„Die Zukunft des Gaming Headsets“ – so bezeichnet Steelseries sein Headset. Große Worte, denen in mehreren Wochen Alltags- und Spielebetrieb nachgegangen wurde: Von Gamer-Disziplinen wie CS: GO oder Elden Ring über feinster Hi-Res-Musik über Tidal bis hin zur brachialen Kulisse von Danny Villeneuves „Dune“-Neuauflage. Wie gut die Arctis Nova Pro Wireless sich schlagen, zeigt der Test. 

externes DAC mit üppigem Bedienteil
Als einziger Hersteller liefert Steelseries ein externes DAC mit üppigem Bedienteil mit. © Steelseries/ IMTEST

Technische Daten des Headsets im Überblick

  • Preis: 379,99 Euro 
  • Gewicht: 338 Gramm  
  • Typ: Wireless mit Kabeloptionen  
  • Treiber: 50 mm Neodym    
  • Verbindung: 2,4 Ghz USB-DAC, 2x, 3,5mm Klinke, 2x USB-C, Bluetooth 5.2 
  • Bauform: Over ear   
  • Garantie: 24 Monate  
  • Tonfrequenzbereich: 15 Hz bis 30 kHz  
  • Mikrofonfrequenzbereich: 5 Hz bis 30kHz  
  • Impedanz: 38 Ohm  


Steelseries Arctis Nova Pro Wireless: Design, Komfort und Verarbeitung

Wer den Vorgänger kennt, wird sich über das völlig neu gestaltete Steelseries Arctis Nova Pro Wireless freuen: Statt auf Gamer-Optik, setzt das neue Steelseries Headset auf ein elegantes Äußeres Optik und zurückhaltende Gesamtmaße. Aufgrund seiner audiophilen Eigenschaften (siehe unten) ist es damit auch für den Büroalltag sowie unterwegs bestens geeignet und fällt nicht als quietschbuntes Gaming-Headset auf.  

Komfortabel war es allemal: nach 7 Stunden Dauereinsatz am Flughafen, im Flieger und nach der Landung gab es weder Ermüdungserscheinungen noch Schweißbildung. Aber auch beim Abnehmen blieben sie bequem. Die Ohrmuscheln ließen sich um 90 Grad rotieren und ruhen ohne Druck angenehm auf den Schultern. Zuhause angekommen hielt es auch mehrstündigen Spielesitzungen mühelos stand und blieb bequem.  

Einrichtung, Bedienung und Akkulaufzeit

Das Steelseries Arctis Nova Pro Wireless bietet haufenweise Gimmicks und Features, die zwar gefallen, jedoch eine steile Lernkurve darstellten: Um das Gerät per Bluetooth zu koppeln, muss es zunächst mit längerem Tastendruck an der linken Muschel eingeschaltet und mit einem abermals längeren Tastendruck auf der rechten Seite per Bluetooth gekoppelt werden. Das dauerte bei der Verbindung mit verschiedenen Geräten, etwa dem Steam Deck oder einem iPhone, ungewöhnlich lange und stets erst nach mehreren Anläufen. Ist es aber einmal gekoppelt, verbindet es sich automatisch und kann auch im Dualmodus betrieben werden: So kann man per Bluetooth vom Smartphone Musik hören und dann sofort auf das Spiel im Gaming-Laptop umschalten. Beim Spielen sind so Spiele und am Smartphone Podcasts hören. Praktisch! 

Steelseries Arctis Nova Pro Wireless: Ein Akku für ununterbrochenen Spielspaß

Richtig umständlich wird es aber dann erst beim Laden: Der USB-C-Ladeport versteckt sich hinter der Alu-Abdeckung der rechten Ohrmuschel, die sich mit einem kleinen Drehgriff (oder dem Einsatz von Fingernägeln) lösen – den Kniff muss man aber auch erst einmal erlernen. Auf der linken Seite findet dann der Ersatzakku Platz. Ja, richtig gelesen: Als einziges Headset im gesamten Testfeld lässt sich nicht nur der Akku auswechseln, ein zweiter Akku wird auch gleich mitgeliefert und kann im DAC parallel geladen werden. Geht dem Headset dann nach gemessenen 22 Stunden und 25 Minuten die Puste aus, sorgt der Zweitakku dann für ununterbrochenen Spielspaß, während der leere Akku dann wieder im mitgelieferten DAC geladen wird. Genial.  

