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Motorradkleidung: Bequem & sicher durch die Zweiradsaison

Mit welcher Motorradbekleidung fahren Sie auf der sicheren Seite und welche Schutzkleidung ist wirklich notwendig?

Motorradfahrer mit Schutzkleidung und Helm auf Motorrad vor Wald.
© Jusdevoyage / Unsplash

Die beste Motorradkleidung für schönes und schlechtes Wetter? IMTEST kennt die Antworten. Was gibt es Schöneres als eine Motorradtour über einsame Landstraßen bei bestem Wetter? Da es in der Realität aber auch mal regnet und die Straßen hierzulande selten wirklich leer sind, braucht der Biker Schutzkleidung.

Ist Motorradkleidung wirklich notwendig?

Im Sommer sieht man es immer wieder: Motorradfahrer in Jeans und T-Shirt, manchmal gar in kurzen Hosen. Klar, meistens geht es gut, glücklicherweise endet ja nicht jede Tour mit einem Unfall beziehungsweise Sturz. Auf der anderen Seite: Ist eine ordentliche Schutzkleidung wirklich so teuer, so mühsam anzulegen und so unbequem, dass man darauf getrost verzichten kann? Nein. Denn bereits ein Sturz mit niedriger Geschwindigkeit führt zu wirklich unschönen Schürfwunden oder noch schlimmeren Verletzungen.

Die im Alltag so wunderbar robuste Jeans hat rauem Asphalt kaum etwas entgegenzusetzen, und wenn auch noch auf Handschuhe verzichtet wurde, wird es richtig übel: Da man bei einem Sturz instinktiv mit den Händen Halt sucht, sind diese ganz besonders gefährdet, nicht selten bleiben da Fingernägel auf der Strecke. Der langen Rede kurzer Sinn ist folgender: Auch wenn viele glauben, dass es immer nur die anderen erwischt, sollte man einfach konsequent sein und sich – selbst im Hochsommer – von Kopf bis Fuß schützen. Das dürfte einem die eigene Haut doch wert sein.

Mann mit Motorradhelm auf einem Motorradfestival.
Bietet die höchste Schutzwirkung bei Unfällen: Integralhelm, der den Kopf umschließt. © Shoei

Helme: Die wichtigsten Schutzelemente beim Motorradfahren

Ein Helm verringert das Risiko, einen Verkehrsunfall nicht zu überleben, um immerhin 40 Prozent, sowie die Wahrscheinlichkeit, ein Schädel-Hirn-Trauma zu erleiden, um rund 70 Prozent. Daher ist das Tragen eines “geeigneten Schutzhelms” beim Motorradfahren in Deutschland seit 1976 vorgeschrieben, die Nichtbeachtung der Helmpflicht wird mit einem Bußgeld in Höhe von (vergleichsweise moderaten) 15 Euro geahndet. Und im Falle eines Unfalls können Schmerzensgeldforderungen sowie Schadensersatzansprüche massiv herabgesetzt werden, wenn kein Helm getragen wurde.

Doch was ist eigentlich ein “geeigneter Schutzhelm” im Sinne des Gesetzes? Nun, ein Motorradhelm gilt in jedem Fall als geeignet, wenn er die brandneue Prüfnorm ECE 22.06 erfüllt, die ab Juni 2022 in Kraft tritt. Sie löst nach fast 20 Jahren die Vorgänger-Regelung ECE 22.05 ab. Ab Juni 2022 dürfen Motorradhelme nur noch nach der neuen Prüfnorm ECE 22.06 geprüft, ab Juni 2023 dann keine Helme mehr nach einer älteren Norm produziert und ab Anfang 2024 voraussichtlich auch nicht mehr verkauft werden. 

Dies alles betrifft jedoch nur die Hersteller und nicht den Verbraucher. Der sollte bei einer Neuanschaffung freilich nur einen Kopfschutz nach ECE 22.06 kaufen. Wer aber noch einen Helm nach alter Norm besitzt, darf diesen auch weiterhin benutzen. Da ein Helm altert, womit seine Schutzwirkung nachlässt, sollte man sich ohnehin nach fünf bis sieben Jahren einen neuen zulegen. Durch diesen “natürlichen” Erneuerungszyklus werden die alten Helme also mit der Zeit aus dem Straßenverkehr verschwinden. Im Übrigen sollte ein Motorradhelm auch nach einem Unfall, oder wenn er auf andere Weise einen Schlag erhalten hat, ersetzt werden. Denn wenn die Außenschale oder das energieabsorbierende Material im Inneren – oft unsichtbar – beschädigt wurde, kann der Helm keinen ausreichenden Schutz mehr bieten.



