Immer mehr Familien schaffen ihr Auto ab und steigen aufs E-Lastenrad um. Die neuen Trendmobile sind aus dem Stadtbild längst nicht mehr wegzudenken. Doch Lastenrad ist nicht gleich E-Cargo-Bike. Es gibt Versionen mit zwei oder mit drei Rädern, angetrieben mit Muskelkraft oder per Elektromotor, mit Gepäckboxen vorne oder hinten, mit Neigetechnik, Achsschenkel- oder Drehschemellenkung. IMTEST erklärt die verschiedenen Konzepte der Lastenräder, gibt Tipps zum Kauf und verrät, wo man Fördergelder zum Kauf eines Lastenrads bekommt. Zudem stellen wir hier regelmäßig E-Cargobike-Neuheiten für 2022 vor.

Update vom 23. Juni 2022: E-Cargobike mit zwei Ladeebenen

Immer mehr Firmen setzen auf die praktischen Lastenräder, um auf der letzten Meile nicht mit einem dicken LKW im Großstadtdschungel festzustecken. Mittlerweile gibt es für (fast) jeden ein passendes Modell. Für noch mehr Auswahl sorgt nun der japanische Hersteller Envision mit seinem Cargobike Streek. Das E-Cargobike wirkt auf den ersten Blick sehr schlank und handlich. Die Japaner haben nämlich aufgrund einer länderspezifischen Vorgabe die Herausforderung, dass ein Fahrrad nicht länger als 190 Zentimeter sein darf. Und daher ist das Streek auch nur 189 Zentimeter lang und 59 Zentimeter breit. Das Besondere: Um trotzdem viel Gepäck mitnehmen zu können, kann man seine Sachen auf zwei Ebenen unterbringen.

E-Cargobike aus Japan mit zwei Ladeebenen
© Envision

Cargobike mit vielen Variationsmöglichkeiten

Dazu hat das E-Cargobike eine bodennahe Ladefläche und eine zweite, abnehmbare darüber. Umrahmt ist das Bike mit einem Aluminiumrohr, welcher einem Überrollbügel ähnelt. Statt der zweiten Etage lassen sich an diesem Bügel ebenso Taschen anhängen.

So hat jeder Nutzer die Möglichkeit, das Streek nach seinen Wünschen zu konfigurieren. Der Fahrradfahrer kann auf der unteren Ebene ebenso einen Kindersitz unterbringen. Unternehmen und Firmen können eine volumenfüllende Box montieren. Eine praktische Sache, die das Cargobike sehr vielfältig macht.

Die kippbaren Vorderräder sorgen für sportliche Wendigkeit

Das Lastenrad hat vorne zwei 18-Zoll-Räder, die unabhängig voneinander aufgehängt und kippbar sind. Das ermöglicht eine große Wendigkeit im Stadtverkehr. Der Elektroantrieb befindet sich im Rahmen und treibt das Hinterrad an. Als Akku hat Envision ein 374 Wattstunden-Modell gewählt. Bei niedrigster Unterstützungsstufe soll der Fahrer damit bis zu 120 Kilometer zurücklegen können. Das Gewicht des E-Bikes ohne Gepäck liegt bei 32 Kilogramm, die maximale Zuladung soll 60 Kilogramm betragen. Als Preis nennt Hersteller Envision 2.800 Euro für das Streek.



Update vom 17. Juni 2022: Solar-Lastenräder für höhere Reichweite

Bis zu 20 Prozent mehr Reichweite bei voller Auslastung der Nutzlast von bis zu 250 Kilogramm plus Fahrer – das verspricht die Urban Mobility GmbH von ihren E-Cargobikes. Das Unternehmen aus Bayern ist spezialisiert auf elektrisch unterstütze Schwerlastenräder zur Zustellung von Paketen sowie Lebensmittel und Getränke im innerstädtischen Raum. Das Modell “UM CargoBike” hat einen zwei Kubikmeter großen Transportraum. Da es als Pedelec25 klassifiziert ist, darf es auch auf Fahrradwegen und einigen Fußgängerzonen fahren. Durch die Unterstützung eines Solarmoduls kann die Effizienz im täglichen Betrieb erheblich verbessert werden. Im Durchschnitt legt ein Lastenrad pro Tag acht bis 12 Kilometer zurück und verbraucht etwa eine Kilowattstunde Strom.

