Fiat 500 "Hey Google" im Test
Credit: IMTEST

Es wird wieder mehr gesprochen. Nicht unbedingt miteinander, aber zunehmend mit unbelebten Objekten. Vor allem die Generation der Millennials hat sich Dank Apples Siri, Amazons Alexa oder dem Google Assistant daran gewöhnt, Dinge mit der Stimme zu erledigen. Autohersteller haben das erkannt und bringen immer ausgefuchstere Sprachsteuerungen ins Auto, wie in den Fiat 500.

Produktdetails

  • 3-türig/Kleinstwagen
  • Frontantrieb/167 km/h
  • 51 kW (70 PS)
  • ab 17.850 Euro

Fiat 500 mit „Hey Google“, Audi mit Alexa

Für eine reibungslose Sprachsteuerung beginnen sie, die eigenen Infotainment- und Telematik-Systeme mit den Sprachassistenten der Techriesen zu vernetzen. Audi etwa hat Alexa in den elektrischen E-Tron geholt, bei BMW ist Alexa ebenfalls nutzbar. Andere, etwa Mercedes, vernetzen nur ihre Apps zur Fernsteuerung des Fahrzeugs mit Alexa und Co. Diesen Weg schlägt auch Fiat jetzt ein. Über den Google Assistant sollen sich diverse Funktionen fernsteuern und Informationen remote abfragen lassen. Zunächst nur bei den „Hey Google“-Sondermodellen von Fiat 500 und Fiat 500X. IMTEST hat es getestet.

Google Actions als Weg zu MyFiat

Die Zusammenarbeit des Google Assistant mit dem Infotainment Uconnect und der MyFiat App im Fiat 500 erfolgt über sogenannte „Google Actions“, die sich theoretisch mit fast jeder App verknüpfen lassen. Der Google Assistant und die App des Autoherstellers arbeiten also weiter separat auf dem Handy. Der Sprachbefehl „Hey Google, frag MyFiat“ ersetzt den Fingertipp und öffnet die MyFiat App.

Einmal in der Fiat-App angelangt, stehen diverse Sprachbefehle zur Verfügung, mit denen eine Fernabfrage an das Auto gesendet wird. So lässt sich herausfinden, wo das Auto geparkt ist, welchen Stand der Kilometerzähler hat, wieviel man in jüngster Zeit damit gefahren ist oder wieviel Kraftstoff sich noch im Tank befindet. Außerdem lassen sich die Türen ver- und entriegeln oder die Warnblinkanlage einschalten. Dazu lassen sich Benachrichtigungen für bestimmte Ereignisse einrichten. Etwa für den Fall, dass das Auto eine bestimmte Geschwindigkeit überschreitet.

Cockpit des Fiats mit Google Assistant auf dem Display
Der Google Assistant wird über Google Actions mit der MyFiat-App verknüpft. Credit: IMTEST

Das sind die Sprachbefehle

Hier sind alle möglichen Befehle an den Fiat 500 „Hey Google“ im Überblick:

  • Standort des Autos abfragen
  • Zustand von Türen, Kofferraum oder Faltdach abfragen
  • Türen und Kofferraum ver- und entriegeln
  • Warnblinkanlage aktivieren
  • Kraftstoffstand und Reichweite abfragen
  • Kilometerstand und Tageskilometer abfragen
  • Abfrage des Reifendrucks
  • Batteriezustand ansagen lassen
  • Geschwindigkeitswarnung einstellen oder deaktivieren
Person mit Smartphone und Standortanzeige in der Fiat-App vor dem Auto
Über die MyFiat-App lässt sich auch der Standort des Autos abfragen. Credit: IMTEST

Weitere Funktionen für Fiat 500 sollen kommen

Mehr als diese Funktionen beherrscht MyFiat aktuell noch nicht, Fiat hat jedoch in Aussicht gestellt, dass künftig weitere Funktionen hinzukommen sollen. Was vor allem in Hinblick auf die Elektromobilität wünschenswert wäre. Denn bei einem Elektroauto wird die Fernsteuerung deutlich interessanter als beim benzingetriebenen Fiat 500.

