Hand hält Smartphone an smartes Türschloss an grauer Holztür
Credit: Getty Images

Der Bereich der Sicherheit ist womöglich der, in dem einen die smarten Möglichkeiten am wenigsten überraschen. Zum einen sind funkbasierte Alarmanlagen an sich keine wirkliche Neuheit und zum andern waren Alarmanlagen schon immer so ausgelegt, dass sie über Schaltausgänge alles Mögliche in Gang setzen konnten: von der Außensirene über die automatische Telefonwahl bis hin zum Einschalten der kompletten Hofbeleuchtung. Lösungen für smarte Sicherheit machen aber nicht nur die Installation denkbar einfach, sondern erlauben ein noch breiteres Spektrum an Aktionen.

Smarte Sicherheit durch Alarm

So ist es je nach System zum Beispiel kein Problem, die Scharfschaltung der Alarmanlage an das Verriegeln des smarten Türschlosses zu koppeln. Zudem lassen sich Sensoren wie Bewegungsmelder oder Fensterkontakte mehrgleisig nutzen: Für die Licht- oder Klimasteuerung ebenso wie als Alarmsensoren. Und letztlich lassen sich die Sicherheitsfeatures auch wieder in Automatismen integrieren.

Weißer Stecker mit weißem Lichtstecker vor roter Wand
Kombinationslösung: Diese Schaltzentrale ist gleichzeitig auch ein Nachtlicht. Credit: IMTEST

Ein Beispiel für smarte Sicherheit: Die Routine „Arbeitstag“ wird beim Verriegeln des Türschlosses aktiviert. Sie senkt die Heizungen ab, schaltet in allen Räumen das Licht aus und aktiviert gleichzeitig die Überwachungskameras. Die wiederum könnten, wenn sie einen Fremden im Garten registrieren, die rückwärtigen Rollläden schließen, um den Zugang zum Haus zu erschweren.

Das Schöne: Die Auswahl geeigneter Kameras ist nicht nur groß. Verglichen damit, was früher Videoüberwachung kostete, sind die Geräte heute mit Preisen ab etwa 50 Euro die reinsten Schnäppchen. Und dank WLAN ziemlich einfach zu installieren.

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Mehr als nur Alarm

Smarte Sicherheit geht aber über den Bereich Alarm deutlich hinaus. Ein Klassiker ist die Markisensteuerung, die bei zu viel Wind oder einer Unwetterwarnung die Markise einfährt. Auch gibt es mittlerweile eine Vielzahl von smarten Wassersensoren für alle gängigen Systeme. Die lassen sich an neuralgischen Punkten (Badezimmer, Kellerboden) platzieren und können zum Beispiel im Keller dann automatisch eine Steckdose schalten, an der eine Pumpe hängt. Von Grohe gibt es ein smartes System, das sogar Rohrbrüche erkennt und sofort die komplette Hauptwasserleitung schließt. In Verbindung mit einer smarten Spülmaschine könnte solch ein Sensor dafür sorgen, dass man zumindest durch manuellen Zugriff per App den Spülvorgang unterbrechen kann.

Smartphone zur Hälfte mit Alarm-Benachrichtigung auf weißem Hintergrund
Per App-Benachrichtigung erfährt man von einem potenziellen Einbruch. Credit: IMTEST

Auch für alle Systeme erhältlich sind smarte Rauch- und/oder CO2-Melder. Die sorgen erstens dafür, dass nicht nur die Nachbarn beziehungsweise Mitbewohner gewarnt werden, sondern informieren einen auch auf der Arbeit über den Alarm. So kann man schnell und gezielt die Feuerwehr informieren oder auch überprüfen, ob an einer smarten Steckdose noch ein starker Verbraucher wie ein Bügeleisen aktiv ist. Das lässt sich so schnell abschalten.



Gefühlte Sicherheit

Zur gefühlten Sicherheit gehört zum Beispiel, während des Urlaubs Fische oder Blumen gut versorgt zu wissen. Auch dafür gibt es Lösungen im Bereich smarte Sicherheit. Gerade bei einem Bewässerungssystem, wie etwa Gardena es anbietet, zeigen sich die Stärken eines smarten Gerätes gegenüber einer reinen Zeitschaltung. Bodenfeuchtemessung, Wetterbericht oder auch Sonnenauf- beziehungsweise -untergang fließen in den Bewässerungsplan mit ein. Ebenso die Art der Bepflanzung. Das garantiert, dass nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig gegossen wird.

