Das Tempolimit auf deutschen Straßen ist ein emotional aufgeladenes Thema: Seit mehreren Jahren debattieren unterschiedliche Interessengruppen, ob etwa eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen nicht schon längst überfällig sei. Dabei geht es in erster Linie um höhere Verkehrssicherheit, aber auch um eine Senkung der Umwelt- und Lärmbelastung. Neben den Autobahnen stehen auch die innerstädtischen Straßen unter Beobachtung. Das gängige Tempolimit von 50 km/h sei nicht stadtverträglich, so die Kritiker der Agora Verkehrswende – einer gemeinsamen Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation. Sieben deutsche Großstädte wollen Tempo 30 jetzt großflächig testen.

Tempo 30 für lebenswerten öffentlichen Raum

Die Initiative beschreibt in einem Positionspapier die Ziele, die man mit einem innerstädtischen Tempolimit von 30 km/h erreichen will. Besonders auf den Hauptverkehrsstraßen verursache der der Autoverkehr die meisten negativen Auswirkungen. Mit Tempo 30 würde man folgende Veränderungen erreichen:

  • Die Straßen werden wesentlich sicherer, gerade für die besonders Gefährdeten, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs bzw. mobilitätseingeschränkt sind.
  • Die Straßen werden leiser – und das Leben für die Menschen, die an diesen Straßen wohnen, deutlich angenehmer und gesünder.
  • Bei Gewährleistung eines guten Verkehrsflusses kann auch die Luft in den Straßen sauberer werden, was allen zu Gute kommt, die hier unterwegs sind.
  • Die Straßen gewinnen ihre Funktion als multifunktionale Orte zurück, die mehr sind als Verbindungen von A nach B.
  • Und schließlich: die Straßen werden wieder lesbarer, Regeln einfacher nachvollziehbarer (kein Flickenteppich mehr), das Miteinander wird gestärkt, der Schilderwald wird gelichtet.

Deutsche Städte wollen Tempolimit testen

Nicht alle Straßen sollen dabei zwingend die Geschwindigkeitsbegrenzung erhalten, auf einigen Hauptverkehrsstraßen sei weiterhin Tempo 50 möglich. Jede Stadt müsse individuell festlegen, wo Tempo 30 dem Stadtleben zuträglich wäre. Interessiert an einer Testphase sind derzeit Aachen, Augsburg, Freiburg im Breisgau, Hannover, Leipzig, Münster und Ulm. Um den Test durchzuführen ist allerdings eine Änderung der Straßenverkehrsordnung nötig, die nicht so einfach durchzusetzen ist und wohl erst nach der nächsten Bundestagswahl realisierbar wäre. Unterstützt wird die Idee vom Deutschen Städtetag in Berlin. Gegner der Maßnahmen verweisen derweil auf die potenzielle Verlangsamung des Stadtverkehrs, mehr Stress für Pendler und längere Fahrten.