Solar-Lastenrad
Bei voller Auslastung kann durch die gewonnene Solarenergie mehr Reichweite erzielt werden. © Urban Mobility

Update vom 13. Juni 2022: Muli, das wandlungsfähige Lastenrad

Mit einer Länge von nur 195 Zentimeter ist das Muli-Lastenrad genau so lang wie ein normales Fahrrad. Trotzdem besitzt es einen Tragekorb zwischen Vorderrad und Lenker, der 100 Liter fassen kann. Transportiert man gerade nichts, lässt er sich auf eine Breite von nur 28 Zentimeter zusammenklappen. Durch seine kompakte Bauweise kann das elektrisch angetriebene Cargobike in der Bahn mitgenommen werden und passt auf alle gängigen Autoheckträger. Auch Hunde und Kinder können problemlos im Transportkorb mitgenommen werden.

Lastenrad
Das “muli motor px”-Lastenrad mit klappbarem Korb und einer Gesamtlänge von nur 195cm passt perfekt in den urbanen Alltag. © Muli Cycles


Dreirad oder Trike: Die Lastenräder mit drei Rädern

Sie bieten den meisten Stauraum und kippen im Stand und bei langsamer Fahrt nicht um. Die meisten dreirädrigen Lastenräder haben vorne zwei Räder und hinten eines. Der Kasten, oft eine Holzbox, ist vor dem Lenker angebracht. Das hat den Vorteil, dass man die Kinder oder das Ladegut stets im Blick hat. Die Nachteile der Dreiräder: Sie sind vergleichsweise schwer, langsam und so breit, dass sie auf manche Fahrradwege nicht passen.

Wie bei fast allen anderen Lastenrädern auch, haben Käuferinnen und Käufer die Wahl zwischen klassischem Antrieb per Muskelkraft oder mühelosem Elektroantrieb, was sich deutlich im Kaufpreis niederschlägt. Ideal geeignet sind diese Modelle für Familien mit Kindern. Auf dem Weg zum Einkaufen, Spielplatz oder Kindergarten sitzen die Kleinsten dank Drei-Punkt-Gurten gut gesichert in der Transportbox. Der Sicherheitsgurt verhindert außerdem, dass ein Kind während der Fahrt unvermittelt aufstehen kann. Einige Modelle bieten nicht nur für ein oder zwei Kinder Platz, sondern für bis zu sechs. Die Zuladung beträgt zwischen 100 und 200 Kilogramm, je nach Modell.

Frau auf Lastenrad
Lastenräder liegen voll im Trend und ersetzen oft das eigene Auto. Besonders beliebt bei Eltern und Kindern: Dreirädrige Lastenräder mit der Box vor dem Lenker. © Butcher and Bicycles

Verschiedene Arten der Lenkung

Bei einigen dreirädrigen Lastenrädern lenkt das Gefährt mit der gesamten Front über eine Drehschemellenkung. Das bedeutet, dass beim Kurvenfahren der Lenker, die Vorderräder und der Kasten gemeinsam und gleichzeitig bewegt werden. Diese Technik erfordert ein größeres Ausschwenken der Arme vom Körper weg. Das ist gewöhnungsbedürftig. 

Bei Modellen mit Achsschenkellenkung bleibt der Kasten beim Kurvenfahren gerade ausgerichtet. Hier bewegt sich nur die Vorderachse – die beiden Vorderräder sind über ein Gestänge mit dem Lenker verbunden. Die Lenkbewegung entspricht der eines normalen Fahrrades, fühlt sich aber indirekter an, ähnlich wie beim Auto. Auch das ist gewöhnungsbedürftig. Ein Sonderfall sind Dreiräder mit Neigetechnik wie die Sblocs Bikes von Velogut, die sich vor allem für sportliche Fahrerinnen und Fahrer anbieten.



Das Angebot an dreirädrigen Lastenfahrrädern ist groß. Zu den beliebtesten Modellen gehören die Räder der Marken Babboe, BakfietsButchers & Bicycles und Winther. Die Preise beginnen bei rund 1.700 Euro für Modelle ohne E-Antrieb und reichen bis zu rund 8.000 Euro für die Topmodelle. In vielen Fällen kommen dazu noch Aufpreise für Zubehör wie Verdecke, Kindersitzhalterungen oder herausnehmbare Sitzbänke.

