So testet IMTEST Smartphones: Mit hohem Aufwand und reproduzierbaren Verfahren möchte IMTEST den Lesern aussagekräftige Tests bieten.

Zahlen alleine, wie etwa die Akku-Kapazität oder die Kamera-Pixel, sagen wenig über die Qualität eines Smartphones aus. Ein cleveres Betriebssystem weiß auch mit einem kleinen Akku lange auszukommen. Die künstliche Intelligenz der Fotobearbeitung kann auch aus einer moderaten Auflösung ein scharfes Bild generieren. Wie schlagen sich die Smartphones jenseits der Herstellerversprechen von Apple, Samsung und Co? So testet IMTEST Smartphones.

Das muss ein guter Bildschirm bieten

Eine hohe Auflösung ist gut. Zwei Bildschirme mit unterschiedlicher Größe und selber Auflösung zeigen allerdings eine unterschiedliche Schärfe. Darum bewertet IMTEST das Verhältnis, also die Pixel pro Zoll. Neuere Displays bieten ein flüssigeres Bild mit 90 oder 120 Hertz, statt der klassischen 60 Hertz. Die maximale Helligkeit des Bildschirms ermittelt das professionelle Messgerät der Firma Gossen in der Bildmitte. Dabei werden die Sensoren des Smartphones mit hellem Licht beschienen. Viele Bildschirme drehen nämlich erst bei direkter und hoher Sonneneinstrahlung die Bildschirmhelligkeit auf das Maximum hoch.

Die maximale Helligkeit bestimmt das Messgerät von Gossen in der Bildmitte. Täuscht man dem Smartphone mit einer Lampe Sonnenlicht vor, dreht es die automatische Helligkeitsregulierung auf das Maximum.

So testet IMTEST Smartphones: Kontrast und Farbtreue des Displays

Wie tief das Schwarz und wie hoch das Kontrastverhältnis ist, misst der Colorimeter. Die Daten wertet eine spezielle Software aus. Ein farbenfrohes Bild mag zunächst erfreulich scheinen. Wenn Hautfarben aber rosarot oder eine Wiese im knalligen Giftgrün erscheint, ist für viele Schluss mit der Farbfreude. Darum ermitteln die Prüfer die Farbtreue, also die Genauigkeit bei der Farbwiedergabe. Das erfolgt sowohl für den weit verbreiteten sRGB-Farbraum, als auch den Farbraum DCI P3 mit besonders intensiven, leuchtenden Farben. 

Bei der Auswertung der Messungen zur Bildschirm-Güte berücksichtigen die Experten auf das Kontrastverhältnis, die Farbtreue sowie die Genauigkeit bei der Darstellung von Graustufen.

Leistung: Prozessor, WLAN, LTE und 5G im Test

Wie schnell der Prozessor-Chip arbeitet, zeigen verschiedene Benchmarks: Geekbench gibt Aufschluss über die maximale Prozessorleistung. Der Spielebenchmark 3D-Mark lässt Smartphones mit hoher Spielleistung punkten. Der Test von LTE- und 5G-Geschwindigkeiten erfolgt unter praxisnahe Bedingungen. Hierfür wählt sich das Smartphone an einem besonders leistungsstarken Sendemast des Netzanbieters Vodafone im Standort Hamburg ein. Zwar verfügen neuere Smartphones über den neuen WLAN-Standard WiFi 6. Der verspricht hohe Geschwindigkeiten. Zum einen verfügen aber nur wenige Haushalte oder Arbeitsplätze über passende Router. Zum anderen sind die Geschwindigkeitsvorteile nur bei sehr kurzer Entfernung gegeben. Darum ermittelt IMTEST die maximale Datenübertragungsrate im weit verbreiteten WiFi 4 und WiFi 5.

Mit einem speziellen Programm tauschen das Smartphone und ein PC über einen leistungsstarken Router Daten aus, im WLAN mit 2,4-GHz- als auch 5-GHz-Frequenz.

Akkulaufzeit und Ladedauer: So wird getestet

Ein schneller Prozessor, hohe Datenübertragungen und ein hochauflösender, heller Bildschirm sind zwar erfreulich. Allerdings können sich diese Eigenschaften negativ auf die Laufzeit auswirken. Und die schwankt stark je nach Benutzung des Geräts. Um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen, testet IMTEST alle Smartphones unter identischen Bedingungen. Der Bildschirm ist auf eine moderate Helligkeit von 300 Candela pro Quadratmeter eingestellt. Über einen lokalen Server streamt das Smartphone per WLAN ein Full-HD-Video in der Endlosschleife – bis der Akku versagt. Mit einem Strommessgerät ist ersichtlich, wann das Smartphone vollständig aufgeladen ist.

