Streaming Boxen im Test
Mit Streaming Boxen holen Sie sich "Video on Demand" auf den Fernseher! Credit: IMTEST/Amazon

Zumindest bei der jüngeren Generation ist das klassische Fernsehen schon eine ganze Weile nicht mehr angesagt. Lineare Sender mit festgelegtem Programm schreiben zu verbindlich vor, welcher Inhalt wann genau zu sehen ist. “Video on Demand” heißt der neue Stern am Himmel, der spätestens seit der Entstehung der Video-Plattform YouTube Inhalte immer dann verfügbar macht, wann ich sie gerade sehen will. Geschaut wird nicht mehr nur auf dem Fernseher, sondern auch am Computer, auf dem Smartphone oder dem Tablet. Aber selbst im Auto, in der Bahn und auf dem Pausenhof schauen die Nutzerinnen und Nutzer. Streaming Boxen wollen das Entertainment jetzt wieder in das Wohnzimmer zurück bringen. Dabei verbinden Sie viele unterschiedliche Plattformen und holen sogar das Fernsehprogramm wieder mit an Bord, wenn auch ohne Kabelanschluss. Aber Achtung: Es gibt einige Unterschiede und auch versteckte Kosten bei den Produkten. IMTEST hat den Versuch gewagt.

Streaming Boxen: Sticks und Kisten

Zum Test treten fünf aktuelle Modelle großer Streaming-Anbieter an. Mit dabei sind etablierte Größen wie Amazon mit dem Amazon Fire TV Stick 4K Max oder der Pay-TV-Riese Sky mit seiner neuen Sky Q IPTV Box. Wie die Namen schon suggerieren, kommen beide Produkte in unterschiedlichen Formen zum Nutzer nach Hause. Der Fire TV Stick 4K Max ist ein handlicher Riegel, der direkt im HDMI-Eingang des Fernsehers steckt. Die Sky Q IPTV Box hat hingegen Bierdeckelformat, steht neben dem Fernseher auf dem Sideboard und wird mit einem längeren Kabel angeschlossen.

Amazon Fire TV Stick 4K Max
Der Amazon Fire TV Stick 4K Max kommt direkt in den HDMI-Port. Credit: IMTEST
Sky Q IPTV Box
Die Sky Q IPTV Box liegt vor dem Fernseher und benötigt das beiliegende HDMI-Kabel. Credit: IMTEST

Diese Set-Top-Boxen und Streaming-Sticks haben sich als gängige Formen etabliert. Das Apple TV 4K ist dabei das wuchtigste Box-Modell im Test, der Roku Express 4K und der Waipu.tv 4K Stick geben sich da deutlich schlanker und verschwinden wahlweise hinter dem Fernseher oder lassen sich sichtbar am Rahmen befestigen. Allen Geräten liegt ein passendes HDMI-Kabel im Lieferumfang bei, genau wie ein entsprechendes Stromkabel inklusive Netzteil. Die Sticks von Roku und Waipu.tv lassen sich an moderneren Fernsehern auch direkt über einen USB-Anschluss mit Strom versorgen.

Waipu.tv 4K Stick
Der Waipu.tv 4K Stick kommt mit Netzteil, Stromkabel sowie Fernbedienung und hat den HDMI-Stecker direkt am Gerät. Credit: IMTEST

Ebenfalls im Lieferumfang enthalten sind die Fernbedienungen der Streaming Boxen. Während Apple auf ein unverwechselbar designtes Eingabegerät aus gefrästem Aluminium setzt (Sprachassistentin Siri und berührungsempfindlichem Steuerrad inklusive), geben sich Amazon, Roku und Waipu.tv deutlich klassischer. Die Fernbedienungen der drei Anbieter sind sehr klein, aus unspektakulärem Plastik gefertigt und besitzen nur die nötigsten Tasten – wobei Waipu.tv auch einen Ziffernblock bietet. Die größte Fernbedienung findet sich bei der Sky Q IPTV Box: Hier gibt es neben einem Zehner-Tastenblock für jede weitere erdenkliche Funktion auch einen Knopf.

