Junges Paar in Strandmuschel
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Der wunderschöne „Tag am Meer“ kann schnell lang und anstrengend werden, wenn stundenlang die Sonne brennt und außer Sonnencreme kein Schutz vor Wind und Wetter in Sicht ist. Strandmuscheln sind in diesem Fall für viele das Mittel der Wahl. Die kleinen Schutzräume sind im Idealfall nichts weiter als abgespeckte Zelte ohne Türen, Reißverschlüsse und kompliziertem Gestänge. In Sekundenschnelle sollten sie sich auf- und abbauen lassen und beim Transport keinen Platz beanspruchen. IMTEST hat fünf Modelle auf genau diese Eigenschaften abgeklopft.

Strandmuscheln mit Sonnenschutzfaktor

Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Strandmuschel sollte sich zunächst an den Schutzleistungen der kleinen Mini-Zelte orientieren. Als wichtigster Wert gilt dabei der Schutz vor zu viel Sonne. Dass die kleinen Zelte Schatten spenden, versteht sich von selbst. Dass es darin aber deswegen kühler ist als außerhalb, glaubt kein Mensch – und konnte bei Testmessungen auch nicht im Ansatz festgestellt werden.

Wie gut Strandmuscheln aber vor Sonneneinstrahlung schützen, verrät, ähnlich wie bei Sonnencreme, der inzwischen fast immer angegebene Lichtschutzfaktor (abgekürzt: LSF oder SPF). Die Kandidaten im Testfeld bieten ein Schutz-Spektrum von LSF 40 bis über 80. Als Faustregel gilt: Geübte Sonnenanbeter sind mit Lichtschutzfaktor 40 gut versorgt. Kleine Kinder und empfindliche Personen sollten hingegen darauf achten, dass der Schutzfaktor auf jeden Fall über 50 liegt.

Schutz vor Wind und Wetter

Schutz vor Nässe – meistens angegeben in Millimeter Wassersäule – ist in der Regel nicht so wichtig, denn bei Regen fährt sowieso niemand zum Strand, und wenn ein Wolkenbruch droht, packen die meisten eh zusammen. Wie gut Strandmuscheln vor Wind und (Flug-)Sand schützen, hängt vor allem von den Windbedingungen selbst ab. Denn Strandmuscheln sind nicht komplett verschließbar.

Da aber die generelle Zelt-Aufbauregel – „immer mit dem Eingang in den Wind stellen“ – auch für Strandmuscheln gilt, ist etwa der Schutz vor Flugsand bei allen eher gering. Hier gilt es je nach Windverhältnissen abzuwägen, die Regel zu missachten und den Eingang zur windabgewandten Seite auszurichten.

Weitere Ausstattung bei Strandmuscheln

Über die Schutzfunktionen hinaus, variieren die Ausstattungsmerkmale der Strandmuscheln. Diese können den Gebrauch aber um einiges komfortabler machen. So sorgen vergitterte Lüftungsschlitze für eine bessere Luftzirkulation. Das Wurfzelt von Quechua und die Strandmuschel von Campz bieten dies aber nicht. Außerdem fehlen der Quechua Innentaschen. Sonnenbrille, Schlüssel oder andere kleine Dinge lassen sich hier also nicht verstauen.

Lüftungsschlitze an der Strandmuschel von Explorer
Für Luftzirkulation im Innern sorgen im Idealfall verschließbare und fein vergitterte Lüftungsöffnungen (hier: Explorer). Credit: IMTEST

Die Kunst des Auf- und Abbaus

Abgesehen davon, die ideale Ausrichtung der Strandmuschel abzuschätzen, kann allein schon der Aufbau selbst zur Herausforderung werden. Im Testfeld sind drei verschiedene Aufbau-Typen zu finden. Die Modelle von Uquip (Globetrotter) und Explorer funktionieren ähnlich wie ein Regen- oder Sonnenschirm: Alle Stangen sind von vornherein komplett montiert und an entsprechenden Stellen mit Gelenken versehen. Über zwei Seile am zentralen, oberen Gelenk, an dem alle Stangen zusammentreffen, entfaltet sich die Strandmuschel durch gleichmäßigen Zug wie ein Schirm. Das ist einfach, bequem, geht schnell und zuverlässig – die simpelste Methode.

Strandmuschel mit Aufbau-Konstruktion wie bei einem Regenschirm
Über zwei Zugseile richten sich die Strandmuscheln von Uquip und Explorer wie ein Sonnenschirm auf – einfach und praktisch. Credit: IMTEST

Klassischer Zeltaufbau

Die Muschel von Campz hingegen folgt dem klassischen alten Zeltaufbau-Prinzip: Zunächst müssen die Einzelmodule der zwei Haltestangen zusammengesteckt werden. Danach müssen sie durch die farblich passend markierten Führungsschlaufen geführt und anschließend in den Basis-Plattformen an den Ecken der Strandmuschel verankert werden. So richtet sich das Zelt auf.

