

Moderne In-Ears sind mittlerweile mehr als nur einfache Kopfhörer. Mindestens solides ANC gehört bei allen Geräten im Test zur Standardausstattung und mit der passenden Smartphone-App werden die kleinen Hörer zu Audio-Allroundern. Dabei gibt es sehr ordentliche Qualität sogar schon für unter 100 Euro, wie Anker mit den Soundcore Liberty 4 beweist, welche die Preis-Leistungs-Krone mitnehmen können. Klangseitig schlägt niemand die herausragenden Bowers & Wilkins PiS2, die allerdings in anderen Disziplinen, darunter die wichtige Akkulaufzeit, nicht mit der Spitze mithalten können. Verdienter Testsieger ist der ANC-König Sony mit den neuen WF-1000XM5 Earbuds, die in allen Bereichen richtig gute Leistung liefern – mit 320 Euro aber auch nicht besonders günstig sind.