So ließe sich etwa beim Laden der Ladestand abfragen, oder der Ladevorgang starten oder beenden. Oder man startet während des Ladens die Vorklimatisierung, um Strom zu sparen, wenn es auf die Fahrt geht. Wer schonmal an seinem vermeintlich vollgeladenen E-Auto ankam, um festzustellen, dass der Ladevorgang nach wenigen Minuten abgebrochen wurde, weiß zu schätzen, wie hilfreich die Fernabfrage des Ladestatus sein kann.

Elektromobilität: Fahrt in die elektrische Zukunft

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Praxistest: Google-Sprachsteuerung für MyFiat

Im Praxistest gestaltet sich die Abfrage über den Google Assistant zunächst mühsamer als erhofft. Anders als bei Spotify, wo sich ohne weitere Umwege Musik per Sprachbefehl abspielen lässt („Okay, Google, spiele die Beatles auf Spotify ab“), muss die MyFiat-App zunächst mit dem Befehl „Frag MyFiat“ geöffnet werden. Die App begrüßt den Nutzer. Erst danach lassen sich Befehle einsprechen. Das liegt daran, dass Spotify oder Netflix tiefer in den Assistant integriert sind und sich direkt daraus ansteuern lassen. Bei der Steuerung der MyFiat-App via „Actions on Google“ „übergibt“ der Assistant nur an die MyFiat App.

Verständigungsprobleme mit MyFiat

Deshalb muss man die nutzbaren Befehle für den Fiat 500 auch relativ genau kennen. Natürliche Sprache versteht MyFiat nicht, nur wenige Variationen einer Anweisung werden umgesetzt. Mit dem richtigen Wortlaut gibt es im Test aber keine Verständigungsprobleme. Die Befehle werden jedoch nur fast alle gut umgesetzt. Google und Fiat müssen offenbar noch kleine Bugs ausbessern. So wollte MyFiat den Befehl „Warnblinkanlage aktivieren“ ausführen, indem die Geschwindigkeitswarnung aktiviert wird. Außerdem gab die App bei der Frage nach den am Vortag gefahrenen Kilometern sprachlich 1.000 Kilometer zu viel aus. Der zusätzlich eingeblendete Text stimmte hingegen.

Fiat-Sondermodell in der Front-Ansicht
Seitenspiegel des Fiat-Sondermodells
Sitze des Fiat-Sondermodelly "Hey Google"
Fiat "Hey Google" von der Seite
Fiat Sondermodell von hinten während der Fährt

Sicherheit durch Code

Nicht jeder, der zufällig das Handy eines Nutzers in die Finger bekommt, soll jeden Befehl ausführen können. Logisch, schließlich lassen sich damit beispielsweise die Türen entriegeln. Also hat Fiat eine Sicherheitsvorkehrung eingebaut. Die App fordert bei bestimmten Befehlen zusätzlich die Eingabe eines Zahlencodes. Der kann zwar unproblematisch per Sprache eingegeben werden, ein bisschen nervt die Eingabe aber schon. Das ist allerdings kein spezielles Problem des Fiat 500 mit „Hey Google“-Funktionen: Die MyFiat-App fragt den Code genauso ohne den Google Assistant ab. Dann muss man den Code jedoch eintippen.

Nicht alles erledigt die Stimme

Manche Funktionen sind zudem grundsätzlich nicht per Sprachbefehl steuerbar. So lässt sich das Verdeck beim Fiat 500 Cabrio nicht aus der Ferne schließen. Simpler Grund: Es gibt keine Fernsteuerung dafür. Das Dach lässt sich nur über den physischen Knopf im Inneren bedienen. Ob es offen oder geschlossen ist, lässt sich immerhin in Erfahrung bringen. Möchte man es dann bedienen. kommt man jedoch nicht um einen kleinen Spaziergang zum Auto herum.

