Grafisches Bild von verschiedenen Menschen mit Ritterhelmen und Age of Empires IV Logo
Credit: Relic, Microsoft

Stattliche 16 Jahre nach dem letzten Teil der Serie hat Microsoft seinen einstigen Spiele-Giganten mit „Age of Empires IV“ wiederbelebt und präsentiert erneut Echtzeit-Kämpfe im Mittelalter – wie im zweiten Teil. Das erste Spiel war in der Antike angesiedelt, Teil drei befasste sich mit der Besiedelung und Verteilung Amerikas von 1500 bis 1860. Die Fans waren sich aber immer einig, dass Teil zwei mit dem Mittelalter-Setting das bislang beste Spiel war. Entwickler Relic, der von Microsoft mit der Schaffung des neuen Spiels beauftragt wurde, sah das offenbar genauso. Wie gelungen AoE 4 ist, hat IMTEST im Test herausgefunden.

Welche Inhalte bietet Age of Empires IV?

„Age of Empires IV“ verfügt über vier lange Kampagnen. Die geschichtlich älteste ist der Konflikt zwischen dem normannischen Wilhelm, dem Eroberer, der 1066 England überfiel und zu seinem Königreich machte, und den sächsischen Fürsten des Landes. Die zweite Kampagne beschäftigt sich mit dem Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England im 14. Jahrhundert, bei dem der Spieler die französische Seite führt. Dazu kommt der Aufstieg des mongolischen Imperiums sowie die Entstehung Russlands durch den Stamm der Rus.

Screenshot asiatische Siedlung von oben
Bei Völkern aus Asien stimmt der Look ebenso wie bei Imperien, die in Europa lagen. Credit: Relic, Microsoft

Der zweite Modus ist das Gefecht. Hier kann der Spieler entweder gegen menschliche oder computergenerierte Gegner auf einer vorgefertigten Karte antreten und je nach Einstellungen auf verschiedene Arten die Partie gewinnen. Dieser Aspekt von AoE gilt von jeher als das Kernstück der Spiele. Hier kann der Spieler das Volk, das er spielen möchte, selbst wählen und etliche Voreinstellungen vornehmen, um die Partie zu spielen, die er haben möchte.

In der „Kunst des Krieges“ warten schließlich Tutorial-Missionen, die Spielern ein Training zum schnellen Aufbau ihrer Wirtschaft oder dem taktischen Verhalten in Schlachten anbieten. Diese werden in „Age of Empires 4“ mit Gold- Silber und Bronzemedaillen belohnt.

Screenshot dunkle Fenster mit Einstellungen
Der Start in ein Gefecht: Einige Parameter lassen sich von Hand einstellen. Credit: Relic, Microsoft

Das ist das Spielprinzip

Im normalen Spiel beginnt der Spieler mit einem Dorfzentrum und einigen Einwohnern. Die sind universell einsetzbar. Sie können Nahrung beschaffen, indem sie Felder anlegen, Beeren sammeln oder Schafe oder Wild schlachten. Aber auch Bäume fällen, Gold und Steine abbauen – diese vier Ressourcen genügen AoE seit jeher.

Screenshot kleines Dorfzentrum von oben
Der klassische Start eines Spiels: Das Dorfzentrum steht, dazu kommen ein paar Einwohner und Schafe – der Rest liegt beim Spieler.
Screenshot Dorf mit imposantem Gebäude von oben
Ein Zeitalter-Gebäude ist fertig, nun gibt es neue Gebäude, Forschungen und Einheiten zu entdecken.
Klassische Burgen spielen im neuen Age of Empire 4 eine wichtige Rolle.
Screenshot Wohnhäuser von oben
Wohnhäuser sollten immer an einen sicheren Ort gebaut werden. Gehen sie verloren, können keine neuen Einwohner gerufen werden.
Screenshot Häuser Felder
Die Siedlung wächst schnell zu einer imposanten Ortschaft mit Feldern und bewaffnetem Schutz vor Feinden.