Apple TV 4K
Altbekannt: Am Apple TV hat sich nicht viel getan, neu ist dafür die Fernbedienung. Credit: IMTEST

Flinke Kästchen und lahme Kisten

Woran man zunächst gar nicht wirklich denkt, was schnell aber auffällt: Es gibt bei den verschiedenen Streaming-Boxen teils starke Unterschiede in der Leistung. Zwar unterscheiden Hersteller bei ihren Geräten in der Regel zwischen 4K- (3840 × 2160 Pixel) und Full-HD-Modellen (1920 x 1080 Pixel), aber die Auflösung ist dabei nicht gleichzusetzen mit der Bildqualität. Bis auf die Sky Q IPTV Box geben alle Testkandidaten ihre Inhalte in 4K-Auflösung aus. Die Bildqualität des Apple TV 4K und des Amazon Fire TV Sticks 4K Max ist dabei auf gleich hohem Niveau und begeistert durch eine gestochen scharfe Anzeige und natürliche Farben.

Roku Express 4K
Rokus Express 4K Kästchen ist noch kleiner, als die ebenfalls schon sehr handliche Fernbedienung. Credit: IMTEST

Die Inhalte des Roku Express 4K und des Waipu.tv 4K Sticks sind da im direkten Vergleich spürbar weniger brillant, wenn auch immer noch schön anzusehen. Besonders bei der Farbwiedergabe fallen Unterschiede auf: Szenen geraten etwas blass und besonders das Live-TV-Programm wirkt stellenweise leicht matschig. Die Sky Q IPTV Box ist hinsichtlich der Bildqualität das Schlusslicht: Selbst auf einem älteren Fernseher, der Inhalte maximal in Full-HD-Auflösung anzeigen kann, liegt das flache Kästchen hinter den Konkurrenten zurück. Das Bild wirkt unruhig, Konturen sind stellenweise unscharf und dunkle Bildpartien erscheinen etwas zu hell. Selbst die On-Board-Apps des Fernsehers (YouTube oder die ARD-Mediathek) erzeugten eine ähnliche, wenn nicht sogar bessere Ausgabe der Inhalte als die kleine Sky-Box.

Wie viel Dampf die Streaming Boxen unter der Haube haben wird aber nicht nur bei der Bildqualität spürbar, sondern auch beim navigieren durch Menüs, der Spracheingabe oder dem Öffnen von Apps. Ganz vorn liegt hier Amazon, dessen Fire TV Stick 4K Max Anwendungen beinahe ohne Wartezeiten startet. Das Klicken durch Mediatheken geht butterweich von der Hand und die Sprachsteuerung Alexa reagiert umgehend auf Eingaben. Auch das Apple TV ist ähnlich flott unterwegs – Roku, Waipu.tv und Sky lassen Nutzer hingegen einige Sekunden warten, bis sich eine App öffnet.

Wie bedienen sich die Streaming Boxen?

Besonders in der Menüführung der Streaming Boxen werden schnell Unterschiede bei der Bedienung deutlich. Apple Setzt auf eine großzügige Kachelansicht, die an die Anordnung von Apps im Smartphone erinnert. Auch Roku setzt auf reduzierte Menüs mit schlichten Kacheln. Bei Amazons Fire TV Stick 4K und dem Waipu.tv Stick 4K navigieren Nutzerinnen und Nutzer vertikal durch Themenbereiche und horizontal durch zugehörige Inhalte, ganz ähnlich wie in der bekannten Netflix-Anwendung. Die verschachtelte Menüführung der Sky-Box hingegen blendet teilweise Menüpunkte aus und ist so unintuitiv, dass man sich oft in ihr verirrt.

