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Solarstrom zum Mitnehmen – Fünf Solar-Powerbanks im Test

Solar-Powerbanks sind unter Outdoor-Freunden beliebt, und das Angebot ist groß. IMTEST hat fünf verschiedene Geräte getestet.

Solar-Powerbanks verschiedener Hersteller auf Steinen.
© IMTEST

Wenn unterwegs der Akku vom Smartphone aufgibt, sind sie die Retter in der Not: Powerbanks. Besonders interessant für längere Ausflüge und andere Outdoor-Aktivitäten sind Modelle mit eingebauten Solarmodulen. IMTEST hat fünf Solar-Powerbanks unter die Lupe genommen und dabei die ein oder andere Überraschung erlebt.

Die wichtigen Eigenschaften im Blick

Aus der Vielzahl der angebotenen Solar-Powerbanks die richtige für den eigenen Einsatzzweck zu finden, ist gar nicht so einfach. Die Auswahl ist groß, und neben dem Solarmodul statten viele Hersteller ihre Geräte zusätzlich noch mit mehr oder weniger interessanten Extras aus. Dabei sind in vielen Fällen nur eine Handvoll Eigenschaften wirklich wichtig.

  • Kapazität: Sie beschreibt, wie groß der Akku der Powerbank ist, und wird im Normalfall in Milliamperestunden (mAh) angegeben. Die hier getesteten Solar-Powerbanks haben eine Kapazität von 20.000 mAh bis 30.000 mAh, damit sind sie ausreichend groß, um ein Smartphone mehrfach komplett aufzuladen. Zur Orientierung: Ein aktuelles Smartphone wie das Samsung S23 oder das iPhone 14 haben Akkus mit etwa 4.000 mAh Kapazität. Für den Test wichtig: Ein größerer Akku braucht auch mehr Zeit zum Laden. Daher wird nicht die reine Ladezeit bewertet, sondern das Verhältnis von Ladezeit zu Akkukapazität.
  • Ladeleistung und Schnellladefähigkeit: Die Ladeleistung wird in Watt angegeben und zeigt an, welche Gerätegruppen mit einer Powerbank versorgt werden können. Manche Hersteller geben darüber hinaus auch an, ob ihre Powerbanks bestimmte Standards für das Schnellladen von Smartphones unterstützen oder ob gar per Power Delivery ein Notebook aufgeladen werden kann. Manche Powerbanks unterstützen sogar kabelloses Laden. Schön: Allen getesteten Geräten lag zumindest ein (kurzes) Kabel zum Anschluss an ein Netzteil bei. Die Revolt PB-200.k verfügt sogar zusätzlich zu den verbauten Buchsen über fest installierte Kabel mit den üblichen Anschlüssen, die platzsparend im Gehäuse untergebracht sind. Erfreulich ist auch ist, dass es allen Testkandidaten gelingt, das Test-Smartphone in fast der gleichen Zeit aufzuladen wie ein Schnelllade-Netzteil. Die Powerbanks sind im Schnitt nur etwa zehn bis fünfzehn Prozent langsamer.
Die revolt PB200.k Powerbank besitzt eine Kurbel zum Aufladen und ein gutes Kabelmanagement.
Neben der Handkurbel zum Aufladen besitzt die revolt PB-200.k auch ein durchdachtes Management für die fest verbauten Kabel. © IMTEST
  • Anschlüsse: Wenn mehrere Geräte mit einer Powerbank genutzt werden sollen, ist die Anzahl und die Art der vorhandenen Anschlüsse wichtig. Neben der üblicherweise vorhandenen USB-Typ-A-Buchse zum Anschluss verschiedener Ladekabel ist mittlerweile fast immer auch eine Typ-C-Buchse zum Aufladen von Geräten vorhanden. Zum Laden nutzen die Powerbanks überwiegend einen USB-Typ-C-Anschluss, nur in Ausnahmefällen ist noch eine ältere Micro-USB-Buchse verbaut. 
  • Verarbeitung und Ausstattung: Powerbanks zeigen Ihre Stärke vor allem auf Reisen oder bei anderen Outdoor-Aktivitäten. Dabei landen sie häufig einfach im Rucksack oder in der Tasche. Eine gute Verarbeitung ist also Pflicht, ein Schutz gegen Stöße und Stürze die gern gesehene Kür. Darüber hinaus verbauen viele Hersteller zusätzlich noch Extras, die für mehr Funktionalität vor allem beim Camping oder auf mehrtägigen Ausflügen sorgen sollen. Dazu gehören zum Beispiel eine eingebaute (Taschen-)Lampe, eine Befestigungsmöglichkeit per Karabiner oder gar ein Kompass.
Manche Solar-Powerbanks besitzen Karabiner oder Schlaufen zur Befestigung am Rucksack.
Karbiner oder Befestigungsschlaufen erleichtern den Transporst am Rucksack, eine große Leuchtfläche die Orientierung im Dunkeln. © IMTEST

