Blaues Auto fährt auf Straße, schräg von hinten; umgeben von Bergen
Credit: Škoda

Der Enyaq iV ist Škodas erstes Elektroauto auf Basis von Volkswagens Elektroplattform, auf der auch ID.3 und ID.4 stehen. Das erklärt das „E“ im Namen. Ob das Elektro-SUV die bekannten Tugenden pflegt, die Škoda-Modelle üblicherweise ausmachen – viel Nutzwert und clevere Details –, klärt IMTEST im großen Test des Škoda Enyaq iV 80.

Produktdetails

  • 5-türig / E-SUV
  • Heck / 160 km/h
  • 150 kW (204 PS)
  • ab 43.950 Euro

Škoda Enyaq ist kräftig und ausdauernd

Der Škoda Enyaq iV 80 leistet 150 kW (204 PS), und die Batterie im Unterboden nimmt 77 kWh nutzbare Energiemenge auf. Das reicht in allen Lebenslagen locker aus: Das SUV tritt flott an und lässt bis kurz vor Höchstgeschwindigkeit (160 km/h) noch genug Vortrieb spüren. Vor allem im Sportmodus reagiert der Enyaq sehr spontan. Im Schnitt zieht der Enyaq im Test alle 100 Kilometer rund 18,5 kWh aus dem Akku. Das heißt, er kommt auf eine praxisnahe Reichweite von fast 420 Kilometern. Im Stadtverkehr sind gut 470 Kilometer möglich – nicht übel für ein bis zu 2,3 Tonnen schweres SUV.

Auf der Autobahn zu Hause

Trotz des hohen Gewichts lässt sich der Škoda Enyaq sportlich bewegen, und auf der Autobahn liegt er satt und stabil. Er läuft stoisch geradeaus und schluckt Wellen und Querrinnen souverän. Das Geräuschniveau fällt jedoch etwas höher aus als bei den eng verwandten Modellen VW ID.4 und Audi Q4 E-tron. Hier musste Škoda offenbar etwas sparen. Absolut betrachtet fährt er aber noch ruhig.

In der Stadt kommt hingegen nicht so richtig viel Freude auf. Škoda legt viel Gewicht in die Lenkung, die Übersicht nach schräg hinten fällt mau aus. Zudem federt der Enyaq bei niedrigen Geschwindigkeiten recht knochig und spricht auch wegen der großen 21-Zoll-Räder unsensibel auf Kanten und Schlaglöcher an. Insgesamt bewegt er sich gefühlt mühsam durch die Stadt.

Blick von der Seitentür auf die Rückbank eines blauen Autos
Typisch Škoda: Das Platzangebot für Mitreisende ist so üppig wie für Fahrer und Beifahrer auch. Credit: IMTEST

Großer Kofferraum im Škoda Enyaq

Besser als die Modelle aus Wolfsburg und Ingolstadt schlägt sich der Škoda Enyaq beim Platzangebot – eine klassische Škoda-Tugend. 585 bis 1.710 Liter lädt er in den Kofferraum, dazu gibt es vier optimal platzierte, ausklappbare Gepäck haken für Taschen. Beim Umklappen der Rückbank bildet sich eine kleine Stufe im Kofferraum, doch Škoda hat vorgesorgt: Der doppelte Boden lässt sich verschieben und gleicht sie dann aus.

Kofferraum von blauem Auto aufgeklappt
Bis zu 1.710 Liter fasst der geräumige Kofferraum – und praktische Gepäckhaken sorgen für Ordnung. Credit: IMTEST

Passagiere auf der Rückbank finden üppige Verhältnisse vor. Die Knie stoßen selbst bei größeren Insassen nicht an die Vordersitze, überm Scheitel wird es nur für große Sitzriesen knapp. Die Rückbank lässt sich leider nicht verschieben, die Füße stehen einen Tisch zu hoch, weil der Akku im Boden Platz frisst. Zwei Isofix-Befestigungen für hinten sind serienmäßig an Bord, eine dritte für den Beifahrersitz.

