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Kamera-Filter: Arten, Systeme, Verwendung

Wer gerne und viel Landschaften fotografiert, sollte seine Kamera um Filter ergänzen. Alle Details Details zu Typen, Systemen und Verwendung.

Redakteur hält Tasche und einen Stapel Filter
Kamera-Filter bedeuten zusätzliches Gepäck, aber auch neue fotografische Möglichkeiten. © FOTOTEST

Filter gibt es fast so lang wie die Fotografie selbst. Während sie in der analogen Fotografie unverzichtbar waren, um optische Effekte entweder zu korrigieren oder zu erzielen, können seit dem Anbruch der Digital-Fotografie, viele dieser Effekte auch durch Software in der Bildnachbearbeitung erzielt werden. Für diejenigen, die den Post-Production-Workflow so kurz wie möglich halten wollen, lieber in JPG fotografieren oder den Ansatz verfolgen, schon beim Shooting ihrer Kreativität freien Lauf lassen zu wollen, für die bieten sich manche Filter weiterhin an. Zudem gibt es Filter, deren Effekte, trotz aufwendiger digitaler Nachbearbeitung, bis heute nicht reproduziert werden können. Die Filterauswahl und die Preisspannen sind riesig. Einen Marktüberblick und Hilfestellung bei der Wahl der geeigneten Kamera-Filter und Filtersysteme bietet dieser Ratgeber.

Kamera-Filter: Diese Systeme gibt es

Das Rundfilter-System

Die Rundfilter amen die Form der Objektive nach. Sie sind demnach nicht nur rund, sie entsprechen in ihrem Durchmesser auch exakt mit dem des Objektives überein. So gibt es Rundfilter in allen gängigen Objektivgrößen. Auf ein Objektiv mit 72mm Durchmesser passt nur ein Filter mit identischem Durchmesser. Rundfilter sind in der Regel leichter, platzsparender und auch günstiger als Rechteckfilter. Da das Auf- und Abschrauben der Filter je nach Qualität des Filtergewindes und bei extremen Wetterbedingungen schon mal etwas kompliziert sein kann, gibt es mittlerweile noch eine Alternative. Magnetische Rundfilter müssen mit dem Objektiv nicht mehr verschraubt werden. Sie haften an einer zuvor angebrachten Basisplatte. Diese Art der Rundfilter sind die bequemste und schnellste Art Filter zu nutzen. Leider sind sie auch deutlich teurer als ihre Pendants mit Schraubgewinde.

Rundfilter im Vergleich
Einsteigerfreundlicher sind die Rundfilter mit Schraubgewinde. © Rollei

Das Rechteckfiltersystem

Rechteckfiltersysteme nutzen rechteckige oder quadratische Filter aus Glas oder Kunststoff. Neben der Form ist der wichtigste Unterschied, dass bei Rechteckfiltersystemen immer eine Halterung zum Einsatz kommt. Die Halterung selbst wird mittels Adapterplatten am Objektiv angebracht (in der Regel hat die Halterung 100 mm Durchmesser) Die Adapterplatte hat den gleichen Durchmesser wie das Objektiv. Die Halterung bietet mehrere Fächer, in die nun ein oder mehrere Filter hintereinander geschoben werden können. Rechteckfilter haben den Vorteil, dass man z.B. bei Grauverlaufsfiltern selbst entscheiden kann, wo man die Verlaufslinie platzieren will. Bei Rundfiltern ist diese Linie immer zentriert. Im Vergleich zu Schraubfiltern fällt es auch einfacher mehrere Filter hintereinander zu stecken. Gegenüber den noch einfacher anzubringenden magnetischen Rundfiltergeht dieser Vorteil allerdings verloren. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es auch Clip-Filter gibt, die direkt vor den Sensor und damit zwischen Kamera und Objektiv gesteckt werden. Diese führen aber zu Recht ein Nischendasein.

Steckfilter, Rechteckfilter nebeneinander
Wer häufig und viele Filter nutzt, sollte auf magnetische oder Rechteckfilter setzen. © Rollei

Verschiedene Arten von Kamera-Filtern

Zu den bekanntesten Filtern in der Fotografie zählen die Polarisations– (CPL), Neutraldichte– (ND), Grauverlaufs– und erstaunlicherweise auch nach wie vor UVFilter. UV-Filter sind ein Relikt aus der Analogzeit und erfüllen heute bis auf den Schutz des Objektiv-Frontelements keinen sinnvollen Zweck mehr. Wenn man bedenkt, dass jedes zusätzliche Glas, dass man vor die bis zur Perfektion optimierten Objektive spannt, die Bildqualität eigentlich nur verschlechtern kann, sollte man genau abwägen, welche Filter man benutzen möchte. ND- und Pol-Filter sind die beiden Filter die sowohl in der Fotografie wie auch der Videografie und über alle Fotografie-Sparten hinweg am häufigsten eingesetzt werden.

Die gängigsten Filter-Arten finden Sie im folgenden Überblick. Bei Rundfiltern bestimmt auch der Durchmesser den Preis. Je größer, desto teurer.