Menü Roku Express 4K
Der Roku Express 4K setzt auf schlichte Kachel-Menüs. Credit: IMTEST
Menü Sky Q IPTV Box
Im Menü der Sky Q IPTV Box kann man sich schnell verlieren. Oben links ist die Aufforderung für die Kindersicherung zu sehen. Credit: IMTEST

Besonders komfortabel ist die Steuerung per Sprachbefehl. Dafür gibt es in den Fernbedienungen der Streaming Boxen ein integriertes Mikrofon. Alexa und Siri machen hier wie gewohnt einen guten Job und verstehen Nutzer meist korrekt. Der Waipu.tv 4K Stick hat den Google Assistant integriert, der ebenfalls zuverlässig funktioniert, Befehle aber etwas langsamer umsetzt. Die Spracheingabe von Sky steht den Branchengrößen in nichts nach. Ärgerlich: Roku bietet eine Sprachsteuerung nur über eine zugehörige App an, an der kleinen Fernbedienung gibt es dafür keinen Knopf. Tasten für die Steuerung der Lautstärke vermisst man ebenfalls.

Streaming Boxen: Extrakosten und Werbung

Einfach einen Streaming Stick kaufen, einstöpseln und loslegen? Das Suggerieren viele Hersteller, ganz so einfach geht es aber nicht. In der Regel wird ein entsprechender Account bei einem Anbieter vorausgesetzt, um das Gerät zumindest vollumfänglich zu nutzen. So loggen sich Amazon-Kunden mit ihrem Kundenkonto auch beim Fire TV Stick 4K Max ein und greifen als “Prime”-Mitglieder dann auch auf das Repertoire von Amazon Prime Video zu. Trotz Prime-Mitgliedschaft wartet aber Werbung für Apps und Serien im Hauptmenü – das stört.

Unterbrechung Waipu.tv 4K Stick
Frech: Waipu.tv unterschlägt ohne Abonnement Komfortfunktionen wie das Pausieren von Live-TV – und will Nutzer direkt zur Buchung weiterleiten. Credit: IMTEST

Wer sich für das Apple TV 4K entscheidet, kann sich mit seiner Apple-ID anmelden, muss es aber nicht zwingend. Für eine angenehme Nutzererfahrung oder zum Hinterlegen von Zahlungsinformationen ist eine Anmeldung aber empfehlenswert. Roku und Waipu.tv bieten kostenlose kostenlose Accounts an. Man kann sich also ohne Zusatzkosten anmelden und Funktionen wie Live-TV nachträglich hinzu buchen oder entsprechende Abonnements abschließen. Welche Angebote und Sender-Pakete es gibt, erfahren Nutzer aus einer der vielen lästigen E-Mails, die beide Anbieter nach Anmeldung im Dauerfeuer versenden.

Sky macht es seinen Kunden mit der IPTV Box einfach: Das Gerät gibt es nur zu einem entsprechenden Abonnement hinzu, einzeln ist die Box nicht im Handel zu erstehen. Ohne einen aktivierten kostenpflichtigen Account ist sie aber ohnehin nicht zu benutzen.

Fazit

Fernsehen hat sich verändert: Nutzer wollen selbst bestimmen, was über den Bildschirm flimmert. Streaming Boxen helfen ihnen dabei und hauchen selbst älteren Smart-TVs wieder mehr Tempo ein. Mit toller Steuerung und schöner Übersichtlichkeit punkten Amazon und Apple genau so, wie mit einer erstklassigen Bildqualität. Die Neulinge am deutschen Markt, Roku und Waipu.tv, sind immerhin solide Lösungen für Streaming-Fans, die auch gerne Live-Fernsehen über das Internet beziehen wollen. Die Sky Q IPTV Box gibt es gratis zu einem entsprechenden Abonnement hinzu – und ist selbst geschenkt mit ihren schwierigen Menüs und dem durchwachsenen Bild eigentlich keine Empfehlung. Sky will allerdings zukünftig eine Darstellung in 4K nachliefern, was die Box wieder interessanter machen könnte.