Einwohner können aber auch Gebäude errichten. Zu Beginn von „Age of Empires IV“ stehen davon nur wenige zur Verfügung, wie beispielsweise eine Mühle, in der Nahrung gesammelt wird oder eine Kaserne, in der frühe Kampfeinheiten ausgebildet werden können. Weil das Spiel schon immer ein so genanntes Echtzeit-Strategiespiel war, in dem die Zeit entscheidende ist, kommt es hier auf Schnelligkeit an. Je zügiger der Spieler seine Wirtschaft aufbaut, mehr Einwohner ruft, um mehr Ressourcen zu erhalten, seine Verteidigung mit Palisaden oder Steinmauern errichtet oder ein Eroberungsheer zusammenstellt, desto besser. Wer am Anfang zu langsam ist, hat fast schon verloren.

Bereit zum Kampf?

Ein Spiel beginnt bei „Age of Empires IV“ meist im Dunklen Zeitalter, der Spieler kann aber insgesamt dreimal in ein neues Zeitalter vorstoßen. Damit sind neue Einheiten, Gebäude und Forschungsmöglichkeiten wie bessere Rüstungen oder höhere Geschwindigkeit der Truppen verbunden.

Hat der Spieler nach seiner Ansicht genug Soldaten auf dem Feld, kann er den Gegner angreifen und seine wichtigen Gebäude zerstören, um zu gewinnen. Aber er kann bei AoE 4 auch defensiv siegen, indem er beispielsweise ein Weltwunder baut und das 15 Minuten lang gegen Angriffe verteidigt.

Screenshot Stadtmauer
Nun ist es an der Zeit, den Gegner mit steinernen Mauern aufzuhalten.
Screenshot feindliche Armee vor Mauer
Der Feind hat einen Turm vernichtet, der neue Bau der Mauern sollte besser unter Bewachung stattfinden.
Screenshot Bau von Weltwunder
Siegbedingung Weltwunder: Der Bau beginnt.
Screenshot Priester vor Heiligstätte
Ein Priester nimmt dem Gegner eine Heilige Stätte ab – ebenfalls eine Möglichkeit zum Sieg.
Screenshot Feinde vor Weltwunder
Das Weltwunder steht, aber der Feind rückt mit allen an, was er hat.
Screenshot Weltwunder verteidigt
Doch die Zeit reicht: Wunder verteidigt, Partie gewonnen!

Die Unterschiede der spielbaren Völker

„Age of Empires 4“ bietet dafür acht verschiedene Völker an:

  • Briten,
  • Franzosen,
  • Mongolen,
  • Inder,
  • Rus,
  • Chinesen,
  • das Heilige Römische Reich und d
  • die Abbasid-Dynastie.

Jedes Reich hat seine Vor- und Nachteile. So setzen manche Imperien auf frühe, starke Armeen und attackieren dann noch weitgehend wehrlose oder schwache Gegner, andere verfügen über besonders starke Mauern und spielen daher eher defensiv. Wieder andere werden von Zeitalter zu Zeitalter viel stärker und müssen lange genug überleben, um dorthin zu gelangen.



Völker und Strategien

So sind die acht zurzeit spielbaren Völker (weitere könnten mit DLCs hinzukommen) bei „Age of Empires 4“ zwar im Prinzip gleich spielbar, verlangen durch ihre unterschiedlichen Qualitäten dennoch andere Strategien. Jeder Spieler kann sich je nach eigenen Vorlieben das passende aussuchen. Das gilt allerdings nur für Gefechte, die Kampagnen geben das Volk vor, das gespielt werden muss. Die Entwickler von AoE 4 selbst schätzen die spielbaren Kulturen auch unterschiedlich ein. So gelten die Briten und Franzosen als einfach zu spielen, die Inder als sehr schwierig.

Das Wirtschaftssystem in Age of Empires IV

Eigentlich funktioniert die Wirtschaft in AoE 4 sehr simpel. Es gibt die vier Ressourcen, mit denen alles bezahlt wird, was der Spieler an Gebäuden und Einheiten erschaffen will. Abgesehen von Nahrung, die auf Feldern dauerhaft produziert werden kann, sind aber alle endlich. Das bedeutet, es gibt eine bestimmte Menge Gold auf der Karte, ist das komplett abgebaut und ausgegeben, lässt sich nichts dagegen tun.

