VW ID.4 im Test
Credit: VW, IMTEST

VW geht das Projekt Elektromobilität mit neuen Gesichtern an. Auf dem ersten Elektro-SUV der Marke steht der Name ID.4. Mit einem Tiguan, dem klassisch angetriebenen Kompakt-SUV der Marke, teilt er sich nur ungefähr die Größe, aber nicht Technik oder Design. Eine Zäsur, die zeigt: Die Alleskönner von damals können gar nicht mehr alles. Zum Test tritt der VW ID.4 in der Variante Pro Performance mit 150 kW (204 PS) und großer Batterie (77 kWh) an.

Produktdetails

  • 5-türig / E-SUV
  • Antrieb/Tempo: Heck / 160 km/h
  • max. Leistung in kW (PS): 150 (204)
  • ab 37.415 Euro

VW ID.4 mit langem Atem

Der VW ID.4 soll schaffen, was Elektroautos bisher selten gelingt: Auf der Langstrecke ähnlich gut funktionieren wie im Kurzstrecken-Alltag. VW gibt eine Reichweite von bis zu 522 Kilometern an. Theoretisch genügt das, um in einem Rutsch von Berlin nach Dortmund zu fahren. Praktisch schafft er diese Distanz aber nur im Nahbereich bei gemäßigtem Tempo.

Im Stadt- und Pendelverkehr unterbietet das SUV seinen angegebenen Durchschnittsverbrauch, schafft in diesem Szenario also sogar mehr Distanz mit einer Akkuladung. Auf der Autobahn klappt das nicht: Mit einer Zielgeschwindigkeit von 130 km/h liegt der Durchschnittsverbrauch bei rund 24 kWh pro 100 Kilometer.

Schnellladen bis 80 Prozent

Wie bei Elektroautos üblich, variiert beim VW ID.4 die Stromaufnahme beim Schnellladen. Bis zu einem Ladestand von ungefähr einem Drittel hält er seine Spitzenleistung von 125 kW. Danach fällt sie zunächst langsam, jenseits der 80 Prozent dann schnell ab. Im Test dauert der Ladevorgang von 13 auf 82 Prozent 34 Minuten – ein guter Wert, aber längst kein Rekord. So schnell wie der Testwagen lädt nicht jeder ID.4. Die Basisversion mit kleinem Akku verträgt nur 7,6 kW Wechselstrom und 50 bis 100 kW Gleichstrom (optional).


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Solide gutes Fahrverhalten

Was im VW ID.4 besonders auffällt: Er bewegt sich äußerst leise. Sein elektrisches Surren kommt präsent, aber nicht aufdringlich im Innenraum an. Schmale Reifen rollen sanft ab, und der gröbste Verkehrslärm bleibt draußen. Oft ist der Blinkerton das lauteste Geräusch im Auto.

Der ID.4 tritt kräftig an und legt linear an Geschwindigkeit zu. Mit steigendem Tempo bewegt er sich noch spontan, aber nicht so spritzig wie ein vergleichbares Benzin- oder Diesel-SUV. Das liegt vor allem an seinem hohen Gewicht von gut 2,1 Tonnen. Bei 160 km/h ist der ID.4 abgeregelt. Einen wilden Charakter spart sich der Hersteller generell – der ID.4 fährt vor allem gutmütig und stabil. Dabei gibt es neben dem Standard- noch drei weitere Fahr-Modi für mehr Fahrkomfort und Effizienz.