Tipp: Wer auf seinen täglichen Fahrten Steigungen – auch leichte, mit dem bloßen Auge kaum erkennbare – zu überwinden hat, sollte den Aufpreis für den Elektro-Antrieb nicht scheuen. Die meisten Dreiräder ohne Elektromotor und Akku wiegen leer schon 30 bis 40 Kilogramm. Da kommt man ohne Motorunterstützung schnell aus der Puste.



Long John

Dieser Gattungsbegriff steht für zweirädrige Lastenfahrräder mit verlängertem Radstand und Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad. Diese Modelle vertragen bis zu 150 Kilogramm Zuladung. Ein Long John ist leicht zu fahren und passt auf jeden Radweg. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit erlaubt es sogar einen sportlichen Fahrstil. Nur an die Länge muss man sich gewöhnen: Long Johns sind rund 2,50 Meter lang, ein normales Fahrrad nur rund 1,90 Meter.

Lastenrad mit zwei Kindern
Lang und schnell: Die Long-John-Räder machen Spaß beim Fahren. © Velogold

Auch auf diesen zweirädrigen Vehikeln lassen sich im Kasten vor dem Lenker Kinder transportieren, die man dann ebenso gut im Blick hat wie bei den dreirädrigen Modellen. Bei hoher Zuladung kann das Gefährt im Stand und bei langsamer Fahrt aber recht kippelig werden. Auch die Tatsache, dass sich das Vorderrad weit entfernt vor dem Lenker befindet, bedarf der Gewöhnung. Hier hilft nur üben und sich mit den Fahreigenschaften vertraut machen, bevor man die Kinder damit herum chauffiert.

Zu den beliebtesten Herstellern von Long John Lastenrädern gehören Babboe, Bakfiets, Cargo Factory, Yuba, Larry vs Harry, Muli, Urban Arrow und Riese & Müller. Die Preise liegen zwischen rund 1.800 Euro und rund 7.500 Euro, je nach Modell, Antriebsart und Ausstattung.



Backpacker

Das sind ebenfalls besonders stabile zweirädrige Fahrräder mit verlängertem Radstand. Im Gegensatz zu einem Long John befindet sich bei einem Backpacker die Ladefläche jedoch hinter den Fahrenden und das Fahrrad ist insgesamt nicht so lang. Ein typischer Vertreter dieser Bauart, das Yuba Mundo, misst beispielsweise 2,10 Meter in der Länge. Das hat den Vorteil, dass sich diese Lastenräder beinahe wie ein normales Fahrrad fahren und manövrieren lassen. Sie sind im Stadtverkehr wendiger als die dreirädrigen Gefährte und Long Johns.

Lastenrad
Beim Backpacker liegt die Ladefläche hinter dem Sattel. © Yuba

Nachteil des Konzepts: Auf einem Backpacker steht nicht ganz so viel Ladefläche zur Verfügung wie auf Dreirädern und Long Johns. Trotzdem reicht es bei den meisten Modellen für zwei Kindersitze hintereinander. Wobei man die Kleinen allerdings während der Fahrt nicht im Blick hat. Statt Kindersitzen lassen sich mit Körben, Kisten, Boxen, Seitentaschen und Zurrgurten auch große und schwere Gepäckstücke auf dem stabilen Gepäckträger verstauen – damit eignen sich Backpacker auch für größere Einkaufstouren. Einige Modelle erlauben eine Zuladung von bis zu 200 Kilogramm.



Wie bei Lastenrädern üblich, gibt es Versionen mit und ohne Elektroantrieb. Die bekanntesten Hersteller von Backpackern sind Yuba, Riese & Müller, Tern und Benno Bikes. Die Preisspanne reicht von rund 1.400 Euro für die einfachsten Modelle ohne E-Motor bis über 7.000 Euro für die Topmodelle mit Elektroantrieb.

