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Demenz: Symptome frühzeitig erkennen – eine Übersicht

Demenz ist eine Krankheit mit vielen verschiedenen Facetten und Symptomen.

Ein älterer Herr legt ein Puzzle in Form eines Gehirns.
Demenz und normale Alterserscheinungen sind anfangs oft nicht leicht auseinanderzuhalten. © Getty Images

Der Begriff “Demenz” leitet sich vom lateinischen “demens” ab (de: “weg von” und mens: “Geist”) und bedeutet sinngemäß “weg vom Geist” . Demenz ist heute der Oberbegriff für mehr als 50 Krankheitsformen.

Ein alter Mann schlägt die Hände vors Gesicht.
Demenz ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Doch immerhin lässt sich der Krankheitsverlauf bei rechtzeitiger Diagnose verlangsamen. © Pexels / Kindel Media

Demenz aus medizinischer Sicht

Weltweit leiden etwa 0,5 bis 1 Prozent aller Menschen im Alter von 60 bis 64 Jahren an einer Demenzerkrankung. Die Anzahl der an Demenz erkrankten Personen steigt dabei in der zweiten Lebenshälfte mit zunehmendem Alter an. Nichtsdestotrotz ist Demenz keine zu erwartende Alterserscheinung, in Deutschland sind bei den 65- bis 69-Jährigen nur etwa 1,2 Prozent betroffen, bei den 80- bis 84-Jährigen etwa 13,3 Prozent und bei den über 90-Jährigen circa 35 Prozent. Für Frauen ist das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, zudem höher als für Männer – das Verhältnis liegt bei 3:2.

In der Bundesrepublik leben laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft derzeit etwa 1,6 Millionen Demenzpatienten. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich die Zahl der Erkrankten bis zum Jahr 2050 auf drei Millionen erhöhen. Die Befürchtung vieler Menschen, selbst einmal betroffen zu sein, ist daher nicht unbegründet. Zweifellos ist die Zahl der Demenzkranken in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen, dieser Anstieg lässt sich jedoch durch die höhere Lebenserwartung erklären.

Wer sich rechtzeitig informiert, über den Verlauf und die Erscheinungsformen der Krankheit Bescheid weiß, kann sachgerechte, wohlüberlegte Entscheidungen treffen. Angehörige können lernen, die Grenzen des Machbaren zu akzeptieren. Dr. Ann-Kathrin Meyer, Fachärztin für Innere Medizin und Altersheilkunde (Geriatrie), hat im folgenden Beitrag die Fakten zusammengefasst.



Erste Symptome bei Demenz: Nachlassen des Kurzzeitgedächtnisses

Typische Beeinträchtigungen betreffen die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit sowie das Verhalten im Alltag. Kein einzelnes Symptom ist für eine Demenz spezifisch, sondern nur die Gesamtheit der Ausfallerscheinungen. Das Aufnehmen, Verarbeiten und der Abruf neuer Informationen wird zunehmend schwierig. Häufig ist eine der ersten Beobachtungen daher, dass Betroffene “tüdelig” wirken, Gegenstände verlegen, und es ihnen schwerfällt, sich zu konzentrieren.

Orientierungsstörungen: räumlich, zeitlich, verbal, personell und situativ

Wörter für Alltagsgegenstände fallen dem Erkrankten nicht mehr ein. Die Sätze werden kürzer. Es wird zusehends schwieriger, präzise Formulierungen zu finden. Das Sprechen wird undeutlich, die Lesefähigkeit und das Rechenvermögen lassen nach.

Der Demente kann sich in fremder Umgebung immer schlechter orientieren. Nach dem Einkauf im Supermarkt findet er nicht den vertrauten Weg nach Hause oder verläuft sich innerhalb der eigenen vier Wände, findet zum Beispiel nicht mehr zum WC. Eingeliefert in ein Krankenhaus, weiß der Patient beispielsweise nicht, wo er sich befindet (räumliche Orientierung). Die Grenzen zwischen Werktagen, Wochenenden und Feiertagen verschwimmen, wie auch die jahreszeitliche Einordnung. Das Zeitgefühl geht verloren (zeitliche Orientierung).

