Honda e im Test
Credit: Hersteller

Der Honda e fährt mit klarem Fokus durch die Welt. Oder besser: durch die Stadt. Fürs Urbane wurde der Kleinwagen gebaut, darauf wurde seine elektrische Reichweite ausgelegt. Dazu mischt Honda Retro-Design, bringt aber mehr Bildschirmfläche ins Auto als in Dr. Seltsams Kommandozentrale. Außerdem gibt es Kameras statt Außenspiegeln. Wie die Mischung funktioniert, hat IMTEST erfahren.

Produktdetails

  • 5-türig / E-Kleinwagen
  • Heck / 145 km/h
  • 113 kW (154 PS)
  • ab 38.000 Euro

Honda e mit riesigen Bildschirmen

Fünf Displays verteilt Honda im hübschen, gut verarbeiteten Cockpit. Zwei davon dienen als virtuelle Außenspiegel (je 6 Zoll), einer als Instrumentenanzeige (8,8 Zoll) mit den wichtigsten Fahrinfos. Die beiden größten (je 12,3 Zoll) sind fürs Infotainment zuständig. Das lässt sich intuitiv bedienen. Große Schaltflächen steuern die wichtigsten Funktionen. Wahlweise hilft die Sprachsteuerung, die viele Anweisungen in natürlicher Sprache versteht. Der rechte Bildschirm ist vor allem für den Beifahrer im Honda e gedacht. Wer mag, kann eine Spielkonsole per HDMI-Kabel anschließen.

Etwas Umgewöhnung erfordern die gut platzierten virtuellen Außenspiegel. Nach ein wenig Fahrzeit sind sie jedoch äußerst praktisch. Denn der Fahrer muss die Blickrichtung kaum anpassen und freut sich über einen großen Blickwinkel sowie das scharfe, helle Bild nachts oder bei Dämmerung. Eine eingeblendete Hilfslinie deutet beim Spurwechsel an, ob der Abstand zum Hintermann ausreichend groß ausfällt.

Kleines Auto, großer Spaß

Mit nur 3,90 Meter Länge und einer Breite von 1,75 Metern inklusive Außenspiegelkameras wuselt der Honda e spritzig durch enge Gassen und findet schnell eine Parklücke, in die man ihn problemlos einparkt. Der kleine Wendekreis von nur 8,6 Metern ermöglicht in vielen Fällen die Kehrtwende in einem Zug. Nachteil der kompakten Größe: Das Platzangebot für die Passagiere ist eher knapp, vor allem für Große Menschen.

Ansonsten fällt die Autogröße in Kombination mit der Leistung auch an der Ampel positiv auf. Denn beim Ampelstart flitzt der Honda e mit 113 kW (154 PS) Leistung und 315 Newtonmeter Drehmoment elektroautotypisch spontan los. Dank Hinterradantrieb zerrt die Kraft nicht an den Vorderrädern. Die Lenkung windet sich nicht, steuert direkt und gefühlvoll. Der tiefe Schwerpunkt tut ein Übriges: Der elektrische Honda macht im Test richtig Spaß auf der Landstraße.

Honda e mit wenig Platz
Kompakt bis knapp: Das Platzangebot ist eher knapp – insbesondere für große Passagiere. Credit: IMTEST

Der Honda e – ein Auto, zwei Meinungen

IMTEST-Experte zum Honda e
Credit: IMTEST

„Ich mag den Honda e. Die Design-Anleihen an den frühen Civic gefallen mir, er fährt spaßig, mit der geringen Reichweite könnte ich leben. Schade nur, dass man wegen der viel zu schwachen Ladeleistung ständig ewig an die Säule muss.“

Heiko Dilk, IMTEST-Experte

IMTEST-Expertin im Honda e
Credit: IMTEST

„Das Retro-Design des Honda e überzeugt mich nicht, und seine Reichweite ist einfach zu klein. Innen hingegen gefällt er mir, und das vielseitige Infotainment-System mit den großen Bildschirmen finde ich gelungen.“

Nina Eickhoff, IMTEST-Expertin

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Kleiner Akku, hoher Verbrauch

Weil Honda den Honda e als Zweitwagen für Spaß und Stadtverkehr platziert, passen allerdings nur 35,5 kWh Energie in den Akku. Die Reichweite liegt je nach Radgröße bei 210 bis 222 Kilometern laut Norm. IMTEST schafft es bei niedrigen Temperaturen jedoch kaum, den Verbrauch unter 20 kWh/100 km zu drücken. Bei fast voller Batterie zeigt der Bordcomputer eine Reichweite von 160 Kilometern an. Bis man die Heizung einschaltet. Honda verbaut keine energiesparende Wärmepumpe, geheizt wird mit Strom aus dem Akku. Das kann die Reichweite locker um 20 Prozent verkürzen.

Verlängernd wirkt in der Stadt das sogenannte „One-Pedal-Driving“, das sich per Taste aktivieren lässt. Jetzt kann man den Honda e ausschließlich mit dem Fahrpedal bewegen. Er verzögert, sobald man das Pedal freigibt, und speist Energie zurück in den Akku. Das funktioniert bei vorausschauender Fahrt bis zum Stillstand. Viel Extra-Reichweite bringt es jedoch nicht. Auf 80 Prozent gefüllt, ist der kleine Akku im Optimalfall innerhalb von 31 Minuten. Im Praxistest dauerte es allerdings im Schnitt 50 Minuten, bis dieser Ladestand wieder erreicht war.

Honda e Cockpit
Kommando-Brücke: Mit insgesamt fünf Displays erzeugt der Honda e ein futuristisches Ambiente. Credit: IMTEST
Virtueller Außenspiegels des Autos
Virtueller Außenspiegel: Der digitale Rückspiegel ist gewöhnungsbedürftig, dann aber praktisch. Credit: IMTEST

Honda e mit hilfreichen Assistenten

Kaum gespart hat Honda an der Sicherheitsausrüstung. Der elektrische Kleinwagen bremst im Notfall selbstständig und auch beim Rangieren. Wer an der Ampel schläft, wird sogar benachrichtigt, wenn der Vordermann anfährt. Der Honda e erkennt Verkehrsschilder und schaltet das Fernlicht automatisch ein und aus. Dazu hält das Auto die Spur, per intelligentem Tempomat den Abstand zum Vordermann und passt sich an erkannte Tempolimits an – serienmäßig. Eine App bietet Honda für das Auto natürlich auch an. Hier finden sich viele weitere Funktionen.

Allerdings gibt es das Ganze nicht umsonst: Mindestens 33.850 Euro kostet der Honda e in der Basisversion mit 100 kW (136 PS). Einen automatischen Pannenruf gibt es beispielsweise nur optional dazu. Der Testwagen von IMTEST mit Advance-Paket und 113 kW (154 PS) liegt bei über 38.000 Euro.

FAZIT

Der Honda e ist als Zweitwagen für die Stadt gebaut. Wenig Reichweite, überschaubare Platzverhältnisse, schickes Retro-Design und agiles Fahrverhalten positionieren ihn klar gegen den elektrischen Mini SE. Also als Lifestyle-Mobil mit begrenztem Einsatzbereich. In den für E-Autos wichtigen Disziplinen Reichweite und Ladeleistung schwächelt der Honda e dann aber.

  • PRO
    • Intuitive Assistenzsysteme, viel Fahrspaß und Fahrdynamik durch kompakte Größe und hoher Leistung
  • KONTRA
    • Reichweite gering und Verbrauch hoch

IMTEST Ergebnis:

gut 2,2