Die Folgen der Klimakatastrophe können spätestens seit diesem Sommer auch in Deutschland nicht mehr ignoriert werden. Und tatsächlich: Auf einmal bekommt das Thema Nachhaltigkeit einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Jedes Produkt, jedes Unternehmen, alles wird mit grüner Farbe und einem Blatt versehen. Den Planeten jedoch tatsächlich zu retten und die globale Erwärmung einzudämmen, scheint hingegen eine Mammutaufgabe zu sein. Um dabei nicht zu verzweifeln oder gar aufzugeben, ist wichtig zu wissen, dass jeder kleine Schritt schon vieles bewirken kann. In der neuen vierteiligen Serie stellt IMTEST jede Woche im August jeweils zehn Tipps zu unterschiedlichen Themen vor. Los geht es mit dem Thema nachhaltiger Konsum.



Was bedeutet es eigentlich, nachhaltig zu konsumieren? Nachhaltiger Konsum ist das bewusstes Auswählen von Produkten und Dienstleistungen mit einem stetigen Blick auf dessen ökologische und soziale Folgen. Um hier einmal die Sorge vorwegzunehmen: Nachhaltig zu konsumieren kann sehr viel Spaß machen, hat nur bedingt etwas mit Verzicht zu tun und wird außerdem begleitet von dem angenehmen Gefühl, keinen Schaden zu verursachen. Doch bevor es an die konkreten Maßnahmen geht, ist es wichtig zu verstehen, warum die Art, wie wir als Gesellschaft heute konsumieren, nicht länger tragbar ist.

Ab August keine Ressourcen mehr

Ein gutes, anschauliches Konzept ist der Earth Overshoot Day. Dieser Tag markiert den Zeitpunkt, an dem die Ressourcen der Erde eigentlich aufgebraucht sind und die Menschheit nur noch “auf Pump” lebt. Während dieser Tag vor 30 Jahren noch im Oktober lag, fand er in diesem Jahr so früh wie nie am 28. Juli statt und rückt immer weiter vor. Anders ausgedrückt verbrauchen wir derzeit so viele Ressourcen, dass wir 1,75 Erden bräuchten. Zuletzt im Jahr 1971 war davon die Rede, dass die Menschheit entsprechend der verfügbaren Ressourcen lebt. Die Entwicklung ist also denkbar schlecht, doch was hat das Ganze nun mit dem tagtäglichen Konsumverhalten zu tun?

Die Rechnung ist ganz simpel. Jedes neu angeschaffte Teil, ob Kopfhörer, Sofakissen, Unterwäsche oder Zahnpasta, alles benötigt Ressourcen. Das können die Rohstoffe selbst sein, vielleicht auch die Verpackung oder der Transport, sowie außerdem das Wasser zur Herstellung. Ein Beispiel: Um einen neuen Laptop herzustellen werden etwa 250 Kilogramm CO2 freigesetzt. Das ist so viel, wie bei einem Flug von Hamburg nach Tel Aviv mit Zwischenstop in Wien ausgestoßen wird. Ein neues T-Shirt benötigt in den verschiedenen Produktionsstufen insgesamt etwa 2.200 Liter Wasser, ein Pullover sogar 4.400. Zur besseren Vorstellung kann man sich das Füllvolumen eines etwa vier mal drei Meter großen aufklappbaren Pools für den Garten vorstellen. Das alles klingt erschreckend viel? Mit ganz einfachen Tipps kann man dem hohen Verbrauch an Ressourcen entgegenwirken.

Ein GIF von einem Sofa, bei welchem sich der Hintergrund austauscht.
Ob Sofakissen oder Couchtisch: Auch bei der Wohnungseinrichtung ist nachhaltiger Konsum möglich. © Google

1. Dinge leihen statt kaufen

Das Bedürfnis, alles was irgendwann einmal benötigt wird auch besitzen zu müssen, ist tückisch. Denn daraus ergeben sich zwei Nachteile: Der Wohnraum ist mit sehr vielen Dingen gefüllt und die Herstellung dieser Dinge kostet, ganz genau, viele Ressourcen. Ein paar Beispiele. Die nächste Kostümparty steht an und statt sich online etwas zu bestellen, sieht die Verkleidung aus einem Verleih ebenso gut aus. Inzwischen bieten Start-Ups auch das einmalige Ausleihen oder Abonnements von regulärer oder festlicher Kleidung an.

