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Oberhitzegrills sind kein teures Vergnügen mehr

Grills für die perfekte Röstung von Steaks haben klangvolle Namen. Hinter Bezeichnungen wie Burner, Beefer oder Steaker stehen aber immer die gleichen Typen: Oberhitzegrills, die mit bis zu 800 Grad Celsius oder darüber die Fasern der Oberfläche in Sekundenschnelle zusammenziehen und schließen. Das ergibt optische wie geschmackliche Reize, weil der Saft blitzschnell im Fleisch gefangen wird und so das Stück zart und saftig bleibt. Solche Spezial-Brenner kosteten anfangs 700 Euro und mehr, sind aber inzwischen für weniger als die Hälfte zu haben. Was sie taugen, hat IMTEST geprüft.

Dem Test und dem direkten Vergleich mit der Konkurrenz stellen sich Oberhitzegrills für 150 Euro bis rund 300 Euro. Der günstige Roastmaster 2.0 kommt von Primaster, während der Bull Burner BBS 1800 von E-Steakhouse das teuerste Modell im Test ist. Mit seinen 299 Euro ist der Preis von letzterem Grill aber ebenfalls moderat. Weil die fünf Modelle preislich alle eher nah beieinander liegen, macht es den Test umso spannender und interessanter. Welcher Grill überzeugt?

Auf den Brenner kommt es an

Um ein gleichmäßiges Grillergebnis über die gesamte Rostfläche des Oberhitzegrills zu erhalten, ist ein großer Brenner erforderlich. Denn kleine Brenner führen zu einem Hitze-Spot. Primaster und Dangrill haben diese Anforderung bei ihren Modellen sehr gut umgesetzt, sodass die Hitzeverteilung gleichmäßig ist. Letzterer bietet sogar zwei Brenner, um die Rostfläche optimal mit Hitze zu versorgen. Bei den Grills von Heimwert, E-Steakhouse und Garwerk zeigt sich aber genau diese Schwäche: Es bildeten sich im Toastbrot-Test deutliche Hitzespots durch vergleichsweise kleine Brenner, die auch beim Grillen bemerkbar waren.

Rost-Abstand bei Grills wichtig

Doch nicht nur auf den Brenner sollte beim Kauf eines Oberhitzegrills geachtet werden. Denn auch das Rost macht einen Unterschied. Wichtig sind sowohl die Anzahl der Rost-Einschübe als auch der maximal mögliche Abstand des Rosts zur Heizquelle. Je mehr Abstand es nach unten gibt, desto eher klappt das Nachgaren oder Würstchengrillen. Mit elf Einschüben bietet der Primaster die meisten, während der Heimwert-Grill nur auf fünf kommt. Zudem sollten sich die Einschubleisten für die Reinigung aber komplett entfernen lassen. Gibt es im Garraum zu viele unerreichbare Winkel, sammeln sich dort Grillreste.

Im getesteten Heimwert-Grill sind die Winkel vernietet und bilden viel Platz für bleibenden Schmutz. Auch das Einschub-Rack von Dangrill lässt sich ohne Werkzeug nicht entfernen, hier ist noch mehr Raum für versteckte Ablagerungen. Primaster hingegen hat die beiden Einschubleisten so gestaltet, dass sie lediglich an jeweils vier kleinen Bolzen im Garraum eingehängt werden – so lässt sich die Fläche dahinter sehr gut reinigen. Apropos Fettspritzerei: Ohne eine Schutzfläche vor dem Garraum sieht es dort nach dem Grillen nicht gut aus. Bei Garwerk fehlt so etwas völlig. Feste Flächen wie bei Heimwert erfüllen zwar ihren Zweck, benötigen aber vergleichsweise viel Stellfläche. Besser sind Lösungen zum Einhängen wie bei Primaster, zum Herausziehen wie bei Dangrill oder die nach unten klappbare Tür des Steakhouse Burner.

Ausstattung der Oberhitzegrills im Detail

Ausstattungsdetails wie Griffmulden für den sicheren Transport, Gerätefüße zum Schutz der Tischoberfläche oder Rostgriffe mit integriertem Werkzeug sind bei Oberhitzegrills clever. Da die Grills durchaus zehn Kilogramm und mehr wiegen können, ist sicherer Halt beim Handling besonders wichtig: Garwerk und Primaster haben Griffmulden mit sehr gut abgerundeten Kanten in den Geräteboden integriert und auch der Steakhouse Burner lässt sich sicher untergreifen. Beim Dangrill fehlen solche Eingriffe, und wer bei dem Modell von Heimwert unterfasst, kann sich an dem scharfkantigen dünnen Blech vielleicht sogar verletzen. Letzterem fehlen zudem Gerätefüße. Doch auch der sonst so großzügig ausgestattete Primaster-Grill kommt ohne Füße. Das machen Dangrill, E-Steakhouse und Garwerk besser.

Oberhitzegrills: Einsatz im Test

Die Ausstattung ist das eine, das Grillen selbst das andere. Die Tester wollten darum im Praxistest der Oberhitzegrills herausfinden: Wie gleichmäßig strahlt der Brenner, welche Temperaturen im 800-Grad-Bereich erreicht er überhaupt, und wie gelingen das Steak, der Patty und die Grillwurst? Zur Prüfung der gleichmäßigen Hitzeverteilung wurde ein simpler Toastbrot-Test durchgeführt, bei dem der Rost mit Brotscheiben ausgelegt und etwa in die Mitte des Garraumes geschoben wird. Resultat: Vom Hitzespot bis zu guter Bräunungsverteilung gab es alles zu sehen.

Nackensteaks vom Schwein haben die volle Heizleistung in der ersten oder zweiten Schiene abbekommen. Hier sollte es eine möglichst schnelle Bräunung geben, viel länger als 90 Sekunden hat das bei keinem der Oberhitzegrills im Test gedauert. Gefrorene Patties mussten ebenfalls die volle Power ertragen, jedoch etwas tiefer im Grill, damit sie auftauen konnten. Knapp drei Minuten pro Seite hat das durchschnittlich gedauert. Neugierig waren die Tester auf den „Wurst-Versuch“: Gelingt den Grills auch ein Klassiker? Kurze Antwort: Ja, es gelingt. Allerdings muss man beim Oberhitze-Grillen mehr aufpassen und häufiger wenden als gewohnt.

FAZIT

Bei genauer Betrachtung der günstigen Oberhitzegrills zeigen sich große Unterschiede hinsichtlich der Ausstattung und Funktionalität, die spätestens beim ersten Grillversuch zu Enttäuschungen führen können. Der Testsieger Roastmaster 2.0 von Primaster zeigt jedoch auch, dass es nicht nur sehr gut, sondern gleichzeitig auch unschlagbar günstig geht.

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