Credit: IMTEST

Nach dem Gang zur Apotheke geht es manchem schlechter als zuvor – die hohen Medikamenten-Preise können ganz schön auf den Magen schlagen. Internet-Apotheken sind oftmals günstiger, 30 Prozent und mehr Ersparnis im Vergleich zur lokalen Apotheke sind drin. DocMorris machte vor knapp 20 Jahren den Anfang, inzwischen kauft fast jeder zweite Bundesbürger (46 Prozent) seine Medikamente gewöhnlich in einer Online-Apotheke. Im Zuge der Coronakrise sind es sicher noch mehr geworden. Trotzdem ist der Arzneimittelkauf per Klick nicht immer empfehlenswert.

So günstig sind Internetapotheken

Vor allem bei rezeptfreien Medikamenten ist das Sparpotenzial gewaltig. Denn Apotheken mit Ladengeschäft orientieren sich meist an der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers (UVP), beziehungsweise dem Apothekenverkaufspreis (AVP), also den Kurs, über den sie Arzneimittel mit der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen könnten. Online-Apotheken werben dagegen damit, die empfohlenen Herstellerpreise konsequent zu unterbieten. IMTEST untersuchte, wie viel günstiger Internet-Apotheken tatsächlich sind. Dazu stellte die Redaktion einen Warenkorb aus 25 beliebten Medikamenten und anderen Gesundheitsprodukten zusammen und verglich die Preise mit der von Laden-Apotheken. Das erstaunliche Ergebnis: Selbst die teuerste Online-Apotheke war durchschnittlich über 15 Prozent billiger. Bei bestimmten Produkten sind sogar Rabatte von 50 Prozent und mehr möglich. Zudem bieten einige Internetapotheken Neukunden spezielle Erstbestellungsrabatte und Gutscheine an, treue Kunden profitieren mitunter von Rabatten oder Gutschriften. Aber: Die Preise bei den Internet-Apotheken schwanken erheblich, und das sogar täglich. Es lohnt, zu vergleichen.

Rabatte bei rezeptpflichtigen Medikamenten?

Mit Verweis auf die deutsche Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente wurden den Internet-Apotheken lange Zeit Vergünstigungen im Zusammenhang mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln untersagt. Bis 2016. In diesem Jahr beendete der Europäische Gerichtshof einen jahrelangen Rechtsstreit um die Zulässigkeit des sogenannten Rezeptbonus. Damit war klar: EU-ausländische Versandapotheken dürfen deutschen Kunden einen Preisvorteil im Zusammenhang mit der Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente gewähren. Von den getesteten Internet-Apotheken sind das DocMorris und Shop-Apotheke. Der Bonus beträgt mindestens 2,50 Euro pro Packung eines rezeptpflichtigen Medikamentes, abhängig von Medikament und Versichertenstatus sind sogar höhere Boni möglich.

Wann lohnt die Bestellung? 

Ausschließlich im Internet Medikamente kaufen? Das macht keinen Sinn. Das können sich übrigens auch die meisten Deutschen nicht vorstellen. Fahren Sie also am besten zweigleisig. 

Besser in der Online-Apotheke bestellen… 

• …wenn Sie das Medikament gut kennen: Wenn Sie ein bestimmtes Mittel bereits seit einem längeren Zeitraum einnehmen und gut vertragen, spricht nichts gegen die Online-Bestellung. Ganz im Gegenteil lässt sich dadurch viel Geld sparen. 

• …wenn Sie Ihr Haushalts-/Urlaubsapotheke auffüllen wollen: Vor allem bei großen Bestellungen von Standardartikeln lohnt die Bestellung in der Internetapotheke. Denn in diesem Fall entfallen die Versandkosten.