Doch nicht nur beim Thema Kleidung gilt das Motto “Sharing is Caring”. Steht ein Umzug an, können Familienmitglieder, Freunde oder Kollegen die Bohrmaschine oder gebrauchte Malerrollen aus dem Keller hervorkramen, sodass hier keine Neuanschaffung notwendig ist. Auch für Umzugskisten gibt es inzwischen nachhaltige, wiederverwendbare Lösungen wie beispielsweise die turtlebox. Wer diese Möglichkeiten nicht hat oder nicht so viel Geld dafür ausgeben möchte, kann über Anzeigenportale wie eBay Kleinanzeigen nachsehen, ob jemand Umzugskartons oder restliche Farbe günstig abgeben möchte.

2. Gebraucht kaufen

In unserer Gesellschaft herrscht leider die Annahme, dass gebrauchte Gegenstände grundsätzlich kaputt, unhygienisch und weniger schön sind. Es stimmt zwar, dass sich dieser Tipp keinesfalls auf alle Dinge anwenden lässt, so ist der Kauf von gebrauchten Schuhen nur sehr bedingt ratsam. Viele Dinge, angefangen bei Haushaltsgegenständen bis hin zu Möbeln und Kleidung können jedoch ohne Bedenken ein zweites oder sogar drittes Mal leben. Ein Vorteil, der auf den ersten Blick vielleicht gar nicht auffällt, ist auch das Einsparen von Verpackungsmüll. Im Internet bestellt, wird das neue Möbelstück mit Sicherheit in einem Karton angeliefert, während das Second-Hand-Teil dahingehend keine Ressourcen verbraucht. Plattformen wie eBay Kleinanzeigen, Straßenfeste, Fair-Teiler, “Zu-Verschenken-Kartons” oder Flohmärkte sind also in jedem Fall einen Blick wert und sparen neben Ressourcen zudem eine Menge Geld.

3. Bewusst einkaufen

Manchmal geht es nicht anders und man kommt um eine Neuanschaffung nicht herum. Eine nachhaltige Kaufentscheidung ist dann nicht immer leicht zu treffen, da es um das Abwägen verschiedener Interessen geht. Produkte, die ganzheitlich fair und ökologisch hergestellt werden, sind meist teurer, was in der Natur der Sache liegt. Denn auch gerechte Entlohnung entlang der Produktionskette ist ein Teil von Nachhaltigkeit.

Siegel wie der Grüne Knopf, der Blaue Engel, GOTS oder B Corporation sind nur ein paar wenige. Hierbei den Überblick zu behalten und sich vor allem nicht hinters Licht führen zu lassen, ist nur mit der Hilfe von unabhängigen Informationsquellen umsetzbar. Das Umweltbundesamt ist eine mögliche Anlaufstelle.

4. Lokal einkaufen

Auf der einen Seite ist Online-Shopping eine der bequemsten Sachen der Welt. Auf der anderen Seite schwindet mit diesem Komfort auch das Bewusstsein, welche Auswirkungen diese Art von Konsum hat. Auch hier gilt: Manchmal ist das benötigte Teil nicht anders zu beschaffen, vor allem im ländlichen Raum. Jedoch sollte der digitale Shopping-Trip immer mit der Frage erfolgen, ob es nicht auch lokal (oder gebraucht) verfügbar ist. Vor Ort lässt sich die Jeans-Größe innerhalb von Sekunden bestimmen und macht sowohl den Hin- als auch Rücktransport obsolet.

Zudem schafft der lokale Einzelhandel Arbeitsplätze vor Ort, trägt zu einem lebenswerten Stadtbild bei und stellt eine wichtige Steuereinnahmequelle für Kommunen dar. Projekte wie eBay Deine Stadt kombinieren die Vorzüge aus beiden Welten, indem lokale Händler online inserieren, informieren und mit ihrer Kundschaft in Kontakt treten können.