© FOTOTEST

ND-Filter

ND-Filter dienen dazu den Lichteinfall auf den Sensor der Kamera zu verringern. Es gibt sie in verschiedenen Stärkegraden und bei Rundfiltern auch als variable Variante (die vor allem bei der Videografie eine wichtige Rolle spielen). In den gängigsten Stärken werden so 3, 6 oder sogar 10 Blendenstufen Licht geschluckt. Sie dienen also dazu die Belichtungszeit zu verlängern und erleichtern somit die Langzeitbelichtung. Für Belichtungszeiten jenseits der Eine-Minuten-Marke können mehrere ND-Filter miteinander kombiniert werden. ND-Filter haben den größten kreativen Effekt auf das Bild. Richtig eingesetzt können sie die Aussage oder Atmosphäre eines Bildes komplett verändern. So kann ein wildes, tosendes Meer mit Wellen bei ausreichend langer Belichtung, plötzlich zu einer ruhigen, seidenglatten Oberfläche werden oder ein im Moment eingefrorenes und statisch wirkendes Auto wird zu einem sich bewegenden Objekt, das einen Schweif hinter sich herzieht.

Im Folgenden eine kleine Auswahl an ND-Filtern:

Polfilter

Polfilter (CPL – Circular Polarizing Filter) reduzieren den Weißglanz auf reflektierenden Oberflächen. So wirken auch nach frischen Regenfällen oder bei starker Sonneneinstrahlung die Farben deutlich gesättigter. Indem der Polfilter Reflexionen mindert, macht er auch Objekte, die hinter Glas oder unter der Wasseroberfläche sind, sichtbar. Häufig wird ein Polfilter auch genutzt, um einen blassen Himmel deutlich kontrastreicher darzustellen. Als Ergebnis erhält man ein sattes und kräftiges Blau mit Wolken, die sich kontrastreicher absetzen. Aufgrund der zirkularen Wirkweise der Polfilter, sollte man aber genau auf die gleichmäßige Verteilung des Filtereffektes achten. Besonders bei Weitwinkelobjektiven kann es im schlimmsten Fall so aussehen, als hätte man einen abdunkelnden ovalen Radialfilter im Himmel platziert.

Ihren größten Wirkungsgrad haben CPL-Filter, wenn sie in einem Winkel von 90° zur Sonne eingesetzt werden. Der Effekt wird deutlich geringer, sobald das Licht von weiter vorn oder hinten kommt. Zusätzlich kann man den Polarisations-Effekt durch Drehen des Filters verstärken bzw. abschwächen. Für viele ist der Polfilter ein „Immer-Drauf-Filter“. Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass ein Polfilter auch eine kleine Menge an Licht schluckt. Pol- und ND-Filter kann man auch gut zusammen einsetzen, weshalb es mittlerweile 2in1 Kombifilter gibt.

Im Folgenden eine kleine Auswahl an Pol-Filtern:

Grauverlaufsfilter

Grau-Verlaufsfilter (GND-Filter) werden bei Szenen mit hohem dynamischem Umfang eingesetzt. Hierbei wird der hellere Teil des Bildes so weit abgedunkelt, dass die Kamera in der Lage ist den dynamischen Umfang mit einer Belichtung darzustellen. Der ohnehin schon dunklere Bereich bleibt von dem Effekt unberührt. Wie ND-Filter gibt es sie in unterschiedlichen Stärken und sowohl mit weichem Verlauf (Soft Edge) oder hartem Verlauf (Hard Edge). Dies funktioniert aber nur bei einer ungebrochenen Grau-Verlaufslinie wirklich einwandfrei. Sobald ein Berg, ein Baum oder ein anderes Objekt die Linie, durchbricht, wird dieses gleich mit abgedunkelt. Einen linearen Verlaufsfilter kann man aber auch in jedem besseren Bildbearbeitungs-Tool setzen. Kombiniert man diesen mit dem Luminanzbereich des hellen Teils des Bildes kann man die Objekte, die eben noch die Linie durchbrochen haben vom Abdunkeln ausschließen.

Grauverlaufsfilter auf einer Kamera mit rechteckiger Befestigung
Ein von oben eingeschobener Grauverlaufsfilter vor dem Kameraobjektiv. © FOTOTEST / Sandro Fabris

Im Folgenden eine Auswahl an Grauverlaufsfiltern (GND-Filter):

Weitere Kamera-Filter

Die heutigen Kameras produzieren immer höher auflösendere Bilder, während die besten Objektive einen immensen Schärfegrad und Mikrokontrast bieten. Dieser digitale Look gefällt nicht jedem. Diejenigen denen die Bilder zu künstlich erscheinen sehnen sich nach dem Charme und dem Charisma des alten Filmlooks aus Analogzeiten. Wiederum andere bevorzugen einen eher cineastischen Look mit eher weichem Kontrast. Hier kommen Black Mist oder auch Diffusionsfilter zum Einsatz. Vor allem Videographen, die einen cineastischen Look mit eher geringem Kontrast erzielen wollen, greifen auf diese Art Filter zurück. Aber auch Beauty- und Portraitfotograf:innen nutzen den Filter als eine Art Weichzeichner. In der Landschafts- und Street-Fotografie können Lichtquellen mit einem soften Glow-Effekt versehen werden. Es gibt sie in unterschiedlichen Stärkegraden (1/8, 1/4, 1/2 oder auch 10%, 20%)

In der Astro-Fotografie kommen noch Nacht/Astro-Filter zum Einsatz. Sie dienen dazu, dass eher warme Licht der Lichtverschmutzung, etwas runterzukühlen. Ein Effekt, den man aber auch durch die Anpassung des Weißabgleiches erreichen kann. Gleiches gilt für die Verwendung von Farbfiltern.