Der Wireless Transmitter mit OLED Screen uns die Steelseries GG-Software

Der Wireless Transmitter mit OLED Screen ist ein wahres Highlight: Die Lautstärke lässt sich damit bequem und stufenlos regeln.  Die Equalizer-Presets ermöglichen feinste Abstimmungen, ohne dass die Software bemüht werden muss. An der Station finden dann beispielsweise zwei PCs über USB und zwei Konsolen via Klinke Platz. Ja, die Lernkurve ist steil – einmal gemeistert ist das Arctis Nova Pro das mit Abstand vielseitigste und anpassbarste Headset im Test.  

Die Steelseries GG-Software rundet die Bedienung ab:  

Schade: Die Einstellungen und zahlreichen Plug-Ins sind lediglich im PC-Betrieb möglich. Beim Anschluss an eine Konsole, etwa der PS5, oder einem Smartphone per Bluetooth sind diese nicht aktiv. Glücklicherweise klingt das Headset auch ohne Feinjustierung „out of the box“ ausgezeichnet. Dennoch wäre eine App fürs Smartphone wünschenswert.  



Tonqualität: Bietet dem MMX 300 die Stirn, lässt die Konkurrenz hinter sich 

Neben dem MMX 300 klang kein Headset so ausgewogen, knackig und detailreich wie das Steelseries Arctis Nova Pro. Von der gewaltigen Soundkulisse bei Endbossen in Elden Ring bis hin zu ruhigen Dialogen in Severance. Das Headset sticht seine Kontrahenten aus und gibt Töne so wieder, wie die Macher sich das vorgestellt haben.  

  • In einer ruhigen Storysequenz ertönte Aloys Stimme klar und abgehoben von der Hintergrundkulisse aus den Membranen. Bei Actionszenen und hohen Lautstärken hielt das Steelseries seinen Pegel und klang stets fein.  
  • Beim Streifzug durch die Einöde kann man dank der feinen Ortung Gegner in der Ferne sofort lokalisieren und im Eifer des Gefechts auch rechtzeitig ausweichen. Die klare Surroundwiedergabe kam nicht ganz an die dreidimensionale Präzision des EPOS H3PRO heran, setzte sich dennoch über das Testfeld. Bei CS: GO rauschten Kugeln ebenfalls räumlich klar ortbar an uns vorbei und Kameraden waren jederzeit erkennbar.  
  • Die zu Beginn leisen Sequenzen des Tracks „Zeit“ aus dem gleichnamigen Album von Rammstein werden ebenso präzise und fein dargestellt, wie die lauten rockigen Passagen zur Mitte des Tracks. Hier bewegen wir uns auf Niveau von Studio-Kopfhörern, wenngleich die Stimmenwiedergabe nur einen Hauch unter der Klarheit der MMX 300 liegt.  
  • Derselbe Effekt tritt auch bei Dune und Severance auf. Jedes feinste Detail kam durch, ganz gleich ob bei leisen oder lauten Passagen.  

Mikrofon und Geräuschunterdrückung des Headsets

Der einzige Nachteil, dem man den Steelseries Arctis Nova Pro ankreiden kann, ist die nur ausreichend gute Geräuschunterdrückung. Zwar werden Klimaanlage oder des Nachbars Rasenmäher noch gut unterdrückt, im Flugzeug oder unterwegs in Bus oder Bahn waren Umgebungsgeräusche erst bei mittellauter Musik nicht mehr hörbar. Das macht B&O oder die nicht-Gaming-Headsets von Bose (700) oder Sony (1000XM5) besser. Für den Preis von 379 Euro darf sich Steelseries bei den Klassenbesten durchaus etwas abschauen. 

Das Mikrofon hingegen ist gut: Stimmen klingen klar, wenn auch der Bass bei sonoren Stimmen etwas zu wünschen übriglässt 

Fazit

In allen Disziplinen sticht das Steelseries seine Kontrahenten aus und liefert Klangqualität auf Niveau von Studiokopfhörern. Einzig das Beyerdynamics MMX 300 bietet ihm die Stirn. Dank der zahlreichen Funktionen, den zwei auswechselbaren Akkus und einem halben Dutzend Verbindungsoptionen ist es jedoch die erste Wahl für den Gamer mit Konfigurationsdrang.  

  • PRO
    • hervorragende Klangeigenschaften: Tiefer Bass, klare Stimmen, akkurate Darstellung der Mitten, auswechselbarer Akku, sehr bequeme und edle Verarbeitung 
  • KONTRA
    • sehr teuer, komplexe Bedienung, keine Klanganpassung bei Bluetooth-Verbindung mit Smartphone 

IMTEST Ergebnis:

sehr gut 1,4