Bei einer Bildschirm-Helligkeit von 300 cd/qm streamen die Handys ein Full-HD-Video in der Endlosschleife – bis der Akku versagt.
Wann ist der Akku wirklich voll? Das Testlabor verlässt sich nicht auf die Anzeige des Betriebssystems, sondern ermittelt den genauen Zeitpunkt mit einem Messgerät.

Kamera-Test: Bei Tag, bei Nacht und mit Zoom

Wie gut die Fotos der Kameras gelingen, hängt davon ab, unter welchen Bedingungen sie entstehen. So testet IMTEST die Smartphone-Kameras: Der Prüfstand simuliert mit speziellen, für die Fotografie vorgesehenen LED-Panels Tageslicht bei einer Farbtemperatur von 6500 Kelvin und einer Helligkeit von 1.000 LUX. Dann dimmen die Tester das Licht stark herunter, um ein schummeriges Abendlicht nachzustellen. Das gelb-warme Umgebungslicht ist vergleichbar mit einer Ausleuchtung von sechs Kerzen (6 Lux). Hier zeigt sich, was die Smartphone-Kameras wirklich können. Ein geringes Umgebungslicht stellt für die kompakten Sensoren nämlich eine besonders große Herausforderung dar. Bei der Vergrößerung von Fotos (Zoom) arbeiten Smartphones mit unterschiedlichen Lösungen, vom optischen Tele-Zoom bis zum digitalen Zoom bei hoher Megapixel-Zahl. Um alle Smartphones unter denselben Voraussetzungen zu testen, lichten die Geräte im Testlabor einen Bildausschnitt bei vierfachem Zoom ab.

Der Testaufbau für Kameras beinhaltet unterschiedliche Herausforderungen wie ein breites Spektrum an Farben, feine Details und normierte Grafiken.

Smartphones im Test: Auswertung der Fotos und Videos

Alle Aufnahmen werden mit den Standard-Einstellungen des Smartphones durchgeführt. Das gilt auch für Videoaufnahmen. Hierbei filmen die Tester ein bewegtes Objekt. Ein festgelegter Bewegungsablauf der Prüfer stellt zudem die Bildstabilisierung auf die Probe. Die Experten werten dann alle Fotos und Videos im Sichttest auf einem Monitor mit sehr hoher Farbgenauigkeit aus, dem EIZO ColorEdge CS2731. Der gewährleistet eine originalgetreue Darstellung der Fotos. Folgende Qualitäten werden bei der Bewertung berücksichtigt.

  • Kontrast: Wie gut ist die Abstufung von Grautönen, wie gut sind Weiß und Schwarz abgestimmt?
  • Bildschärfe: Wie gut ist der allgemeine Schärfe-Eindruck des Fotos?
  • Farbwiedergabe: Wie genau werden Farben wie Hauttöne, besonders leuchtende Farben und auch Farbverläufe dargestellt?
  • Bildrauschen: Wie stark ist in dunklen Bildbereichen und bei wenig Umgebungslicht Bildrauschen sichtbar?
  • Bildstabilisierung: Wie frei oder betroffen ist das aufgenommene Material von Verwackelungen (nur bei Video)?

Ausstattung: Das bieten Smartphones sonst noch

Neben den genannten Eigenschaften bewerten die Prüfer auch die Bedienung des Smartphones, das App-Angebot, die Speichergröße und Erweiterung per microSD-Karte. Ist das Gerät geschützt gegen Staub und Wasser, gibt es ebenfalls Pluspunkte. Auch der Klang der Lautsprecher ist wichtig und – eine besonderes Anliegen der Redaktion – wie umweltfreundlich die Umverpackung ist. Zu guter Letzt fließt die Garantiedauer mit in die Note ein.

Technische Prüfbereiche bei OBL

Die Obering, Berg & Lukowiak GmbH (kurz: OBL) aus dem ostwestfälischen Hüllhorst bietet Dienstleistungen in vielen technischen Prüfbereichen nach modernsten Messverfahren. Das zertifizierte Prüflabor ist nach ISO 17025 akkreditiert und unterliegt der Überprüfung durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS).

Im Testlabor werden Smartphones getestet
Sende- und Empfangsleistung: In der Absorberkabine wird das Smartphone an einem Kunstkopf montiert, damit sich die Sende- und Empfangsqualität des Handys in verschiedenen vorher definierten Gradzahlen an der Dreheinheit und dem Kopf messen lässt. Credit: IMTEST