Besser in der örtlichen Apotheke kaufen… 

• Bei akuten Beschwerden: Zeigen sich bereits Krankheitssymptome, müssen Patienten zu lange auf die Ankunft des Medikaments per Post warten. Zwar bieten einige Online-Apotheken einen Expressversand an, bei dem Medikamente abends oder am nächsten Tag eintreffen. Das ist aber meist teuer. 

• Wenn Sie ein Rezept haben: Oft ist es wichtig, dass Sie sofort mit der Therapie beginnen – nicht erst Tage später. 

• Wenn Sie nur ein einzelnes Medikament benötigen: Fast alle Internet-Apotheken liefern erst ab einem bestimmten Warenwert versandkostenfrei. Wer im Falle einer Erkältung etwa nur Nasenspray oder Hustenlöser benötigt, muss also einige Euro für die Lieferung bezahlen. In diesem Fall kann die lokale Apotheke sogar günstiger sein. 

Tipp: Um unnötige Wege zu vermeiden, gibt es die „deine Apotheke“-App (kostenlos für iPhone, iPad und Mobilgeräte mit Android. Damit lassen sich einfach Rezepte einlösen und Medikamente oder Gesundheitsprodukte direkt in der nächstgelegenen Apotheke zum Abholen vorbestellen. Einfach Rezept abfotografieren oder über die App den Barcode auf einer Medikamentenverpackung einscannen und dann zum Vorbestellen an die Apotheke senden. Sobald das Medikament abholbereit ist, sendet die App eine Nachricht.

Bestellung ganz einfach 

Die Bestellung von rezeptfreien Medikamenten gestaltet sich wie bei fast jedem anderen Online-Produkt. Produkte aussuchen, in den Warenkorb legen, Lieferadresse und Bezahlart angeben, die allgemeinen Geschäftsbedingungen lesen und die Bestellung abschicken – fertig. Die Arzneien bringt der Paketbote dann kurze Zeit später ins Haus – zurzeit dauert es allerdings zwischen vier und sechs Werktagen. Etwas komplizierter sieht’s bei rezeptpflichtigen Arzneien aus. Egal ob Kassen- oder Privatrezept, der Patient muss es vorab per Post zur Internet-Apotheke schicken. Um das zu tun, muss er sich zunächst registrieren, einen Bestellschein ausdrucken und den dem Rezept beilegen. Doch diese Hürde könnte bald überwunden sein: Mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die notwendigen Regelungen für die Verwendung des E-Rezepts schaffen. Das bedeutet: Der Informationsaustausch zwischen Arzt, Patient, Apotheke und Krankenkasse würde in elektronischer Form statt auf Papier erfolgen. Das würde die Bestellung von rezeptpflichtigen Arzneien erheblich vereinfachen und beschleunigen. Noch in diesem Jahr soll es losgehen.

Knackpunkt Beratung 

Viele Online-Apotheken bieten Beratungsgespräche über kostenlose Telefonnummern an, die das persönliche Gespräch in der Apotheke vor Ort ersetzen sollen. Die Qualität dieser Beratungen ist in erster Linie abhängig von der Kompetenz der Gesprächspartner, muss also nicht unbedingt schlechter als eine Vor-Ort-Beratung ausfallen. Trotzdem: Wer sich mit Medikamenten nicht auskennt, läuft bei Online-Apotheken Gefahr, falsche Mittel einzunehmen. Denn nicht jeder weiß zum Beispiel, dass sich etwa die Schmerzmittel ASS (Aspirin) und Ibuprofen nicht vertragen. Auf Wechselwirkungen bei gekauften Medikamenten wiesen im Test aber lediglich mycare und docmorris hin. Andere Apotheken bieten so eine Überprüfung lediglich auf Anfrage oder überhaupt nicht an. Ebenfalls bedenklich: Bei mycare.de ließen sich dutzendweise Schmerzmittel einkaufen. Dabei können Mittel wie Thomapyrin, Aspirin, Dolormin, Diclofenac, Naporxen oder Paracetamol bei dauerhaftem Gebrauch oder bei zu hoher Dosierung der Gesundheit schwer schaden. Zu den Nebenwirkungen zählen Herzprobleme, Nierenversagen, Magenblutungen und Lebervergiftungen.