Postfahrrad

Mit diesen Fahrrädern haben sich Generationen von Briefträgerinnen und Briefträger abgestrampelt. Beim sogenannten Postrad handelt es sich um ein besonders stabiles Fahrrad mit tiefem Einstieg, das sich in der Größe nicht von einem herkömmlichen Fahrrad unterscheidet. Die klassischen Posträder haben vorne und hinten einen besonders stabilen und geräumigen Gepäckträger, der jeweils über dicke Metallstreben mit dem Rahmen des Fahrrads verschweißt ist. Dadurch vertragen Posträder wesentlich höhere Lasten als herkömmliche Fahrräder. Oft ist das Vorderrad im Durchmesser kleiner als das hintere, um dadurch mehr Stauraum für den vorderen Gepäckträger zu schaffen.

Postfahrrad
Das klassische Postfahrrad ist preiswerter als die anderen Lastenräder, verträgt aber ebenfalls eine Menge Zuladung. © Postfahrrad Racer / Mein Transporthelfer

Posträder gibt es mit Muskel- oder Elektroantrieb. Zu Preisen ab rund 1.000 Euro sind sie deutlich günstiger als die anderen Arten von Lastenrädern. Mit Elektroantrieb beginnen die Preise bei rund 3.000 Euro. Einen Überblick über die mittlerweile recht exotisch gewordenen klassischen Posträder und davon abgeleitete Lastenräder gibt es hier.



Probefahren ist wichtig

Selbst wer seine Entscheidung für eine bestimmte Art von Lastenrad bereits getroffen hat, sollte auf eine ausführliche Probefahrt nicht verzichten. Denn ob Dreirad, Long John, Backpacker oder Postrad – kein einziges dieser Modelle fährt sich so, wie man es vom eigenen Mountainbike oder Cityrad gewohnt ist. Lastenräder sind sowohl schwerer als auch unhandlicher und sperriger zu handhaben und zu fahren als das gewohnte Bike. Auch wer bislang oft mit einem Fahrradanhänger unterwegs war, muss sich auf ein Lastenrad umstellen.

Eltern, die mit ihrem Lastenrad Kinder durch die Gegend kutschieren möchten, sollten diese zu Probefahrten beim Fahrradhändler gleich mitnehmen. Die Kleinen werden begeistert sein und Papa oder Mama können ausprobieren, welche Art von Lastenrad ihnen am ehesten zusagt. Wem es stattdessen ums Transportieren von Ladung geht, sollte sich beim Fahrradhändler vor der Probefahrt erkundigen, ob dieser genügend schwere Gegenstände zur Probefahrt bereitstellen kann. Falls nicht, empfiehlt es sich, ein paar vollgepackte Taschen von zuhause mitzubringen. Denn es macht beim Fahren einen großen Unterschied, ob ein Lastenfahrrad leer oder mit hoher Zuladung bewegt wird.



Fördergelder von der Stadt/Gemeinde

Der Staat freut sich über alle Bürgerinnen und Bürger, die vom umweltschädlichen Automobil auf ein Lastenfahrrad umsteigen. Deshalb fördern viele Städte und Gemeinden die Anschaffung eines Lastenrads mit Prämien. Sie betragen meist 500 Euro oder 1.000 Euro, manchmal gibt’s auch nur 100 Euro Zuschuss. Die Konditionen dafür sind sehr unterschiedlich. In einigen Gemeinden werden nur Gewerbetreibende unterstützt, in anderen auch Privatpersonen. Manchmal ist die Förderung des Lastenrads mit der nachzuweisenden Abmeldung eines Autos verknüpft, oft wird die Prämie auch einfach ohne jede Bedingung ausbezahlt. Eine gute Übersicht über die Lastenrad-Prämien in Deutschland und Österreich, aufgeschlüsselt nach Bundesländern und einzelnen Städten/Gemeinden gibt es hier.

Fazit

Lastenräder sind eine tolle Alternative zu anderen Verkehrsmitteln und machen obendrein Spaß beim Fahren. Die Unterschiede im Fahrverhalten zwischen den einzelnen Arten von Lastenrädern sind jedoch beträchtlich. Deshalb sollten sich Interessenten vor der Entscheidung für eines der verschiedenen Konzepte mit zwei oder drei Rädern ausführlich Zeit für eine Probefahrt nehmen, am besten gleich mit den Kindern, falls das Rad dafür gekauft werden soll. Die Nachfrage nach Fördergeld bei der eigenen Gemeinde für die Anschaffung eines Lastenrads kann sich lohnen.


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