An seine persönlichen Daten erinnert sich der Demenzkranke noch am besten: Alter, Geburtsdatum, verheiratet, Kinder? Je aktueller der zeitliche Bezug ist, desto eingeschränkter sind die Fähigkeiten des Patienten, sich zu orientieren (Orientierung zur Person). Besonders schmerzlich für liebevoll betreuende Angehörige ist, dass sie in diesem Stadium häufig vom Kranken nicht mehr erkannt werden. Dessen Möglichkeiten, sich in neuen Situationen zurechtzufinden oder angemessen zu reagieren, nehmen zusehends ab (situative Orientierung).



Antriebsminderung, Interessenlosigkeit und innere Unruhe

Eine allgemeine Tendenz, sich zurückzuziehen, ist zu beobachten. Es besteht oft kaum noch Interesse an Hobbys, Enkelkindern oder Haustieren.

In einer Übergangsphase von der mittleren zur späten Demenz schlägt die Stimmung mancher Patienten bisweilen jäh um: Stundenlang kann ein demenzkranker Mensch reglos am Fenster sitzen – um dann urplötzlich aufzustehen und ruhelos in der Wohnung auf und abzugehen. Angehörige sollten sicherstellen, dass die Haustür gut verschlossen ist. Verirren sich Demenzkranke auf die Straße, finden sie kaum zurück – und sind den Gefahren des Autoverkehrs ausgeliefert.

Das Verhalten von Demenz-Patienten ändert sich oft komplett

Für die Familie kann es belastend sein, wenn sich das Verhalten des Demenzkranken verändert. Der früher so besonnene Vater reagiert plötzlich gereizt, ängstlich oder abweisend. Die Mutter fühlt sich verfolgt, rastlos und ungeliebt. Viele Erkrankte versuchen verzweifelt, sich zu orientieren und sind unglücklich, weil diese Versuche scheitern. Dieser Frust macht sich nicht selten in Form von Aggressionen gegenüber ihrer Umwelt bemerkbar. Ein Stadium, für das An- gehörige viel Kraft und Geduld aufbringen müssen.

Gefühlte Bedrohung und Verlust des Urteilsvermögens

Der Erkrankte nimmt seine Umwelt oft als fremd wahr, er fühlt sich bedroht. Was er als beängstigend erlebt, wird mit Abwehr und Gegenwehr beantwortet, zum Beispiel mit dem drohend erhobenen Gehstock. Verzweiflung, Weinen und Hoffnungslosigkeit sind mindestens ebenso häufig. Sinnestäuschungen und Halluzinationen, das Sehen, Hören und Wahrnehmen von Personen, Tieren und Dingen, die nicht real sind, machen die Umwelt für den Erkrankten dabei unkontrollierbar.

Die Urteilsfähigkeit ist dabei zunehmend eingeschränkt. Unangemessene Offenheit über Persönliches und Intimes, unangebrachtes Lachen und lächerliches Verhalten sind dann oft weitere Facetten. Auf solche Enthemmungen angemessen zu reagieren, ist für Pflegende oft sehr schwierig.

Ein liegender, alter Mann greift nach einem Glas Wasser.
Bei Demenz ist es enorm wichtig, auf die ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. © Pexels / SHVETS production

Körperliche Symptome von Demenz

Die körperlichen Symptome treten im Verlauf der Krankheit zunehmend deutlicher auf. Der Gang wird dann oft unsicher, kleinschrittig, schlurfend, der Oberkörper ist nach vorn gebeugt. Dabei kommt es häufig zu Stürzen. Es entwickelt sich entsprechend oft eine zunehmende Geh- und Bewegungsunfähigkeit, gefolgt von Bettlägerigkeit mit der Gefahr einer Ausbildung von Druckgeschwüren. Die Kontrolle über Blase und Darm geht verloren.

Die Nahrungsaufnahme kann problematisch werden. Reduziertes Durst- und Hungergefühl können Austrocknung und Unterernährung bewirken. Auch Schluckstörungen mit häufigem Verschlucken und dadurch bedingten Lungenentzündungen sind ernst zu nehmende Probleme. Bei anderen Betroffenen besteht dagegen eher die Gefahr, ein gefährliches Übergewicht zu erreichen, da sie eine gerade beendete Mahlzeit unmittelbar wieder vergessen und entsprechend nach mehr Essen verlangen.

Der vorliegende Text stammt aus dem Ratgeber “Der Pflegekompass” von Jochen Mertens e.K., erstmals erschienen 2021 bei der Funke Mediengruppe.

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