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Nachhaltiger Konsum: Warum jetzt jeder darauf achten sollte

Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, müssen wir alles ändern. Klingt absurd und unmöglich? Falsch. IMTEST erklärt‘s.

Farbige Weltkugel inmitten von vielen grünen Bäumen von oben
© iStock

Weshalb nachhaltiger Konsum so wichtig ist? Seit etwa 200 Jahren saugt die sogenannte westliche Industriegesellschaft – also wir alle – nach und nach sämtliche Schätze der Erde auf und verwandelt sie in aufwendigen Prozessen in Konsumgüter und Infrastruktur, in Licht und in Wärme. All das macht unser Leben bequemer, sicherer, angenehmer und luxuriöser – gleichzeitig aber verdrecken, zerstören und plündern wir so auch unseren Lebensraum. Klimawandel, Umweltzerstörung und Massentiersterben machen unmissverständlich klar: So kann es nicht weitergehen, wenn es weitergehen soll. Alle Hoffnungen ruhen daher auf einem Zauberwort: Nachhaltigkeit.

Nachhaltiger Konsum durch bewusste Kaufentscheidungen

Der Grundgedanke von „Nachhaltigkeit“ ist so einfach wie einleuchtend: Werden innerhalb eines Jahres nicht mehr Ressourcen verbraucht als in dieser Zeit regenerieren oder nachwachsen können, dann ist das nachhaltig. Momentan sind wir von Nachhaltigkeit allerdings weit entfernt: Hätten alle Menschen den Lebensstandard der Deutschen, bräuchten wir die Ressourcen von fast drei Planeten. Auf dem Niveau der US-Amerikaner wären es fünf, auf dem der Inder nicht einmal eine. Wir müssen also lernen, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. Nachhaltiger Konsum kann Überfluss, Verschwendung und Einweg-Konsum vermeiden. Und das bedeutet im Einzelfall, auch zu entscheiden, mal etwas gar nicht zu kaufen.

„WER BLINDEN KONSUM ABLEHNT, VERZICHTET NICHT, SONDERN GEWINNT: ZEIT, GELD UND LEBENSQUALITÄT.“

Jan Bruns
Jan BrunsIMTEST-Experte

Die wichtigste Frage für einen nachhaltigen Lebensstil lautet also: „Brauche ich das wirklich oder habe ich nur Lust darauf?“ Besteht tatsächlich die Notwendigkeit, etwa ein neues Smartphone, einen neuen Fernseher oder ein neues Fahrrad zu kaufen, dann ist es im Sinne von Nachhaltigkeit wichtig, darauf zu achten, dass die Produkte möglichst haltbar und zukunftstauglich sind, also nicht schon nach kurzer Zeit wieder nutzlos, weil etwa technisch überholt. Vor diesem Hintergrund tragen auch und gerade die Vergleichstests von IMTEST dazu bei, einen nachhaltigen Lebensstil zu erleichtern, denn sie bieten eine unabhängige Hilfe beim Aussuchen qualitativ hochwertiger Produkte, die zu-dem auch Spaß machen.


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Nachhaltigkeit ist kein Verzicht, sondern Gewinn

Aber warum fällt nachhaltiger Konsum so schwer? Das liegt vor allem daran, dass viele dabei an „Verzicht“ denken – und lieber über die vermeintliche Bevormundung meckern als sich anzuschauen, was es zu gewinnen gibt: Neben einer lebenswerten Erde kann Nachhaltigkeit nämlich auch die Befreiung von viel unnützem Zeug sein, das uns Zeit raubt, am Ende ungenutzt herumsteht und nur Geld kostet.

Doch nicht nur Konsumenten sind in der Pflicht, sondern auch die Hersteller all der Dinge, die wir kaufen. Sie müssen vor allem darauf achten, dass ihre Produkte nachhaltig hergestellt werden, damit Ressourcenschonung schon bei der Fertigung beginnt.