5. Kleine Unternehmen unterstützen

Auch wenn Online-Shopping auf dem Weg zu einem nachhaltigen Alltag eine Ausnahme sein sollte, führt manchmal kein Weg daran vorbei. In diesen Momenten gibt es jedoch fast immer Alternativen. Und zwar sind das Produkte und Dienstleistungen von kleinen, oft inhabergeführten Unternehmen. Aber wie kommt Nachhaltigkeit hier ins Spiel? Je kleiner das Unternehmen, desto besser lässt sich in der Regel nachvollziehen, wie dort gewirtschaftet wird. Dazu zählt der Umgang mit Ressourcen genauso wie die Bezahlung der Arbeitskräfte. Also, ob beim Coffee to go, beim Bücherkauf oder bei der Buchung einer Massage, es lohnt sich immer, nach Alternativen zu den “Großen” Ausschau zu halten.

6. Dinge reparieren

Oft ist der Ersatz für ein kaputtes Kleidungs- oder Möbelstück schnell neu gekauft. Und es ist tatsächlich so, dass eine Reparatur Zeit und Nerven erfordert. Doch neben der Kostenersparnis ist es eine große Entlastung für die Umwelt, würden man mehr Dinge reparieren statt sie wegzuwerfen und neu zu kaufen. Wer nicht selbst nähen kann, bekommt für wenig Geld Hilfe in einer Änderungsschneiderei. Ähnlich verhält es sich mit Fahrrädern oder Möbeln. Hierfür werden immer mehr Repair-Cafés ins Leben gerufen, in denen diese entweder selbstständig oder von Fachleuten repariert werden können.

7. Verkaufen statt wegwerfen

Hier freuen sich sowohl Geldbeutel als auch Umwelt. Denn für jeden Gegenstand, der nicht auf dem Müll, sondern in zweitem Besitz landet, werden erneut Ressourcen gespart. Im Grunde genommen ist dieser Tipp die Umkehr von Tipp 2, doch viel zu oft bleiben unbenutzte Dinge jahrelang in der Ecke liegen. Statt dort einzustauben, können sie jemand anderem einen guten Dienst erweisen. Portale wie eBay Kleinanzeigen oder momox machen das Verkaufen unkompliziert, wem das nach einer Weile jedoch zu anstrengend ist, kann zu Tipp 8 übergehen.

8. Spenden oder tauschen

Auf den ersten Blick hat es nicht viel mit Konsum zu tun. Doch das Spenden, Verschenken oder Tauschen von Dingen ist ein wichtiger Bestandteil der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, schonend mit der Umwelt umzugehen. In nahezu jeder Stadt gibt es Kleiderkammern, Tauschveranstaltungen oder Sozialkaufhäuser, die sich allesamt über gut erhaltende Spenden freuen. Und auch wenn Textilien oder sonstige Materialen nicht mehr in einem einwandfreien Zustand sind, findet sich immer jemand, der diese weiterverarbeiten kann.

9. Produktlebenszyklen beachten

Gegenstände funktionieren oft noch viel länger, als sie tatsächlich in Benutzung sind. Je länger beispielsweise ein technisches Gerät nicht ausgetauscht wird, desto besser ist das für den Ressourcenverbrauch. Große Konzerne suggerieren zwar, dass es genau richtig ist, jedes oder alle zwei Jahre das Handy auszutauschen, doch meistens sind die Geräte nach dieser Dauer noch gut funktionsfähig. Andere Beispiele finden sich jedoch auch bei alltäglichen Käufen. Statt Wasser aus kurzlebigen Plastikflaschen zu kaufen, dient eine robuste Aluminium- oder Glasflasche dem Zweck ebenso gut und spart eine Menge Ressourcen.

10. Nicht aufgeben und informiert bleiben

Zuletzt ist ein nachhaltiger Konsum vor allem dann nachhaltig, wenn sich dadurch das Kaufverhalten langfristig verändert. In einer Woche alle Tipps umzusetzen, wird zu Frustration führen, denn alles auf einmal anzugehen ist gar nicht möglich. Am wichtigsten ist es, Kaufentscheidungen jederzeit bewusst zu tätigen und sich dann im besten Fall zu fragen, welche Folgen diese für die Umwelt hat.

Eine animierte Frau steht vor anderen Menschen in einer Landschaft.
© Google

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Viele dieser Tipps finden sich auch auf der interaktiven Website Your Plan, Your Planet von Google. Neben Hintergrundinformationen kann man hier auch persönliche Nachhaltigkeits-Ziele festlegen und Tipps über Social Media teilen. In der nächsten Woche gibt IMTEST praktische und einfach umsetzbare Tipps zum Wassersparen.