Fernsteuerung von der Couch per Google Nest

Die MyFiat-App lässt sich nicht nur per Smartphone bedienen. Auch Smart Devices wie der Google Nest Hub oder Google Home Lautsprecher können sie steuern. Das smarte Display Google Nest Hub liefert Fiat direkt mit dem Fiat 500 „Hey Google“ und dem Fiat 500X „Hey Google“ aus. Dazu gibt es ein gebrandetes Cover für den Autoschlüssel und eine Stofftasche mit „Hey Google“-Logo. Wer zufällig ohnehin mit dem Gedanken spielt, sein Haus zum Smart Home aufzurüsten und ein neues Auto braucht, kann das also verbinden. Nun ja.

Natürlich können die schlauen Geräte von Google mehr, als nur die MyFiat-App zu steuern. So lassen sich diverse Apps darüber steuern, etwa Video on Demand Apps wie Netflix oder Musikstreaming Apps wie Spotify und Google Music. Mit der passenden Peripherie lässt sich gucken, wer an der Tür klingelt, die Heizung kontrollieren, das Licht an- und ausschalten und vieles mehr.

Welcome Kit für den Fiat Hey Google
Mit dem Sondermodell gibt es ein Google Nest Hub, sowie einen Stoffbeutel und ein Cover für den Autoschlüssel. Credit: IMTEST

Fiat 500 „Hey Google“ ohne Zugriff aufs Smart Home

Wer allerdings hofft, nicht nur den Fiat aus dem Smart Home steuern zu können, sondern umgekehrt auch das Smart Home aus dem Fiat, wird enttäuscht. Andere Hersteller wie BMW und Audi sind da weiter. Die Integration von Amazons Alexa ins Auto erlaubt ihnen einen „Rückkanal“ zu den Geräten des Amazon-Ökosystems. So lässt sich beispielsweise das Wohnzimmer schon auf der Heimfahrt vorheizen oder das Licht zur Einbrecher-Abwehr einschalten, per Sprachbefehl vom Steuer aus. Das geht natürlich auch mit einem mit Google-Technologie ausgerüsteten Smart Home, aber eben über das Smartphone. Einen Fiat 500 „Hey Google“ braucht man dafür nicht.

FAZIT

Fiat geht mit den Sondermodellen Fiat 500X und Fiat 500 „Hey Google“ einen kleinen Schritt in Richtung Vernetzung und hat sich dafür mit Google einen Partner geholt, der bei der Sprachsteuerung zusammen mit Amazon und Apple weit vorne liegt. Darin, dass Sprachsteuerung eher wichtiger wird, sind sich die meisten Experten einig.

Doch mehr Funktionen als andere Fiat-Modelle mit dem Uconnect Infotainment bietet die Vernetzung des Google Assistant mit der MyFiat App nicht. Denn auch die lassen sich per Smartphone-App fernsteuern, nur eben nicht per Sprachbefehl. Und: Ganz reibungslos funktioniert die Sprachfernsteuerung nicht in jeder Situation. Hier sollte Fiat nachbessern und weitere Funktionen ergänzen. Vor allem eine Ausdehnung auf das Elektromodell Fiat 500e ergibt Sinn, denn hier bedeutet die Fernüberwachung wirklich einen Mehrwert.

Einstweilen kann man die Fiat 500 und 500X „Hey Google“ auch einfach als Ausstattungsvarianten der beiden beliebtesten Fiat-Modelle betrachten. Der Ausstattungsumfang entspricht etwa der Dolcevita-Ausstattung, plus der zusätzlichen Konnektivitäts-Features, dem Google Nest Hub und dem optischen Google-Branding.

Die Preise starten bei 17.850 Euro für den Fiat 500 „Hey Google“ mit 70-PS-Mildhybrid, das Cabrio kostet 20.450 Euro. Der Fiat 500X „Hey Google“ steht mit 120-PS-Benziner ab 23.490 Euro in der Preisliste. Damit sind die 500er keine Schnäppchen und wohl in erster Linie was für Google-Fans.