Umtausch ausgeschlossen? 

Verschreibungspflichtige Mittel sind vom Umtausch ausgeschlossen. Für alle anderen Produkte gelten die Regeln des Fernabsatzgesetzes. Das bedeutet, dass Sie sie ohne Angaben von Gründen innerhalb von 14 Tagen zurücksenden dürfen und den Kaufpreis erstattet bekommen. Allerdings ist der Rückversand nicht bei allen Apotheken kostenlos. Diese Internetapotheken sind empfehlenswert IMTEST bewertete die Preise inklusive Versandkosten, den Service und den Internetauftritt. Dazu führte sie Testbestellungen durch. Sieger des Tests: Apotal. Hier stimmt fast alles: Die Preise sind niedrig und die Service-Leistungen sind gut. Allenfalls die unübersichtliche Internetseite könnte einmal einen neuen Anstrich vertragen. Ebenfalls empfehlenswert sind mycare.de, Shop-Aptheke. de und DocMorris.de.

FAZIT

Jeder, der Zeit, Wege und Kosten sparen möchte, profitiert von den günstigen Preisen der Internet-Apotheken. Das gilt allerdings in erster Linie für Menschen mit planbarem Medikamentenbedarf, zum Beispiel chronisch Kranken. Das Gleiche gilt für den, der seine Hausapotheke wieder auf Vordermann bringen will oder die Reiseapotheke für den Urlaub plant. Patienten, die nur eingeschränkt mobil sind und sich vor sozialen Kontakten schützen sollten, bleibt zudem der Weg in die lokale Apotheke erspart.

1. Platz

Mit einem durchschnittlichen UVP- Rabatt von 38 Prozent mit Abstand die günstigste Online-Apotheke im Test.
Web: www.apotal.de

  • PRO
    • Sehr niedrige Preise, ab 10 Euro Warenwert versandkostenfrei
  • KONTRA
    • Der Shop auf der Internetseite ist etwas unübersichtlich gestaltet

IMTEST Ergebnis: sehr gut

1,4

2. Platz

Mit 35 Prozent Preisersparnis ebenfalls sehr günstig. Gratisversand und Bonus-punktprogramm für registrierte Kunden
Web: www.mycare.de

  • PRO
    • Niedrige Preise, auf Wunsch sind auch Expresslieferungen möglich
  • KONTRA
    • En gros: Für Schmerzmittel gibt es kein Bestelllimit.

IMTEST Ergebnis: gut

1,5

3. Platz

Empfehlenswerte Online-Apotheke ohne nennenswerte Schwächen – aber auch keinen herausragenden Stärken.
Web: www.shop-apotheke.com

  • PRO
    • Die Apotheke punktet mit soliden Preisen und schneller Lieferung
  • KONTRA
    • Hohe Versandkosten (4,95 Euro) auch bei niedrigem Warenwert.

IMTEST Ergebnis: gut

2,1

4. Platz

Sehr aufgeräumte Internetseite mit guten Service-Funktionen für Kunden und sehr vielen Bezahlmöglichkeiten.
Web: www.docmorris.de

  • PRO
    • Persönliche Medikamenten-Beratung über Video Live-Chat.
  • KONTRA
    • Zum Teil auch vergleichsweise teurere Produkte im Sortiment

IMTEST Ergebnis: gut

2,2

5. Platz

Mit Abstand die teuerste Online-Apotheke im Test. Obendrein verhältnismäßig teure Versandkosten.
Web: www.apotheke.de

  • PRO
    • Sehr viele Zahlungsmöglichkeiten, etwa über PayPal oder Rechnung
  • KONTRA
    • Teuer, Zuschläge für Lieferung mit Hermes und DPD

IMTEST Ergebnis: befriedigend

3,1