Als wäre das nicht schon genug Fummelei, ist zudem die Reihenfolge und Ausrichtung in der Anleitung nicht völlig eindeutig. Das kann dazu führen, dass mehrere Versuche notwendig sind, bis die Strandmuschel steht. Der Abbau ist etwas einfacher, aber längst nicht immer einfach, wenn sich etwa die Stangenmodule beim Herausziehen in den Schlaufen verheddern. Dies ist die komplizierteste Methode bei den Strandmuscheln.

Zeltstange und Heringe von Strandmuschel Campz
Das Modell Beachmule von Campz funktioniert nach dem alten Zelt-Prinzip mit Steckstangen und Spannseilen. Das ist aufwendig und teils nervig. Credit: IMTEST

Strandmuscheln als Wurfzelt

Die dritte Variante – das sogenannte Pop-Up-Prinzip – ist zumindest beim Aufbau am einfachsten. Die Quechua-Strandmuschel von Decathlon ist praktisch aufgebaut, sobald sie aus der Tasche kommt. Möglich macht das ein unter Spannung stehendes, fest installiertes Gestänge, dass sich von allein entfaltet. Nachteil: Es ist kaum möglich, vorher zu schauen, wie die Falt- und Drehtechnik funktioniert. Die Anleitung dazu ist ebenfalls schwierig zu verstehen.

Folge: Wer das Prinzip der Pop-Up-Strandmuscheln nicht schon lange kennt, wird beim Abbau garantiert zum unterhaltsamen Hingucker am Strand, denn es ist für Einsteiger kaum möglich, die Falttechnik auf Anhieb zu verstehen und umzusetzen. Diese Methode ist für Anfänger also nervtötend beim Abbau, für alte Hasen jedoch ein Kinderspiel.

Zusammengepackte Strandmuschel
Nicht unwichtig: Die Strandmuschel sollte zusammengepackt leicht und klein sein – das können alle Testkandidaten bieten. Credit: IMTEST

Standfest mit Seilen

Die Stabilität der Strandmuscheln ist auch davon abhängig, wie gut sie mit Spannseilen und Bodenankern befestigt werden können. Das bedeutet auch: Höhere Stabilität geht immer mit einem etwas höheren Aufbauaufwand einher. Im Test bekommt darum auch das Modell von Campz eine vergleichsweise gute Stabilitäts-Bewertung bei gleichzeitig merklichen Abstrichen in Sachen Aufbau-Aufwand. Die Beachmule-Strandmuschel soll nämlich ziemlich aufwendig mit insgesamt vier Spannseilen zusätzlich zu den Bodenankern befestigt werden.

Das wirkt im Vergleich zu den anderen Kandidaten unverhältnismäßig, vor allem vor dem Hintergrund, dass eine Strandmuschel in der Regel nicht tagelang aufgebaut bleibt, sondern abends wieder zusammengefaltet wird. Einen schönen Kompromiss bietet das Buzzy von Uquip, das zwar zwei Spannseile vorinstalliert „anbietet“, aber auch ohne die zusätzliche Sicherung schon sehr stabil steht.

Die Strandmuschel Buzzy aufgebaut
Standsicher, groß, hochwertig und mit hohem Lichtschutzfaktor: Testsieger Buzzy von Uquip. Credit: IMTEST

Strandmuscheln mit Heringen verankern

Ebenfalls entscheidend für die Standfestigkeit der Strandmuscheln ist die Beschaffenheit der Heringe, also der Erdnägel, die in den Boden getrieben werden. Campz und Quechua liefern die klassischen, dünnen Metallnägel. Diese sind aber für weichen Sand weniger gut geeignet. Besser sind die breiteren Kunststoff-Anker der anderen Modelle. Im Sand halten sie viel besser.

Hering aus Plastik
Dickes Plastik ist für Erdnägel bei Strandmuscheln sehr praktisch, weil diese dicken Heringe im Sand viel besser halten als dünne Metallstäbchen. Credit: IMTEST

FAZIT

Die beste Mischung aus Platz, Sonnenschutz und Installationsaufwand bietet im Testfeld der Strandmuschlen die Buzzy von Uquip. Die beiden Modelle von Explorer sind zwar ähnlich gut, bieten aber eine nicht ganz so stabile und leichtgängige Stangen- und Halterungsmechanik. Das Pop-Up- oder Wurfzelt von Quechua ist schnell und einfach aufgebaut, bietet aber nicht viel Platz und nur einen geringen Sonnenschutzfaktor. Schlusslicht Campz ist für eine einfache Strandmuschel zu kompliziert und wirkt gegen die anderen eher wie ein simpler Abklatsch eines klassischen Zeltes aus den Neunziger Jahren.