Gerätekommunikation ist sicher

Generell bleibt am Ende noch die Frage, ob man sich mit smarten Geräten und ironischerweise sogar mit smarten Sicherheitslösungen nicht vielleicht sogar neue Sicherheitsprobleme schafft. Denn aufgrund der Komplexität aller Lösungen für smarte Sicherheit gibt es relativ viele Punkte, auf die man hier sein Augenmerk richten muss. Die Kommunikation der Geräte untereinander steht da gar nicht unbedingt an erster Stelle. Hier nutzen die meisten Standards recht sichere Verfahren. Zudem werden ja kaum relevante und kritische Daten übertragen, wenn ein Gateway etwa zum Lichtschalter funkt. Tatsächlich gibt es im besten Fall für diesen Sicherheitsaspekt sogar eine VDE-Zertifizierung.

Handy mit App zur Steuerung von Alarmanlage und Türschloss
Mehr Sicherheit durch Automatismen: etwa, wenn das smarte Schloss die Alarmanlage scharf schaltet.
Handy zeigt App zum Einstellen des Bereichs den eine Videokamera überwachen soll auf weißem Hintergrund
Bei smarten Kameras kann man idealerweise Zonen definieren, die sie überwachen.

Risiko Cyberkriminalität

Das größere Problem liegt hier eher in der erweiterten Smarthome-Welt: Viele Anbieter bieten neben lokal nutzbaren Apps auch ein Web-Portal oder die schon erwähnte Cloud, worüber die Geräte via Internet angesprochen werden. Wer hier unsichere Zugangsdaten wie die Kombination aus Nachnamen und „12345“ verwendet, macht es Hackern leicht. Gleiches gilt für das eigene WLAN. Hier empfehlen Sicherheitssoftware-Hersteller wie Bitdefender oder Kaspersky, für das Smart Home ein Gast-WLAN einzurichten, damit Hacker nicht gleich Zugriff auf das komplette Netzwerk erhalten.

„WO BEI SMARTEN GERÄTEN SICHERHEITSLÜCKEN LAUERN, BLEIBT FÜR NUTZER OFT VERBORGEN.“

Maik MorgensternCTO AV-Test


Datenschutz in der Cloud

Den Cloud-Diensten selbst muss man hingegen bis zu einem gewissen Grad blind vertrauen. Hier ist es sicher sinnvoll, auf Komponenten von renommierten Herstellern zu setzen, weil die in der Regel auch im Fokus der Datenschützer stehen. Anbieter wie Amazon, Google oder Apple können zumindest theoretisch aus der Benutzung ihrer Sprachassistenten extrem viele Informationen sammeln: beginnend mit der An- und Abwesenheit über Schlafenszeiten, aktuellen Statusinformationen zur Raumtemperatur oder dem Alarmanlagenstatus.

Man darf aber davon ausgehen, dass das eher nicht passiert, weil ein gewisses Maß an Vertrauen für dieses Geschäftsmodell eben unerlässlich ist. Grundsätzlich muss, wer heute auf einfach einzurichtende Smarthome-Geräte für die smarte Sicherheit und andere Bereiche setzt, damit leben, dass die Datenkommunikation zumindest teilweise über Dritte läuft. Denn anders als früher ist gerade bei vielen schnellen Internetzugängen der direkte Zugriff etwa vom Arbeitsplatz aus auf das eigene Netzwerk zu Hause und die darin befindlichen Geräte nur noch mit viel Fachwissen möglich.

Weißes Keypad für Alarmanlage auf weißer Wand
Den Klassiker gibt es auch bei smarten Alarmanlagen noch: das Keypad zum Ein- und Ausschalten. Credit: IMTEST

Smarte Sicherheit per Funk ist unbedenklich

Keine großen Sorgen muss man sich übrigens wegen eventueller negativer Einflüsse durch die Funkverbindungen im Smart Home selbst machen. Zumindest nicht, wenn man nicht extrem elektrosensibel ist. Denn die Komponenten für smarte Sicherheit und Co. funken alle mit so wenig Energie wie möglich. Das passiert alleine schon deshalb, um die Batterielebensdauer von Sensoren und Aktoren zu schonen. Zudem erfolgt das Senden vor allem im sogenannten SDR-Band (Funkfrequenzen für geringe Reichweiten).

Nur wenige Geräte nutzen, wie schon erwähnt, das schon vorhandene WLAN, was aber auch eher unkritisch ist. Zudem findet oft kein ständiger Datenaustausch statt. Vielmehr melden sich die Geräte sozusagen innerhalb bestimmter Zyklen. Denn viele Vorgänge im smarten Zuhause sind überhaupt nicht zeitkritisch: Ob die Heizung zum Beispiel sofort oder mit etwas Verzögerung ihre Temperatur verändert, ist nicht entscheidend – smart ist es trotzdem.