Silberner SUV vor Sonnenuntergang mit IMTEST Siegel "E-Auto des Monats"
Credit: Audi, IMTEST

Bei Audi spielte sich Elektromobilität bisher abseits der traditionellen Flotte ab. Die ersten rein elektrischen Modelle – das SUV Audi e-tron und das viertürige Coupé Audi e-tron GT – sind namentlich klar von den üblichen As und Qs im Portfolio abgegrenzt. Erst das dritte Elektroauto sortiert sich nun bündig in die bekannte Nomenklatur ein: Audi platziert den Q4 e-tron genau zwischen Q3 und Q5. Wie das funktioniert und ob ihn das zum Geheimtipp unter den Audi-SUVs macht, klärt der Test im Topmodell Audi Q4 e-tron 50 Quattro mit 220 kW (299 PS).

Produktdetails

  • 5-türig / E-SUV
  • Antrieb/Tempo: Front/Heck; 180 km/h
  • max. Leistung in kW (PS): 220 (299)
  • ab 41.900 Euro

Audi Q4 e-tron 50 ohne großen Vorteil im Spitzenmodell

Schon jetzt sei gesagt: So viel Power muss es im Audi Q4 e-tron 50 nicht sein. Dies vor allem deswegen, weil schon die kleineren Leistungsstufen (125 kW, 150 kW, 195 kW) gefühlt stark anziehen und die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h dem Ego mehr nutzt als dem Vorankommen. Immerhin: Er fährt beeindruckend leise und geschmeidig. Selbst bei hohem Tempo bleibt es still im Innenraum.

Das liegt nicht nur an der Abwesenheit vibrierender Verbrenner, sondern auch an der allgemein guten Dämmung. Beim Fahrwerk bleibt Audi komfortabel, konstruiert aber etwas Sportlichkeit in die Abstimmung. Die gehört zur Marke und hilft dem Q4 dabei, in zügigen Kurven seine Masse zu kaschieren. Unbequem wird das SUV dadurch nicht, und fühlt sich direkt und präzise an. Einzig auf schlechten Straßen neigt das SUV bisweilen dazu, über die Längsachse zu kippeln.

Großer Akku, ordentlicher Ladestrom

Alle Modelle außer dem Q4 35 haben einen großen Energiespeicher mit 77 kWh. Im Spitzenmodell schafft der Audi Q4 e-tron 50 eine Reichweite von 488 Kilometern laut Norm. Diesen Wert erreicht das Auto sogar in der Stadt oder beim Pendeln. Bei anvisierter Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn steigt der Verbrauch aber so weit an, dass nach etwa 300 Kilometern der erste Lade-stopp ansteht.

An Schnellladesäulen lädt der Audi Q4 e-tron 50 laut Hersteller mit einer Ladeleistung von bis zu 125 Kilowatt. Im Test zeigen Ladesäulen sogar Ströme mit bis zu 133 Kilowatt an. Ab einem Ladestand von rund einem Drittel lädt der Audi langsamer, ab etwa 85 Prozent zäh. Mehr als 35 Minuten Ladezeit lohnen sich deshalb selten.

Lenkrad und Cockpit dunkel
Klassiker: Das Armaturenbrett ist eine modernisierte Variante des Q3-Cockpits. Credit: IMTEST

Wann und wo die Stopps am besten einzulegen sind, berechnet das Navigationssystem selbstständig. Ändern sich Streckenführung oder Fahrstil, passt es die Ladestrategie automatisch auf die neuen Umstände an. Ein kritischer Blick auf die elektronische Planung ist trotzdem anzuraten, denn die Software rechnet mit einem dicken Polster und manchmal nicht ganz logisch. Manuelle Korrekturen können viel Zeit sparen.

