Ein Mann auf einem E-Roller mit aktiviertem Rücklicht.

Einst als Heilsbringer für die emissionsfreie Bewältigung der letzten Meile gefeiert, werden die E-Roller zum Mieten nun zunehmend zum Ärgernis. Schlimme Unfälle und auf den Fußwegen herumliegende Einheiten sorgen dafür, dass Politiker aus verschiedenen Städten nun neue Verbote fordern.

E-Roller sind schlecht für die Umwelt

Eigentlich sollen die E-Roller dafür sorgen, dass die Luftverschmutzung in den Großstädten verringert wird. Das klappt dank des komplett emissionsfreien Antriebs natürlich auch in geringem Maße. Verfügt eine Stadt allerdings über ein in- oder anliegendes Gewässer, wie die Spree in Berlin, die Alster in Hamburg oder der Rhein in Köln, ist es mit dem Umweltschutz nicht mehr weit her. Der Grund: Angetrunkene Nutzer entledigen sich des rollendes Akkus, indem Sie das Teil einfach mal zum Tauchen schicken. Dass sich ein verrottender Akku im Wasser nicht sonderlich gut auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirkt, dürfte klar sein. Mittlerweile ist eine heiße Diskussion darüber entbrannt, wer für die Bergung der versenkten E-Roller aufkommen soll. Die Anbieter sehen sich hier (noch) nicht in der Pflicht.

E-Roller sind schlecht für die Gesundheit

E-Roller sollen vorrangig dafür eingesetzt werden, um kurze Strecken schnell zu bewältigen. Diese Wege per Pedes oder auf einem Fahrrad zu bewältigen wäre zwar aufgrund der einzusetzenden Muskelkraft sicher gesünder, dennoch erfreuen sich die E-Roller größter Beliebtheit. Was dazu führt, dass natürlich auch die Unfallzahlen in Zusammenhang mit E-Rollern drastisch nach oben gehen. Problem hier: So gut wie kein Nutzer eines Mietrollers zieht es in Erwägung, einen Helm zu tragen. Ergebnis: Die Fallzahlen, bei denen sich die Fahrer bei einem Sturz schwerste Kopfverletzungen zuziehen, steigen dramatisch an.

E-Roller stehen am Ufer des Rheins in Köln.
Tagsüber stehen die -E-Roller am Ufer des Rheins. Wird es dunkel, landen die kleinen Flitzer gerne mal in den städtischen Gewässern.

Anika Wichmann, Unfallchirurgin am Unfallkrankenhaus Berlin meint dazu: “Stürze mit dem E-Roller ereignen sich häufig bei Fahrten unter Alkoholeinfluss, durch Unachtsamkeit im Straßenverkehr oder weil die Fahrerinnen und Fahrer die Geschwindigkeit und die Handhabung unterschätzen. Kopfverletzungen sind nach unserer Erfahrung am häufigsten, außerdem kommt es relativ häufig zu Frakturen. Diese waren vor allem kombiniert mit Weichteildefekten, die schwersten Verletzungen, die wir bislang gesehen haben.”

E-Roller sind schlecht für die Lebensqualität

Das dritte Feld, in dem sich die E-Roller nicht gut machen ist die Art der Nutzung durch einen Mieter. Nur in den seltensten Fällen werden die Roller nach dem Verleihvorgang korrekt abgestellt. Der daraus resultierende Ärger ist für Fußgänger, Rad- oder Rollstuhlfahrer so gut wie jeden Tag spür- und sichtbar: E-Roller liegen überall herum, versperren Hauseingänge und sorgen für gefährliche Situationen in sowieso schon beengten Wohngebieten. In Hamburg hatte man sich im letzten Herbst mit den Anbietern zwar auf “Parkverbotszonen” für abgestellte E-Roller geeinigt, die Wirkung dieser Maßnahme lässt aber zu wünschen übrig. Eine Besserung des Problems ist hier nicht eingetreten.

Neue Verbote sollen es richten

Jetzt schaltet sich abermals die Politik ein, um dem Chaos und den erhöhten Unfallzahlen Herr zu werden: Der Hamburger SPD-Abgeordnete Armi Koorosh fordert eine Null-Promille-Grenze für Nutzer eines E-Rollers. Den entsprechenden Antrag stellen die Sozialdemokraten aus Hamburg-Eimsbüttel für die nächste Bezirksversammlung Ende Juli. Auch Kölns erste Bürgermeisterin Henriette Reeker macht sich für neue Verbote stark: So sollen in Köln in Zukunft nächtliche Fahrten mit dem E-Roller verboten werden. Der Branchenverband “Shared Mobility” kritisiert die neuen Ansätze scharf: “Verbote bestrafen alle Scooter-Fahrer für das Fehlverhalten weniger.” Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis eine Einigung gefunden wird, die für alle zufriedenstellend ist.