Unlängst offenbarte Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dass er die Webcams an seinen Computer abklebt. Das zeigte zumindest ein von ihm veröffentlichtes Foto. Und auch der Chef der US-Bundespolizei FBI, James Comey, empfiehlt Internetkameras abzukleben. Seine Erklärung: Zu groß sei das Risiko, dass sich ein Spionagevirus heimlich auf dem Computer einnistet und die Kamera einschaltet.

Gehackte Internetkamera: Blick ins Private

Aber nicht nur Prominente sollten besorgt sein. Nistet sich nur ein bestimmter Trojaner ein, mutiert die Webcam auf jedem Computer zum Spion für Cybergangster. Vor einiger Zeit beschuldigte die US-Regierung einen Mann aus Ohio, mithilfe eines Schädlings personenbezogene Daten von Tausenden von Menschen gestohlen zu haben. Dazu bemächtigte er sich sowohl Kamera und Mikrofon, um unentdeckt Bilder und Ton aufzunehmen. Er hätte auf diese Weise zum Beispiel Kontodaten und Passwörter auskundschaften können aber auch, wann die Opfer das Haus verlassen und wie sie leben. Sicherheitsexperte warnen zudem: Auf infizierten Computern reiche bereits das Öffnen einer Pornoseite und schon filme die Webcam heimlich mit. Opfer würden dann erpresst, damit die Aufnahmen von der Selbstbefriedigung nicht in sozialen Netzwerken landen.



So machen Sie Ihre Webcam sicherer

Auch wenn Sie keine Sexseiten aufrufen, sollten Sie Ihre Internetkamera vor fremden Zugriff schützen. Folgende Maßnahmen helfen:

1. Gutes Antivirenprogramm einsetzen: Der beste Schutz gegen Webcam-Angriffe besteht der Installation eines guten Virenschutzprogramms. Eine starke Sicherheitssuite umfasst Antiviren-, Anti-Spyware-, Firewall- und andere Funktionen, die solche Angriffe im Keim ersticken. Denn die meisten Webcam-Hacker setzen auf Trojaner-Schädlinge. Damit versuchen sie unbemerkt sogenannte Remote-Desktop-Software zu installieren, diese auszuführen und so auf die Webcam und andere Funktionen zuzugreifen.

Gute Internet Security Suiten verhindern zudem aktiv den unerlaubten Zugriff von Programmen auf die Internetkamera. Andersherum ausgedrückt: Sie müssen erst per Klick zulassen, dass ein Programm auf die Webcam zugreifen darf. Übrigens: Das in Windows 10 und 11 eingebaute Schutzprogramm Defender, bietet so einen Schutz nicht.

Bitdefender Webcam-Schutz
Gute Antivirenprogramme verfügen über einen speziellen Webcam-Schutz. © IMTEST

2. Webcam ausschalten: Windows verfügt über eine Einstellung, über Sie die Webcam abschalten können. Bei Bedarf schalten Sie sie dann einfach wieder vorübergehend ein.

  1. Öffnen Sie mit der Tastaturkombination Windows + i die „Einstellungen“. Darin klicken Sie auf Datenschutz (Windows 11: Datenschutz und Sicherheit) sowie Kamera.
  2. Windows 10: Klicken Sie nun auf Ändern und setzen den Schalter auf Aus. Unter Windows 11 setzen Sie den Schalter Apps den Zugriff auf Ihre Kamera erlauben aus Aus. Dadurch blockiert Windows jegliche Zugriffe auf die Webcam.
Windows Datenschutz-Menü
Über die Windows-Einstellungen lässt sich die Webcam einfach abschalten. © IMTEST

3. Abdocken: Wenn Sie eine externe Webcam mit USB-Anschluss verwenden, schließen Sie sie nur dann an, wenn Sie sie benötigen.

4. Abdecken: Einige externe Kameras verfügen ab Werk über eine kleine Abdeckung, die Sie über das Webcam-Objektiv schließen können. Nutzen Sie das. Falls so eine Abdeckung nicht vorhanden ist, können Sie die Webcam auch bei Nichtgebrauch einfach an die Decke richten. Für in Notebooks integrierte Internetkameras gibt es zudem spezielle Abdeckungen. Diese „Camsticker“ gibt es für wenige Euro in vielen Shops. Solche Abdeckungen arbeiten entweder mithilfe eines Schiebereglers oder kommen als Aufkleber, dessen Klebefläche sich einfach entfernen lässt.

Camsticker bei Amazon
Webcam-Abdeckungen zum Nachrüsten gibt es im Internet für kleines Geld. © IMTEST

Angeblicher Webcam-Hack: Bei Erpressung nicht zahlen

Ein Krimineller behauptet, er hätte Ihre Webcam gekapert und belastende Aufnahmen erbeutet? Reagieren Sie darauf nicht und verweigern die Zahlung. Bei nahezu allen Erpressungen dieser Art handelt es sich um Bluffs. Die Kriminellen, die dahinterstehen, verschicken die gleiche Nachricht personalisiert (etwa mit einem Passwort garniert) an Tausende PC-Nutzer. Falls nur einige Personen bezahlen, hat sich das dreckige Geschäft bereits gelohnt. Wenden Sie sich in solchen Fällen am besten an die Internet-Wache Ihres Bundeslands.