Audi Q4 e-Tron 50 – ein Auto, zwei Meinungen

Mann am Steuer schaut über Schulter in Kamera
Credit: IMTEST

„Audi setzt viel daran, den Q4 e-tron von seinen technischen Brüdern VW ID.4 und Škoda Enyaq abzugrenzen. Das gelingt dem Hersteller bei Optik, Fahrgefühl, Cockpit und Anmutung, nur nicht funktional. Für den Premium-Preis erwarte ich aber auch das.“

Constantin Bergander, IMTEST-Experte

Frau am Steuer schaut nach hinten in Kamera
Credit: IMTEST

„Am Audi Q4 e-tron ist vieles gut: Er bietet Platz, fährt leise und ist angemessen eingepreist. Mir gefällt das Cockpit, welches dezent und unaufdringlich in Szene gesetzt wird. Am Lenkrad allerdings zeigen sich Digitalität und Modernität zu sehr. Das kann Nerven kosten. Ich wünsche mir dort echte Knöpfe!“

Nina Eickhoff, IMTEST-Expertin

Platz ohne Ende – fast

Im Innenraum baut Audi eine modernisierte Version des Q3-Armaturenbrett es ein. Ein paar neumodische Details möchte Audi aber dennoch im Q4 wissen. Dazu gehören klug angeordnete Flaschenhalter im oberen Bereich der Vordertüren und eine Mittelkonsole, die wirkt wie ein kleiner Tisch. Außerdem neu: Ein viereckiges Lenkrad mit Touch-Flächen anstelle von Tasten. Vermutlich würden echte Knöpfe im Audi Q4 e-tron 50 an dieser Stelle altbacken wirken. Dennoch hat die neue Bedienlogik einen Nachteil: Man wischt häufig versehentlich über die Flächen und blickt dann auf eine verstellte Tachoansicht.

Blick in den Kofferraum
Trotz Heckmotor: Das Packvolumen des Audi Q4 variiert zwischen 520 und 1.490 Litern.
Blick auf die Rückbank mit dunklen Bezügen
Freiheit für die Beine: Auf den hinteren Bänken finden auch Erwachsene genug Platz.

In den klassischen Metriken macht der Q4 alles richtig. Er bietet viel Platz vorn und im Fond. Die Kniefreiheit in Reihe zwei genügt Erwachsenen locker. Obwohl jeder Q4 einen Heckmotor hat, bleibt darüber genug Platz für 520 Liter Gepäck. Bei umgeklappten Sitzen vergrößert sich das Volumen auf 1.490 Liter. Audi bringt so viel Platz auf überschaubarer Länge unter, weil die Architektur des Q4 speziell für den Einsatz von Elektromotoren entwickelt wurde.


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Audi Q4 e-tron 50 mit diesen Assistenten

Alle nicht serienmäßigen Assistenten bündelt Audi in Pakete. Das Wichtigste ist dabei: Der Audi Q4 e-tron 50 hilft optional beim Halten von Spur, Abstand und Tempo sowie beim Einparken. Einen echten Parklenk-Assistenten bietet der Hersteller allerdings nicht an – schade! Auch Funktionen der Hersteller-App gibt es eher wenige. Dafür ist der automatische Pannenruf serienmäßig dabei.

FAZIT

Hohe Reichweite, viel Platz, ordentlich Kraft – alles gute Werte. Aber: Das Spitzenmodell von Audi Q4 e-tron 50 Quattro kostet mindestens 53.600 Euro – 4.000 Euro weniger als ein vergleichbarer Q5 TDI. Die umfangreiche Testwagen-Ausstattung treibt den Preis auf 77.560 Euro. Nicht nur bei diesem Extrem lohnt auch ein Blick auf VW oder Škoda: Sie teilen sich Technik und Raumangebot mit dem Elektro-Audi, kosten aber weniger.

  • PRO
    • Viel Platz, leises Fahren, hoher Fahrkomfort
  • KONTRA
    • Wenig Park-Assistenzsysteme

IMTEST Ergebnis:

gut 1,9