Laut dem Umfrage-Institut Statista erwägen 12 Prozent der Deutschen, sich 2022 ein Fahrrad beziehungsweise E-Bike zu kaufen. Aber muss es zwingend ein ganz neues Modell sein? Interessenten könnten durchaus in Betracht ziehen, auch ein Gebrauchtes zu kaufen. Neben E-Bay (-Kleinanzeigen), Zeitungsinseraten und Aushängen in Supermärkten gibt es mittlerweile immer mehr professionelle Händler und Verkäufer. IMTEST zeigt, welche Möglichkeiten es gibt und worauf man beim Kauf auf jeden Fall achten muss.

Gebraucht mit Garantie

Auch gebrauchte E-Bikes kosten nicht selten eine vierstellige Summe. Private Anbieter sind mitunter zwar günstiger gegenüber Händlern, sie bieten allerdings keine Garantie oder Gewährleistung. Ebenso erfährt man selten etwas über die “Basics”, wie den Zustand des Akkus oder Motors. Daher macht es durchaus Sinn, ein gebrauchtes E-Bike bei einem professionellen Händler zu kaufen.



Neuwertige und technisch einwandfreie E-Bikes

Die gebrauchten E-Bikes professioneller Händler stammen meist aus Restbeständen, Verleihstationen und Retouren beziehungsweise Rückgaben. Oft haben sie nicht mehr als 300 bis 2.000 Kilometer auf dem Tacho. Vor dem (Wieder-)Verkauf werden sie auf Herz und Nieren geprüft. Mechaniker reinigen und prüfen die Räder, checken Akku und Motor und tauschen Verschleißteile wie Kette oder Bremsbeläge. So kann sich der Käufer sicher sein, dass er ein sehr neuwertiges Rad zu einem attraktiven Preis bekommt, plus Garantie. Ebenso spielen die Händler bei Bedarf die aktuelle Softwareversion auf.



Wiederaufbereitungscenter für E-Bikes

Ein professioneller Anbieter von Gebrauchträdern ist zum Beispiel die Rebike Mobility GmbH, die unter dem Produktnamen Ebike Abo auch Fahrräder vermietet. Ihre Pedelecs sind meist nur zwischen drei und 12 Monate alt und nicht mehr als 1.000 Kilometer gefahren. Wenige Vorjahresmodelle können laut Rebike sogar komplett neu, aber vergünstigt angeboten werden. Zum Service gehört zudem eine Beratung sowie die Lieferung des E-Bikes zum Kunden nach Hause.

Zwei Männer prüfen Fahrrad
Im neuen Refurbishment-Center von Rebike in Kempten/Allgäu sollen jährlich bis zu 50.000 E-Bikes wiederaufbereitet werden. © Rebike

Gebraucht “made in Germany”

Die Nachfrage bei Rebike ist sogar so groß, dass die Münchener im Mai in Kempten im Allgäu ein Wiederaufbereitungscenter eröffnet haben. “Refurbishment made in Germany”, wie sie es selbst nennen. In einer 3.550 Quadratmeter großen Halle sollen jährlich bis zu 50.000 E-Bikes aufgebaut, generalüberholt und europaweit verkauft werden. Ziel ist es, dass die Räder optisch und technisch dann “wie neu” aussehen. Und damit der Kunde, der nicht direkt vor Ort wohnt, dies auch sehen kann, wurde ein eigenes 360 Grad-Fotostudio konzipiert. So soll niemand eine “Überraschung” erleben. Die angebotenen E-Bikes, die dann im Webshop erhältlich sind, liegen je nach Modell 300 Euro bis 1.000 Euro unter den Neupreis.

Garantie auf Motor und Akku wie bei neuem E-Bike

Sven Erger
Die E-Bikes, die wir anbieten sind im Zustand „wie neu“. Sie wurden zwar bereits gefahren, aber in einem sehr aufwendigen Prozess generealüberholt – wir sagen „refurbished“. Unser Refurbishment umfasst verschiedene Prüf- und Instandsetzungsprozesse auf einer industrialisierten Fertigungslinie. Nach einem standardisierten Reinigungsprozess werden die E-Bikes von ausgebildeten Fahrradmechanikern technisch und optisch geprüft. Mängel werden behoben, Verschleißteile ausgetauscht, Kratzer und optische Gebrauchsspuren vermerkt. Außerdem lesen wir die Daten von Motor und Akku aus. Alle Schritte erfassen wir digital in unserer Warenwirtschafts-Software. Auch die automatisierte Fotografie im eigens entwickelten 360-Grad-Fotostudio gehört zu dem Prozess. Jedes E-Bike wird für die Website fotografiert, damit der Kunde genau sehen kann, was er bekommt.  Nach dem Refurbishment kennen wir die ganze Lebensgeschichte des E-Bikes und geben zwei Jahre Garantie auf Motor und Akku.”Sven Erger, Co-Gründer und Geschäftsführer von Rebike
Mann liest digitale Daten von E-Bike aus
Vor dem Wiederverkauf werden besonders der Akku und der Motor geprüft und die Daten ausgelesen. © Rebike


Second Use – Erfolgreiche Geschäftsidee

Weitere Händler, die wie Rebike gebrauchte E-Bikes mit Garantie verkaufen, sind Bikesales, Gebrauchtradstudio, Bikeexchange, Upway oder der Re-Store von E-Bay Für alle Artikel aus dem Re-Store gilt der eBay-Käuferschutz. Einen besonders sozialen Gedanken verfolgt das Start-Up Revive, die nicht nur E-Bikes, sondern auch Möbeln ein zweites Leben schenken will. Zur Begutachtung des potenziell neuen Bikes kann der Kunde es sich zuvor per WhatsApp-Videochat zeigen lassen. Zehn Prozent des Jahresgewinns spenden die Kölner für wohltätige Zwecke.

Unter dem Stichwort “Second Use” kann man Retouren zu gleichen Vorteilen wie Neuware beim Sportdiscounter Decathlon kaufen. Einziger Nachteil: Der Interessent kann sich das E-Bike nicht nach Hause liefern lassen, sondern kann es nur in der Filiale vor Ort kaufen, wo es laut Website gerade steht.



Das gebrauchte Wunsch-E-Bike

Refurbishment, Second Use oder die Verlängerung des Fahrradlebens – wer sein Traumrad sucht, kann auch unter den Gebrauchten fündig werden. Das Gute dabei ist: Während Händler von Neurädern immer wieder mit Lieferengpässen zu kämpfen haben und E-Bikes mitunter erst Monate später ausliefern können, ist das gebrauchte Rad im Internet sofort verfügbar. Oft können die Händler das E-Bike innerhalb einer Woche liefern.

Sven Erger
Die Liefersituation im gesamten Fahrradmarkt ist kompliziert – umso aktueller ist das Thema Refurbishment, denn damit verlängern wir den Lebenszyklus der E-Bikes. Alle Modelle, die bei uns auf der Website angeboten werden, sind direkt verfügbar – sie werden nach der Bestellung per Spedition verschickt und stehen nach etwa sieben Werktagen vor der Haustür.Sven Erger, Co-Gründer und Geschäftsführer von Rebike

Was als bei Autos normal ist, kommt jetzt bei E-Bikes so richtig in Schwung. Professioneller Gebraucht-Fahrradverkauf mit Garantie – gut für den Geldbeutel und die Umwelt.