Škoda Enyaq iV 80 – ein Auto, zwei Meinungen

Mann mit Brille sitzt am Steuer und lächelt nach hinten gewandt in die Kamera
Credit: IMTEST

„Ich werde sie nie verstehen: SUVs. Auch der Enyaq könnte ein besseres Auto sein, wenn er weniger hoch bauen würde. So verschenkt er nicht nur Reichweite, er fährt wegen des hohen Gewichts auch etwas mühsam, vor allem im Stadtverkehr. Ich warte auf den ID.3 von Škoda.“

Heiko Dilk, IMTEST-Experte

Mann mit Brille sitzt am Steuer und schaut nach hinten gewandt in die Kamera
Credit: IMTEST

„Das Platzangebot im Enyaq ist wirklich großartig. Außerdem bleibt Škoda sich bei den cleveren Details treu, die den Alltag erleichtern. Dass es ausgerechnet Navigationssystem und Infotainment an Cleverness fehlt, stört allerdings. Ich hoffe, hier bessert Škoda bald nach.“

Dennis Merla, IMTEST-Experte

Multitalent Touch-Bildschirm

Genug Raum und Bewegungsfreiheit in schönem Ambiente genießen Fahrer und Beifahrer. Die Verarbeitung gelingt im Testwagen jedoch nur mittelmäßig. Die Zierleiste knarzt beim Drucktest, auf schlechten Strecken klapperte es zuweilen in den Türverkleidungen des Škoda Enyaq.

Der 13 Zoll große Bildschirm des Infotainments wird per Touch bedient, was so weit ordentlich funktioniert. Für Klimaanlage und Lautstärke sind zwar echte Knöpfe oft praktischer, doch immerhin bleiben die wichtigsten Funktionen des Klimamenüs auf dem Display stets sichtbar. Die Lautstärke muss über eine berührungsempfindliche Leiste geregelt werden. Immerhin: nur die Lautstärke. Per Sprache lässt sich das E-Auto auch bedienen. Das funktioniert mit der vorhandenen Sprachsteuerung sogar gut.

Blick von Rückbank ins Cockpit eines Autos
Großer Bildschirm: Fast alle Funktionen – von Klima bis Lautstärke – werden per Touch gesteuert. Credit: IMTEST

Škoda Enyaq zeigt schwankende Ladeleistungen

Wer eine passende Schnellladesäule gefunden hat, muss im Enyaq mit maximal 125 kW Ladeleistung zurechtkommen. Das ist kein Spitzenwert, aber schnell genug für eine Ladung von 10 auf 80 Prozent in etwa 35 Minuten. Das volle Ladetempo steht dabei bis etwa 35 Prozent Ladestand zur Verfügung, darüber sinkt die Leistung kontinuierlich. Beim Laden an immer noch weit verbreiteten 50-kW-Ladesäulen spielt das kaum eine Rolle: Da dauert es knapp 80 Minuten. Zudem: Die 125 kW gibt es nur gegen Aufpreis, serienmäßig lädt der Škoda Enyaq iV 80 höchstens mit 100 kW.

FAZIT

Der Enyaq pflegt die klassischen Škoda-Tugenden: Er bietet mehr Platz als der ID.4 und viele praktische Details zu halbwegs vernünftigen Preisen. Ab 33.800 Euro kostet der Enyaq iV 50, der Preis des Škoda Enyaq iV 80 im Test liegt bei 43.950 Euro. Was fehlt, ist etwas mehr Komfort und Ladeleistung. Zudem stünden ihm ein flotteres, besser zu bedienendes Infotainmentsystem und ein klügeres Navi gut.

  • PRO
    • Viel Platz sowohl für Fahrer und Beifahrer als auch auf der Rückbank, gute Reichweite
  • KONTRA
    • Infotainmentsystem ist kompliziert, Verarbeitung im Innenraum nur mittelmäßig

IMTEST Ergebnis:

gut 2,0