Screenshot Detail Dorf, links Schwarzer Block mit Infos
In kleinen Tutorials lernt der Spieler, schnell eine Wirtschaft aufzubauen. Credit: Relic, Microsoft

„Age of Empires 4“ führt zwar mit dem Marktplatz und dem Händler neue Quellen ein und lässt auch durch Reliquien bei einigen Völkern Rohstoff erscheinen, insgesamt dient das Gefüge aber dazu, das vor allem Mehrspieler-Party nicht endlos dauern können. Sind erst einmal wichtige Ressourcen erschöpft, können Spieler Verluste in der Schlacht nicht mehr beliebig nachrüsten und eine Entscheidung über den Sieg steht bevor. Das System funktioniert schon seit dem ersten Spiel der Reihe so und bringt auch in Teil vier das gewünschte Ergebnis.

Das Kampfsystem

Wenn es um Einheiten im Kampf geht, da arbeitet „Age of Empires“ schon seit Teil eins mit dem Stein-Schere-Papier-Prinzip. So ist ein Reiter stark gegen Bogenschützen, aber schwach gegen einen Speerkämpfer. Der wiederum hat Probleme gegen gut gepanzerte Infanterie. Und die werden von Reitern relativ leicht besiegt. Die Kunst ist also auch bei „Age of Empires IV“, die Stärken des gespielten Volkes zu verstehen, die Strategie darauf auszurichten und eine Armee zusammenzustellen, die maximale Kampfkraft erreicht, ohne allzu offensichtlich Schwachpunkte aufzuweisen.

Screenshot dunkle Menü-Fenster mit Gefechts-Karte
Auf einer Gefechtskarte lassen sich viele Dinge einstellen, um die Partie zu spielen, die man spielen möchte. Credit: Relic, Microsoft

Soldaten in AoE 4

Soldaten lassen sich bei „Age of Empires 4“ unterschiedlich zusammenfassen. So reicht ein Doppelklick auf eine Einheit, um alle Einheiten des gleichen Typs zu kontrollieren und ihnen Befehle zu geben. Es lassen sich allerdings auch mehrere unterschiedliche Einheiten zu einer kleinen Armee bündeln, denen der Spieler eine Nummer zuordnen kann und durch Tippen auf die entsprechende Taste aufruft.

So können beispielsweise in Nahkampf empfindliche Bogenschützen und gut gepanzerte Infanterie zusammengefasst werden, die die Fernkämpfer schützen. Wichtig ist aber, dass der Spieler stets weiß, wo seine Truppen stehen und wie er sie schnell aktivieren und in Kämpfe schicken kann. Wer eine Attacke in seiner Flanke oder seinem Rücken verschläft, dem ist meist nicht mehr zu helfen.

Screenshot Burgmauer mit Bogenschützen im Detail
Mauern können mit Schützen bestrückt werden, die aus sicherer Deckung Gegner unter Feuer nehmen. Credit: Relic, Microsoft

Kampagnen und Missionen

Die Kampagnen und Kunst des Krieges-Missionen sind darauf ausgelegt, Spielern wichtige Grundregeln, aber auch einige Feinheiten des Kampfes näherzubringen und ihn so auf Gefechte gegen die KI oder menschliche Gegner vorzubereiten. Hier offenbart „Age of Empires IV“ allerdings auch Tücken. Bei größeren Schlachten, in denen 40 oder mehr Soldaten auf beiden Seiten stehen, ist es oft schwierig, noch zu erkennen, wer hier gerade gegen wen kämpft. Allerdings haben viele Völker auch religiöse Einheiten zur Verfügung, die in einem solchen Pulk als Heiler den Unterschied machen können.

Dazu kommen noch Möglichkeiten, eine Armee in unterschiedlichen Formationen in den Kampf zu schicken. Welche Vorteile welche Formation hat, ist dabei nicht immer sofort offensichtlich.


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Spieler-Level

Der Spieler bekommt durch gespielte Kampagnen und Gefechte Erfahrungspunkte, die ihn Level aufsteigen lassen. Die sind allerdings eher kosmetischer Natur. So lassen sich auf diese Art verschiedene Motive für ein eigenes Wappen und ein Portrait freispielen. Weitere freischaltbare Inhalte in „Age of Empires IV“ verstecken sich in den so genannten Meisterungen der einzelnen Völker.

Hier muss der Spieler bestimmte Dinge erledigen, um Erfolge einzuheimsen. Das fängt einfach an, wird aber im Verlauf der 15 freischaltbaren Stufen immer schwerer. So müssen beispielsweise die Briten für Stufe 1 nur einen gegnerischen Späher im Dunklen Zeitalter erwischen, aber später 1-gegen-2-Gefechte auf höherer Schwierigkeit gewinnen.