Das macht einen guten Kamera-Filter aus

1. Farbneutral / Colorcast

Wichtigstes Qualitätsmerkmal eines Filters ist, dass er die Bildqualität möglichst wenig negativ beeinflusst. Nur die besten Filter sind dabei zu 100% Farbneutral. Einige, vor allem günstige Filter, erzeugen einen sogenannten Colorcast, der sich z.B. in einer leicht bläulichen oder auch lila Verfärbung sichtbar macht. Diesem kann man in der Bildnachbearbeitung zwar durch die Anpassung entgegenwirken, aber wer schon im Feld alles richtig machen will, sollte auf Filter setzen, die möglichst Farbneutral sind.

2. Präzise und hochwertige Verarbeitung

Nichts ist ärgerlicher, als wenn sich der Schraubfilter verkanntet und sich nicht mehr vom Objektiv entfernen lässt. Oder man den besten Moment oder das beste Licht verpasst, weil man zu lang gebraucht hat, um den Filter aufzuschrauben. Gleiches gilt für Rechteckfilter und deren Halterung. Man merkt den Unterscheid zwischen schlecht und hochwertig verarbeiteten Halterungen und präzisen gefrästen Gewinden sofort. Beiden Filtersystemen gemein ist auch, dass deren Qualität maßgeblich an der Glasbeschaffenheit, Glashärte und der Anzahl der Beschichtungen bemessen wird.

3. Komfortmerkmale

Neben diesem beiden sehr wichtigen Punkten gibt es weitere Qualitäts- bzw. Komfortmerkmale. Hierzu zählt die Farbcodierung bei Rundfiltern, sodass die einzelnen Filter schnell voneinander zu unterscheiden sind. Zudem kann eine gewisse Struktur an den Rundfiltergehäusen, das Anbringen und Abschrauben deutlich bequemer machen als bei glatten Oberflächen. Bei Rechteckfiltern ist es hauptsächlich die Verarbeitung der Halterung und das individuelle Mounting- und Stecksystem, dass für mehr oder weniger Komfort sorgen kann. Eine hydrophobe Beschichtung kann das Reinigen der Filter erleichtern.

Preise und Verfügbarkeiten

Je nach Typ des Filters und Anspruch rangieren die Preise von unter 20 Euro bis zu fast 1.000 Euro. Sparen lässt sich mit Sets, wobei die einmalige Investition einmalig etwas größer ist. Grob lässt sich an der folgenden Übersicht orientieren.

TypAnfängerProfi
Rundfilter20-50 Euro50-100 Euro
Rundfilter magnetisch50-100 Euro65-150 Euro
Rechteckfilter75-150 Euro150-200 Euro
Starterset Rundfilter50-150 Euro100-200 Euro
Starterset Rundfilter magnetisch100-200 Euro200-400 Euro
Starterset Rechteckfilter100-200 Euro300-750 Euro
MarkenRollei, Ruth, Haida, K+FNiSi, KASE, B+W, Hoya, Maven

5 Tipps für Kamera-Filter

1) Objektive haben selten den gleichen Filterdurchmesser. Das heißt aber nicht, dass man sich nun Filtersets für jedes Objektiv einzeln kaufen muss. Es genügt, wenn man darauf achtet, dass die Filtergröße dem Durchmesser, des größtes Objektives entspricht. Mit Hilfe von sogenannten Step-Up-Ringen können die Filter dann auch auf Objektiven mit kleinerem Durchmesser eingesetzt werden.

2) Bei Ultra-Weitwinkelobjektiven kann es durch den Einsatz von Filtern zu Vignettierung kommen. Heutzutage können Filter aber sehr dünn produziert werden, sodass sie auch auf Weitwinkel-Objektiven nicht mehr unangenehm auffallen.

3) Man kann Filter auch kombinieren. So lassen sich Pol- und ND-Filter gemeinsam nutzen oder auch besonders lange Belichtungszeiten, durch die Nutzung zweier ND-Filter, erreicht werden.

4) Manchmal lohnt es sich, beim Kauf des Objektives auch darauf zu achten, dass die Filterdurchmesser übereinstimmen bzw. sich zumindest ähneln.

5) Filter kann man auch sehr gut gebraucht kaufen. Verschleiß durch häufigen Gebrauch spielt hier keine Rolle. Sofern Gewinde und Glas frei von Beschädigungen sind, sind gebrauchte Filter genauso gut wie neue.