Auf der Suche nach der Helmnorm

Welche Norm ein Helm erfüllt, ist im Innenfutter oder am Riemen an einem E in einem Kreis samt einer Prüfnummer erkennbar. E1 bedeutet, dass der Helm in Deutschland genehmigt wurde, die Bezeichnung 05 kennzeichnet die alte Prüfnorm ECE 22.05, die 06 steht für die neue Norm ECE 22.06.

Für den Motorradfahrer selbst ist es allerdings nach wie vor nicht vorgeschrieben, einen Helm nach einer bestimmten Norm zu tragen. So werden grundsätzlich auch andere Helme, etwa nach der amerikanischen DOT-Norm, als geeignet angesehen, wenn von einer gewissen Schutzwirkung auszugehen ist. Zweckentfremdete Arbeits-, Stahl-, Fahrrad-, Reit-, Skihelme und dergleichen sowie die sogenannten Braincaps (Halbschalen, die nur den oberen Teil des Kopfes bedecken) gelten wegen ihrer mangelnden Schutzwirkung beim Motorradfahren jedoch ausdrücklich als nicht geeignet.

Freie Helmwahl

Frei ist der Motorradfahrer in der Wahl des Helmtyps: Soll es ein Integralhelm sein, eventuell in der praktischeren Version als Klapphelm? Oder lieber ein bequemer Jet-Helm, mit dem man sich besser den Wind um die Nase wehen lassen kann, da er das Gesicht frei lässt? Das ist Geschmackssache, viele legen hier Wert auf eine passende Optik zum Bike – zu einer klassischen Harley-Davidson etwa will ein sportlich-moderner Vollvisierhelm nicht recht passen. Wenngleich feststeht, dass ein Integral- oder Klapphelm, der den Kopf ganz umschließt, wesentlich mehr Schutz bietet als ein Jet-Helm. Wird hin und wieder auf der Autobahn gefahren, kommen ohnehin praktisch nur geschlossene Helme infrage, die den störenden Fahrtwind draußen lassen, aber dennoch so gut belüftet sind, dass man einen kühlen Kopf bewahrt. Für ein angenehmes Tragegefühl sorgen leichte Carbon-Helme, die zu Preisen ab rund 300 Euro bei Motorradzubehör-Spezialisten wie Louis, Polo oder FC MOTO erhältlich sind.



Die richtige Helmgröße ermitteln

Und die richtige Größe? Die ermittelt man mit einem Maßband. Einmal um den Kopf herum oberhalb der Ohren und auf der Mitte der Stirn gemessen. Und schon erhält man den Kopfumfang in Zentimetern. Gibt ein Hersteller die Größen in XS bis XL an, so verfügt er in der Regel auch über eine Zuordnungstabelle in Zentimetern. Da Helme allerdings unterschiedlich groß ausfallen, ist vom bequemen Kauf im Internet abzuraten und der Besuch eines Fachgeschäfts inklusive Anprobe zu empfehlen. Der Helm sollte dabei angenehm fest sitzen (Test: Beim Kopfschütteln darf der Helm nicht “schlackern”), auf der anderen Seite darf er nicht drücken und so auf Dauer Kopfschmerzen verursachen.

Einen gebrauchten Helm zu kaufen, ist übrigens keine gute Idee, unabhängig von der jeweiligen Prüfnorm. Denn, wie oben erwähnt, verschlechtert sich mit zunehmendem Alter die Schutzwirkung. Überdies kann ein gebrauchter Helm unsichtbar beschädigt sein – etwa dadurch, dass er einmal heruntergefallen ist.

Hochwertige Motorradhelme kommen beispielsweise von Shoei, Nolan, Arai, Caberg, AGV oder Schubert.