Neuerungen in Age of Empires IV

Wer bereits Erfahrung im AoE-Universum aufweisen kann, wird sich im neuen Spiel schnell zurechtfinden, denn die Unterschiede zu früheren Teilen sind nicht groß. Am auffälligsten ist noch der Wechsel von einem Zeitalter ins nächste. Früher lief einfach ein Timer ab, wenn der Spieler die Ressourcen für den Sprung zusammengetragen hatte und den Wechsel anklickte. In „Age of Empires 4“ wird jetzt ein spezielles Gebäude dafür errichtet, das wiederum eigene Fähigkeiten mitbringt, so zum Beispiel schnelleres Bauen von Truppen oder mehr Einkommen bei Gold.

Auch die Kunst des Krieges-Missionen sind neu, ebenso wie eine umfangreiche Hilfs-Bibliothek über die Völker und die Spielmöglichkeiten von AoE 4. Der Rest der Neuheiten im Spiel ist entweder kosmetischer Natur oder findet auf einem sehr kleinen Level statt, der die grundsätzliche Art zu spielen kaum oder gar nicht verändert.



Die Optik

22 Jahre nach Teil zwei sollte das Mittelalter in „Age of Empires IV“ besser aussehen als früher – und das tut es auch. Aus der Pixel-Pracht vergangener Tage haben die Entwickler nun eine hübsche Grafik gemacht, die zwar immer noch auf Übersichtlichkeit ausgelegt ist, aber dennoch auch ästhetisch überzeugt. In AoE 4 kann der Spieler sogar ein wenig heran- und wieder herauszoomen, wenn auch der Detailgrad eines Anno 1800 nicht erreicht wird.

Außerdem haben die Macher für die Kampagnen-Erzählungen zwischen den Missionen sogar richtiges Filmmaterial genutzt und zeigen historische Städte und Orte in England wie sie heute aussehen, während eine Stimme aus dem Off die damaligen Ereignisse schildert. Das trägt zum positiven Gesamteindruck der Optik bei: Auf dem Sektor der RTS (Real-Time-Strategy)-Spiele gibt es nichts, das deutlich besser aussieht als „Age of Empires 4“.

Schwächen von Age of Empires IV

Wenn man „Age of Empires IV“ etwas vorwerfen will, dann sicherlich die Tatsache, dass sich am Prinzip des Spiels so gut wie nichts geändert hat. Microsoft und Entwickler Relic gehen hier sehr auf Nummer sicher und riskieren keinerlei eventuelle Spielerschelte aufgrund von Neuerungen. Das Ganze sieht zwar deutlich besser aus als AoE 2 aus dem Jahr 1999, es spielt sich aber fast genauso.

Dazu kommt in „Age of Empires 4“ die etwas ungenaue Steuerung der Einheiten und die schnell übersichtlich werdenden Gefechte. Hier geht eine Schlacht schon einmal verloren, weil der Spieler seine Einheiten nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnte – und schuld daran eine Hausecke oder eine Mauer ist, an der die Einheiten zu lange hängenbleiben.

FAZIT

Für Fans von Echtzeit-Strategie, einem inzwischen fast ausgestorbenen Genre, das in den 90er Jahren noch richtig groß war, ist „Age of Empires IV“ ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Denn der Titel spielt sich nicht nur wie der beste Teil der Reihe AoE 2, sondern schickt den Spieler auch zurück ins Zeitalter der Ritter, Burgen und Katapulte.

Dazu sieht das Spiel gut aus, bietet jede Menge verschiedene Inhalte zum Ausprobieren oder länger Spielen und überzeugt auch im Mehrspieler-Modus, der vor allem ausgewogene Schlachten gegen menschliche Gegner möglich macht. Kleine Mängel wie unübersichtliche Schlachten lassen sich da verschmerzen.

  • PRO
    • Viel Inhalt, der für Neulinge auch noch gut erklärt wird, packende Schlachten in Echtzeit und eine überzeugende Optik in AoE 4: eine gelungene, wenn auch nicht sonderlich innovative Belebung des Genres.
  • KONTRA
    • Die Steuerung macht es manchmal schwer, seine Truppen schnell genug in den Kampf zu schicken und die einzelnen Völker erlauben nicht alle verschiedene Taktiken.

IMTEST Ergebnis:

gut 1,6