Mit diesen Ideen gelingt nachhaltiger Konsum

Alternative Produkte, verändertes Verhalten, echte Initiative: Die Lösung der Klima- und Ökokrise braucht frische und unkonventionelle Ideen. Dabei gibt es schon viele sehr gute Produkte und Dienstleistungen, mit denen nachhaltiger Konsum möglich ist. Hier sind Beispiele für mehr Nachhaltigkeit im Alltag:

Greenforce bietet eine vegane Fleischalternative für Burger und Buletten, die schmeckt und komplett klimaneutral aus Erbsen produziert wurde. Erhältlich online und in Supermärkten wie Rewe, Edeka und Lidl.

Wijld stellt Kleidung her – fair, in Europa, mit einem großen Anteil an nachhaltig produzierten Holzfasern statt ressourcenfressender Baumwolle. Die Shirts sind langlebig, sehr bequem und nicht überteuert.

Mobilität ohne eigenes Auto ist nachhaltig und bequem. Die Fusion der Carsharingdienste von Daimler und BMW Share Now bietet in deutschen Metropolregionen ein umfassendes Mobilitäts-Angebot vom Auto über Taxi bis zum Parkplatz.

Wer etwa bei Flugreisen Klimagas-Emissionen fördert, sorgt durch die Unterstützung nachhaltiger Projekte für Ausgleich. Firmen wie Atmosfair übernehmen die Abwicklung und Organisation durch Aufschläge etwa beim Ticketpreis.

Sea Shepherd kämpft sehr engagiert gegen illegale Fischerei und für den Schutz des Meeres und seiner Bewohner. Die Aktionen sind manchmal zwar umstritten, aber garantiert immer konsequent und wirkungsvoll.

Nachhaltig oder nicht?

Viele Hersteller setzen bereits Nachhaltigkeit um. Mehr noch: Inzwischen gibt es kaum noch ein Unternehmen, das sich das Prädikat „nachhaltig“ nicht in irgendeiner Form ans Revers heftet – was die Gefahr mit sich bringt, dass „Nachhaltigkeit“ zur leeren Marketing-Floskel verkommt. Ein Fachausdruck hierfür lautet „Greenwashing“. Eine andere Gefahr lauert im „Moral Marketing“, bei dem vor allem das Gewissen der Verbraucher angesprochen werden soll.

Beispiel: Fruchtsäfte mit dem Zusatz „vegan“. Das klingt gesund und nachhaltig – und lässt auch Nicht-Veganer gerne zugreifen. Allerdings ist „vegan“ gar kein einheitlich definierter und geschützter Begriff. Also ist nie ganz klar, was sich genau dahinter verbirgt. Im Beispiel wäre die Information „ohne Gelatine“ viel präziser, aber „vegan“ verkauft sich einfach besser.

Dadurch wird nachhaltiger Konsum nicht gerade einfacher. Beim Einkaufen muss also nach wie vor genau hingeschaut werden.

Nachhaltiger Konsum schwierig? Angebot von Unternehmen wächst

Abseits von kleinen Verkaufstricks und echten schwarzen Schafe sind aber sehr viele Firmen zumindest redlich darum bemüht, Produkte für den nachhaltigen Konsum zu produzieren. Erkennbar ist das auch daran, dass solche Unternehmen in der Regel gar nicht von sich behaupten, komplett nachhaltig oder klimaneutral zu sein. Denn das ist von heute auf morgen gar nicht möglich. Aber: Sie verändern sich wirklich, sie ändern ihre Produktionsprozesse, nutzen natürliche oder recycelte Rohstoffe, optimieren ihre Logistik und stellen auf grüne Energie um – nach und nach.

Selbst „nur“ den Verpackungsplastikmüll zu reduzieren, macht deutlich: Wir haben zwar die Welt noch nicht gerettet, aber wir haben verstanden. Unternehmen wie Brooks, Grundig oder Acer sind gute Beispiele, was sich in der Industrie in Sachen Nachhaltigkeit schon tut. All dies zeigt Schwarzsehern wie Ignoranten, dass Hoffnung besteht, wenn man sich auf den Weg macht – kommen Sie bitte mit.