Das Problem mit den Solarmodulen

Mit der Kraft der Sonne das Smartphone und andere mobile Gadgets aufladen, das versprechen sich viele von einer Solar-Powerbank. Alle Geräte im Test besitzen relativ kleine, in das Gehäuse integrierte Solarmodule. Mit diesen Modulen nimmt das Aufladen rein über Solarenergie sehr viel Zeit in Anspruch. Ein Hersteller nennt etwa vierzehn Tage als typische Ladedauer, wenn nur über das Solarmodul geladen wird. Daher sind selbst die Hersteller mittlerweile dazu übergegangen, die Solarmodule nicht mehr als direkte Lademöglichkeit zu bewerben. Vielmehr liest man fast immer, dass der Strom, der über Sonnenenergie erzeugt werden kann, für die Erhaltung des Ladezustands sorgt oder ähnliche Formulierungen. Auch in der Bedienungsanleitung steht oft, dass die Powerbank im täglichen Gebrauch per Steckdose geladen werden sollte und das Laden per Solarmodul nur für den Notfall gedacht ist.



Problemfall Ryoko E.POWER R-153A

Auf den ersten Blick ist die Ryoko E.POWER R-153A eine durchaus interessante Solar-Powerbank. Auffällig ist, dass sie das dünnste Gerät im Test ist und mit knapp unter 200 Gramm auch das leichteste. Beim Aufladen gab es dann eine Überraschung: Nach nur knapp drei Stunden war der Akku voll, damit wäre die Ryoko E.POWER R135-A das bei Weitem schnellste Gerät in dieser Disziplin. Und das bei einer vergleichbaren Akkugröße von angegebenen 20.000 mAh. Es wurde aber schnell klar, dass hier etwas nicht zusammenpasst. Rein rechnerisch ist es nicht möglich, dass bei der beobachteten Ladeleistung innerhalb des gemessenen Zeitraums ein Akku mit 20.000 mAh vollgeladen werden kann. Zusammen mit dem im Vergleich geringen Gewicht und den Abmessungen des Geräts kam schnell die Vermutung auf, dass die angegebene Akkukapazität nicht stimmen kann.

Eine geöffnete Solar-Powerbank m it sichtbarem Akku.
Das Innenleben der Ryoko E.POWER R-153A. De Modellbezeichnung des Akkus ist gut erkennbar. © IMTEST

Nachdem das Gerät alle Tests hinter sich gebracht hatte, wurde es im IMTEST-Labor geöffnet. Wie bei den meisten anderen Powerbanks ist das nur mit Schäden am Gehäuse möglich und kann gefährlich sein, wenn dabei der Akku beschädigt wird. Also: Bitte nicht nachmachen! Zum Vorschein kam neben ein wenig Elektronik der verbaute Akku, auf dem keine Angabe der Kapazität zu finden war. Dafür aber eine Modellbezeichnung: JS 1260110. Eine kurze Suche im Internet ergab Dutzende Treffer für entsprechende Akkus, alle mit einer Kapazität von nur 10.000 mAh – also der Hälfte von dem, was die Produktbeschreibung und Verpackung der Ryoko E.POWER R-153A versprechen. Daher wurde das Gerät auf „mangelhaft“ abgewertet.

Ein Einzelfall?

Die bemängelte Ryoko E.POWER R-153A wurde von IMTEST für den Vergleichstest bei Amazon gekauft. Sie ist dort nicht nur beim Händler TOENNESEN erhältlich, sondern auch bei diversen weiteren Anbietern. Alle bewerben das Gerät als Solar-Powerbank mit 20.000 mAh Kapazität.

Das zeigt eine weitere Problematik auf: Auch die anderen Solar-Powerbanks im Test sind von anderen Anbietern unter teils leicht veränderten Produktnamen zu finden. Die verwendeten Produktbilder sind häufig gleich, die Produktbeschreibungen ähneln sich stark. Der Verdacht liegt nahe, dass viele dieser (vermutlich) baugleichen Geräte im gleichen Werk vom Band laufen und die Händler sie über die gleiche Quelle beziehen. Teilweise werden die Powerbanks dann noch mit einem Label versehen oder die Verpackung angepasst. Zuletzt kommen die Geräte über unterschiedliche Anbieter und Plattformen in den Handel. Hier kann es durchaus auch zu Preisunterschieden kommen. Vergleichen kann sich also lohnen. Teilweise verschwinden Anbieter und Händler auch schnell wieder und das Produkt taucht wenig später als Angebot von einem anderen Versender wieder auf.

Das Ergebnis des Vergleichstests und die ausführliche Testtabelle finden Sie auf der nächsten Seite.