Der VW ID.4 – ein Auto, zwei Meinungen

Constantin Bergander im ID.4
Credit: IMTEST

„Für ein SUV seiner Größe bewegt sich der ID.4 wendig und sparsam. Er funktioniert sogar auf der Langstrecke, erfordert dort aber Kompromisse: Dauerhaft schnelles Laden geht offenbar nur eine Preisklasse höher.“

Constantin Bergander, IMTEST-Experte

Nina Eickhoff im ID.4
Credit: IMTEST

„Der ID.4 ist der Elektro-VW für Familien: Groß, leise, komfortabel und praktisch. Nur die Bedienstrategie fast ohne Tasten stört – hier soll das Auto mit aller Gewalt modern wirken. Echte Knöpfe stünden ihm besser.“

Nina Eickhoff, IMTEST-Expertin

Viele Touch-Flächen im Innenraum

Innen fühlt sich der ID.4 zunächst ungewohnt an. VW reduziert in seinen Elektroautos die Anzahl der Knöpfe und Taster. Das sieht aufgeräumt und gut sortiert aus, stört aber im Betrieb. Gelegentlich, wenn ein Finger unbeabsichtigt über die Touch-Felder am Lenkrad gleitet und damit den Tempomaten verstellt. Häufiger, weil zwei Tasten und eine Touch-Fläche in der Fahrertür vier elektrische Fensterheber steuern. Und oft, weil bei den unpraktischen Touch-Slidern für Lautstärke und Temperatur die Beleuchtung fehlt.

Die meisten Funktionen des VW ID.4 steuert ein großes Touch-Display auf dem Armaturenbrett. Das lässt sich intuitiv bedienen und individuell konfigurieren. Wer sich ein paar Minuten mit Funktionen und Logik auseinandersetzt, findet sich langfristig zurecht. Optional bietet VW ein erweitertes Head-up-Display an. Es projiziert Navigationssymbole und Hilfslinien der Assistenten gefühlt weit vor das Auto und auf den Asphalt.

Innenansicht ins Cockpit des ID.4
Kontrollzentrum: Das Touch-Display für die zentrale Bedienung gibt es in 10 und 12 Zoll Größe. Credit: IMTEST

Ausstattung und Fahrsicherheit

Konkret sind an Bord des VW ID.4 sehr viele Assistenzsysteme zur Fahrunterstützung und Sicherheit. Auch ein Pannenruf ist dabei. Ein paar mehr Front- und Rückkameras könnte VW dem E-Auto aber schon spendieren. Dafür überzeugt das Echtzeit-Navi mit einfacher Routenführung. Fahrerprofile lassen sich ebenfalls abspeichern. Und in der Hersteller-App gibt es viele Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten.



Im VW ID.4 ist genug Platz für alle

Der Innenraum selbst fällt beim VW ID.4 geräumig aus. Vorn sitzt es sich bequem und hoch, denn das Akkupaket befindet sich unter den Sitzen. Hinten bleibt viel Platz an den Knien. Insgesamt gibt es vorne wie hinten genug Beinfreiheit für alle. VW gewinnt an dieser Stelle Raum, weil der ID.4 als Elektroauto konstruiert wurde und keinen Verbrenner-Kompromiss eingeht. Rund 500 Liter Ladevolumen genügen auch für Familienurlaube.

Fahrersitz im ID.4
Einladend: Der VW ID.4 bietet ordentlich Platz und Beinfreiheit vorne und hinten.
Kofferraum des ID.4
Kofferraum: Etwa 500 Liter Fassungsvermögen sind genug für einen kleinen Familienurlaub.

FAZIT

Auf der Langstrecke fährt ein Diesel ausdauernder. An dieser Stelle enden aber seine Vorteile. Der VW ID.4 ist leise und komfortabel, sitzt sich großzügig, lädt viel ein, assistiert gut und wirkt an vielen Stellen durchdacht. Nur bei Bedienung und Rechenleistung bleibt Luft nach oben. Der ID.4 startet bei 37.415 Euro. Zum Vergleich: Ein Tiguan TDI mit 150 PS steigt bei 37.980 Euro ein. Motor- und Akkuvariante wie im Testwagen kosten 7.500 Euro Aufpreis. Seine Sonderausstattung treibt den Preis auf 62.840 Euro.

  • PRO
    • Auffallend leise, viel Platz und Fahrkomfort
  • KONTRA
    • Bedienung und Rechenleistung könnten besser sein

IMTEST Ergebnis:

gut 1,6