Motorradschutzkleidung
Die klassische einteilige Motorradkombi bietet den besten Schutz. © Dainese

Airbag-Jacken und -Westen

Ein zusätzliches Sicherheitspolster bieten Airbag-Westen und -Jacken, die sich bei einem Unfall aufblasen und das Verletzungsrisiko für Brust, Schultern und Rücken senken. Ältere Modelle wurden per Reißleine ausgelöst. Die der Fahrer mit dem Motorrad verbinden musste. Bei einem Unfall löste die Reißleine Gasgeneratoren aus, die die Weste oder Jacke füllten. Neuere elektronische Ausführungen arbeiten mit einer Sensorik, die Unfallsituationen erkennt und den Airbag wesentlich schneller auslöst als die mechanischen Systeme mit Reißleine. Die elektronischen Airbag-Westen/-Jacken arbeiten mit einem Akku, der bei Fahrten natürlich immer aufgeladen sein sollte. Erhältlich sind die Airbags zum Überziehen etwa bei Louis, Polo oder FC MOTO.

Unterziehkleidung: Protektoren, Nierengurt und Sturmhaube

In modernen Motorradkombis beziehungsweise Jacken sind in der Regel bereits Protektoren für besonders gefährdete Körperregionen eingearbeitet – meist für Ellbogen, Knie und Schienbeine, manchmal auch für Becken, Nacken und das Rückgrat. Insbesondere Letzteres sollte von einem Rückenprotektor geschützt sein, den man unter der Kombi oder Jacke tragen kann. Auch separate Ellbogen-, Knie- oder Hüftprotektoren zum Tragen unter der Schutzkleidung sind erhältlich. Man sich mit der vollen Protektorenbestückung aber noch einigermaßen bewegen können. Und nicht wie in einer Ritterrüstung starr und unbeweglich auf dem Bike sitzen. Denn das wäre wiederum ein Rückschritt in Sachen Fahrzeugbeherrschung.

Bewährt hat sich zudem der klassische Nierengurt. Er hält die Taille angenehm warm und hat eine stützende Funktion. Und eine Sturmhaube, die an kühlen Tag unter dem Helm getragen wird.

Nicht nur zur kalten Jahreszeit: Motorradhandschuhe

Stabile Handschuhe mit eingearbeiteten Protektoren sind praktisch ebenso unverzichtbar wie der Helm. Denn schon bei einem Sturz mit niedriger Geschwindigkeit sind tiefe Schürfwunden an den Händen unvermeidlich. Da man reflexartig auf dem Asphalt Halt sucht. Also: Niemals ohne, mag es auch noch so warm sein! Gute Motorradhandschuhe gibt es unter anderem von Dainese, IXS oder Alpinestars.

Motorradstiefel: Die Schuhe zum Bike

Auch die Füße, Knöchel und Schienbeine sind bei einem ungewollten Absteigen vom Motorrad und eventuellem Kontakt mit einem Hindernis extrem gefährdet. Stabile Motorradstiefel sind also Pflicht. Sie verhindern im Übrigen ein Auskühlen der unteren Extremitäten durch den Fahrtwind. Fündig wird man diesbezüglich bei Dainese , Daytona, IXS und Alpinestars.

Motorradstiefel
Unverzichtbar: Motorradstiefel schützen und wärmen. © Alpinestars

Nässeschutz ist Gesundheitsschutz

Leder- oder Textil-Schutzkleidung ist bei Dauerregen schnell durchnässt – hier hilft nur eine Regen-Überziehkombi. Da sie außer dem Schutz vor Nässe keine weitere Sicherheitsfunktion hat, kann sie dünn ausfallen. Womit sie sich auf Touren platzsparend mitführen lässt. Die Motorradzubehör-Spezialisten Louis, Polo und FC MOTO bieten eine üppige Auswahl an Nässeschutzkleidung.

Nie ohne Schutzkleidung

Wer konsequent von Kopf bis Fuß geschützt ist, hat bei einem Unfall beziehungsweise Sturz gute Karten. Jedenfalls bis zu einer gewissen Geschwindigkeit. Die gut 1000 Euro für Schutzkleidung und Helm sind also gut angelegtes Geld.